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07.07.2017

07:15 Uhr

Art Berlin

Vereinte Kräfte

VonSusanne Schreiber

Berlin bekommt endlich wieder eine Kunstmesse. Die zuletzt schwächelnde art berlin contemporary (abc) geht in der „Art Berlin“ auf. Partner der Kooperation ist die erfolgreiche, aber im Rheinland bedrängte Art Cologne.

Susanne Schreiber

DüsseldorfMit der Neuformatierung sind die Ausstellerzahlen wieder in die Höhe geschnellt. Diese Woche ließ die neu gegründete Berliner Kunstmesse „Art Berlin“ verkündeten, dass sich rund 110 internationale und nationale Galerien aus 16 Ländern (s. unten die Teilnehmerliste) den Neustart in der Hauptstadt der Künste und Künstler nicht entgehen lassen wollen.

Das Handelsblatt hatte stets eine eigenständige Messe für Berlin gefordert. Nach dem Ende des Art Forums (1996-2010) konnten das Gallery Weekend und die abc nur eine Zeitlang diese Lücke schließen. Beide Formate wollten eigentlich keine Messe sein. Zuletzt fehlte der abc sogar die Unterstützung teilnahmewilliger Galerien, die Zulassungspolitik der Veranstalter missfiel. Deutschland vertrage zwei Messen, wenn sie zeitlich und topografisch klar abgegrenzt sind, war aus Galeristen kreisen zu hören.

Despina Stokou, vertreten durch die Galerie Eigen + Art. Galerie Eigen + Art; bureau-n

Benutzt ihre Leinwände als Objekte

Despina Stokou, vertreten durch die Galerie Eigen + Art.

Die Art Berlin (14.-17. September) ist eine Kooperation der abc und der Art Cologne. Von der „weiterentwickelten“ abc übernommen werden: Der Termin zum Start des zweiten, kürzeren Kunstmarkthalbjahres, die Location in der Station am Gleisdreieck und die Direktorin Maike Cruse. „Sie ist das Gesicht der Messe“, sagte Art Cologne-Direktor Daniel Hug dem Handelsblatt. „Meine Rolle ist eher die eines Ratgebers und Consultants. Wir diskutieren alle Aspekte der Messe. Wir kombinieren unsere jeweiligen Erfahrungen und Stärken und fällen die Entscheidungen gemeinsam.“

Mischmasch oder Belebung

Das hat dazu geführt, dass es beides geben wird auf der 1. Art Berlin: Einzelpositionen und klassische Messestände. Hug: „Wir hoffen, bei der Art Berlin Charakteristisches der abc fortsetzen zu können und gleichzeitig einen strukturierteren Zugang anzubieten, etwa wie auf der Art Cologne.” Unsere Befürchtung eines Mischmasch wischt Daniel Hug bei Seite: „Alle guten Messen bieten eine breite Auswahl an Formaten. Speziell in Berlin, wo so viele internationale Künstler leben und arbeiten, machen Einzelpräsentationen Sinn. Aber nur Soloshows zu zeigen, kann einförmig und langweilig werden. Die Mischung macht’s dynamischer.“

Nicht nur das Messe-Know-How kommt von der Art Cologne, die in Berlin als Veranstalter auftritt. Neu in Berlin sind auch Kunsthändler, die sich für die Klassische Moderne oder die Kunst der 1960er-Jahre einsetzen.

Daniel Hug erntet zu Recht viel Lob für seine Politik in Köln. Zuletzt hatte er den rheinischen Galerien eine schöne Plattform erschlossen als Contemporary-Abteilung auf der Cologne Fine Art (COFA) im November. Denn die schmucke COFA zieht nicht mehr so viele Besucher an wie zu Zeiten als sie noch „Westdeutsche Kunstmesse“ hieß. Doch den Termin vom 23. bis 26. November attackiert die neu gegründete „Art Düsseldorf“ (16.-19.11.). Hinter dieser Veranstaltung im Areal Böhler, einem Industriegelände, auf dem Mode und Lifestyle gern gastieren, stehen mit 74,9 Prozent Andreas Lohaus und Walter Gehlen. Sie hatten zuletzt die ART FAIR INTERNATINAL in Köln betrieben. 25,1 Prozent hält die Schweizer Messegesellschaft MCH Group, die auch die Art Basel betreibt. Die unerwartete Konkurrenz im Rheinland macht deutlich, warum die Art Berlin so wichtig ist.

Joscha Steffens: „VIPER wird präsentiert von der Galerie Conrads in Düsseldorf. Galerie Conrads; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Debüt auf einer deutschen Messe

Joscha Steffens: „VIPER wird präsentiert von der Galerie Conrads in Düsseldorf.

Zurück in die Hauptstadt: Rund um die Art Berlin wird - wie stets - an einem dichten Programm für die Art Week gestrickt. Es besteht aus Talks, Atelier- und Galeriebesuchen, Spaziergängen auf dem Messegelände und in der Stadt. „Zur Berlin Art Week reisen viele auswärtige Kuratoren, Sammler und Kunstfreunde nach Berlin. Um dieses Publikum zu treffen, nehmen wir an der Art Berlin teil“, sagt Galeristin Helga Weckop-Conrads von der Galerie Conrads aus Düsseldorf. Sie ergreift die Chance, um drei junge Positionen aus ihrem Programm bekannter zu machen.

Mit dabei sind Guy Yanaiaus Israel und Joscha Steffens, die erstmals auf einer deutschen Messe vorgestellt werden. Steffens‘ aktuelle Ausstellung bei Conrads heißt „In Friction with Fiction“. Da untersucht der Mittdreißiger die amerikanische Kultur der Militärspiele für Bürger ab zehn Jahren, bei denen sich die Wirklichkeitsebenen auf erschreckend grausame Weise durchdringen. Die dritte Künstlerin am Stand wird Anna Vogel sein, eine junge Fotokünstlerin aus der Gursky-Klasse. Lichtbilder sind ihr stets nur der Ausgangspunkt für Eingriffe und malerische Veränderungen. Anna Vogel wird bereits seit ein paar Jahren von der Galerie Conrads vertreten.

art berlin, 14. bis 17. September 2017, Station Berlin, Luckenwalderstrasse 4 - 6, 10963 Berlin

Art Berlin Teilnehmer:
Andersen´s, Avlskarl, Galerie Guido W. Baudach, Galerie Balice Hertling, Galerie Klaus Benden, Galleri Bo Bjerggaard, Blain | Southern, Sandy Brown, carlier I gebauer, Charim Galerie, Mehdi Chouakri, Clages, Galerie Conradi, Galerie Conrads, Galerie Crone, Dierking - Galerie am Paradeplatz, Dittrich & Schlechtriem, Edmond Gallery, Galerie Eigen + Art, Galerie Kai Erdmann, Feldbusch Wiesner Rudolph, fiebachminninger, Filiale (Bärbel Grässlin, Marina Rüdiger, Klaus Webelholz), Konrad Fischer Galerie, Fischer Kunsthandel & Edition, Galerie Forsblom, Galerie Klaus Gerrit Friese, Future Gallery, Gillmeier Rech, Galerie Karin Guenther, Dan Gunn, Galerie Michael Haas, Galerie Reinhard Hauff, Philipp Haverkampf Galerie, Erna Hecey Gallery, Galerie Jochen Hempel, Galerie Max Hetzler, PippyHouldsworth Gallery, Natalia Hug, Ikeda Gallery, Galerie Jahn und Jahn, Galerie Michael Janssen, Jarmuschek + Partner, Galleri Magnus Karlsson, Klemm´s, Helga Maria Klosterfelde Edition, KM, Galerie Sabine Knust, Galerie koal, Christine König Galerie, König Galerie, Kraupa-Tuskany Zeidler, Krobath, Galerie Bernd Kugler, Leslie, alexander levy, Loock, Jörg Maaß Kunsthandel, Daniel Marzona, Galerie Mazzoli, Meyer Riegger, Nino Mier Gallery, Galerie Tobias Naehring, Galerie Nagel Draxler, Neon Parc, Galerie Neu, neugerriemschneider, Galerie Georg Nothelfer, Alexander Ochs, Galleri Opdahl, Roberto Paradise, Piktogram, Galeria Plan B, Polansky Gallery, PPC Phillip Pflug Contemporary, Produzentengalerie, Katharina Maria Raab, Thomas Rehbein Galerie, Philipp von Rosen Galerie, Galerie Nikolaus Ruzicska, Samuelis Baumgarte Galerie, Deborah Schamoni Galerie, Aurel Scheibler, Esther Schipper, Schönewald, Galerie Rüdiger Schöttle, Galerie Thomas Schulte, Galerie Michael Schultz, Galerie Schwarzer, Galerie Barbara Seiler, Gabriele Senn Galerie, Setareh Gallery, Sexauer, Sies + Höke, Société, SoyCapitán, Sperling, Galerie Springer, Sprüth Magers, Paul Stolper, Walter Storms Galerie, Supportico Lopez, Galerie Bene Taschen, Galerie Barbara Thumm, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Galerie Wilma Tolksdorf, Galerie Tanja Wagner, Galerie Barbara Weiss, Weiss Berlin, Barbara Wien, Wentrup, Zilberman Gallery

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