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15.04.2011

10:44 Uhr

Art Cologne

Im Farbrausch die Welt vergessen

VonSusanne Schreiber

Die Art Cologne ist unter Direktor Daniel Hug wieder zur wichtigsten deutschen Kunstmesse geworden. Bestes Zeichen: Gewichtige Galerien aus dem In- und Ausland kehren nach Jahren der Abwesenheit ins Rheinland zurück.

Christian Awe: Mit "Together" (Ausschnitt) stellt die Galerie Fahnemann einen jungen abstrakten Maler vor. Quelle: Galerie Fahnemann GmbH

Christian Awe: Mit "Together" (Ausschnitt) stellt die Galerie Fahnemann einen jungen abstrakten Maler vor.

KölnDie 45. Art Cologne ist auf Wachstumskurs. Die Mutter aller Messen für moderne und zeitgenössische Kunst behauptet sich trotz der internationalen Konkurrenz immer noch als die wichtigste Kunstmesse in Deutschland. Dass sich im kunstbegeisterten Rheinland gute Verkäufe machen lassen, wissen auch die Großen der Branche, die nach Jahren der Abwesenheit langsam zurückkehren: die Galerie Annely Juda aus London, Karsten Greve und Hauser & Wirth, die Galerien u.a. in der Schweiz unterhalten. Rund 200 Aussteller, 20 mehr als 2010, aus 22 Ländern zeigen ihr Programm von der Klassischen Moderne bis zu vielversprechenden jungen Talenten.

Es gibt zwar millionenschwere Kunstwerke, etwa Ernst Ludwig Kirchners „Totentanz der Mary Wigman“ aus den Jahren 1926/28, das die Galerie Henze & Ketterer aus Wichtrach bei Bern für über 3 Millionen Euro verkauft, doch das Gros des Angebots liegt im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Malerei und Skulptur dominieren, Medienkunst und Installation spielen die zweite Geige. Der schnell konsumierbare Oberflächenglanz, der die Boomjahre geprägt hatte, ist nicht zurück – und niemand vermisst ihn.

Auffällig ist die Hinwendung zu den sechziger und siebziger Jahren, insbesondere zur Konkreten Kunst, einer Stilrichtung, die auf Symbolgehalt verzichtet und allein auf den Reiz von Form, Farbe und Oberfläche setzt. David Juda wartet mit unbetitelten Gemälden von Max Bill auf, die wie Farbsplitter aussehen. Das Großformat von 1970 soll 187.000 Euro kosten.

Akira Ikeda, Berlin, ermöglicht Imi Knoebel, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, eine One-Man-Show. Hier begegnet der Besucher vielen Möglichkeiten, das gegenstandslose Repertoire von Mondrian und Malewitsch für unsere Zeit fruchtbar zu machen. Überragend mit ihren strahlenden Farbflächen sind zwei Bilder aus der Grace-Kelly-Serie (je 120.000 Euro). Eine andere Variante der Grace-Kelly-Serie hängt übrigens in der Sammlung Schaufler, die wir auf den nächsten Seiten porträtieren.

Mehrere Auflagenarbeiten in schrillen Rottönen von Rupprecht Geiger (4500 bis 95.000 Euro) stellt die Galerie Thomas, München, kühn in eine Reihe mit der Serigraphie „Monochromie und Feuer“ von Yves Klein. Die drei Tafeln des „Neuen Realisten“ leuchten in einfarbigem Pink, Gold und dem patentierten Yves-Klein-Blau (32.000 Euro). Wo einst eine Ikone Glaubenssätze spiegelte, darf jetzt der Farbe und nichts als der Farbe gehuldigt werden. Diese Beispiele reiner Malerei konterkariert Jörg Paal, Direktor der Galerie Thomas Modern, mit einem raren Graubner, der eben keines der markenzeichenartigen Kissenbilder ist, sondern ein in mehreren kühlen Tönen getupftes Bild „Ohne Titel“ (1988, 65.000 Euro).

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