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10.09.2011

13:49 Uhr

„art berlin contemporary“

Die Grenze der Malerei erweitern

VonChristian Herchenröder

Berlin hat keine Kunstmesse mehr, dafür aber die „abc art berlin contemporary“. Sie rückt dieses mal die Malerei in allen Spielarten in den Mittelpunkt. Ein Pflichttermin für Sammler.

Matthias Weischer: "Skulptur 2" courtesy Galerie EIGEN + ART / Uwe Walter

Matthias Weischer: "Skulptur 2"

BerlinDiese Kunstschau ist ein Zwitter. Die vierte "abc art berlin contemporary" ist eine Kombination von thematischer Ausstellung und Verkaufsschau. Dafür hat die Kuratorin Rita Kersting 130 Positionen aus dem Künstlerstamm von 125 Galerien ausgewählt. Malerei ist das pauschale Thema: Malerei pur und gattungsübergreifend in Skulptur, Installation, Foto und Video. Manche Exponate geben nur noch eine vage Ahnung von malerischen Prozeduren. Der Radius ist gewollt breit gesteckt.

Von allen bisherigen abc-Veranstaltungen ist dies die beste. Das verdankt sie nicht zuletzt der intelligent verschachtelten und aufgebrochenen Architektur, die in zwei Hallen der ehemaligen Postpackstation am Gleisdreieck auch großen Formaten genug Raum zum Atmen gibt. Nach dem blamablen Untergang der Kunstmesse Art Forum ist Berlin - die Kapitale mit 400 Galerien muss sich immer wieder neu erfinden - immerhin ein schickes Format geblieben. Ein Format allerdings, das sich gängigem Konsum verweigert und in einer wirtschaftlich kritischen Phase erst noch seine Marktprobe zu bestehen hat.

Wie der Absturz der Börsen sich auf diese Veranstaltung auswirkt, bleibt abzuwarten. Immerhin ist durch die Einbindung in den Berliner Kunstherbst und seine zahllosen Galerievernissagen für ein attraktives Ergänzungsprogramm gesorgt. Zwanghaftes Sammeln, das den Zeitgenossenmarkt seit zehn Jahren beherrscht, ist nicht von heute auf morgen abgewürgt.

Schon vor der offiziellen Eröffnung streiften Sammler durch den noch unfertigen Parcours. Einer flüsterte mir vor einem Riesenbild von Fritz Bornstück, das Stoffe an einer Stange hängend zeigt, die Empfehlung zu: "Kaufen, kaufen! Den sammle ich schon."

Die aktuelle Börsenlage beschert Liquiditätsprobleme. Der Berliner Galerist Michael Haas, der eine Dependance in Zürich hat, betont: "Der Kaufimpuls ist ungebrochen. Aber vieles wird erst einmal auf die lange Bank geschoben, bis die Börsen wieder florieren." Haas zeigt drei Gemälde des genialischen Pop-Künstlers Uwe Lausen (1941-1970), dessen Werke immer teurer werden. Hier liegen die Preise um 80.000 bis 100.000 Euro.

Ein anderer Künstler, der die zeitliche Obergrenze dieser Schau markiert, ist André Thomkins (1930 - 1985) bei Wolfgang Werner. Zwei Großformate des als penibler Zeichner bekannten Schweizers bieten eine Sonderform der Malerei. Es sind riesige im Wasser ruhende Papierbögen, auf denen Lackfarben, die an der Oberfläche einer Wasserwanne schwebten und mit dem Stock in ihrer Struktur verändert wurden, subtiles Action Painting hinterließen (70.000 und 140.000 Euro).

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