Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.11.2011

11:29 Uhr

Art déco

Die Bar des Maharadscha

Sotheby’s baut Paris zum europäischen Umschlagplatz für Art déco aus. Das spiegeln prominente Einlieferungen für die anstehende Auktion. Zu den Top-Stücken gehört die Bar des Großfürsten von Indora.

Eileen Grays Sessel "Transat" wurde 1925/26 entworfen. Das Exemplar für den Maharadscha entstand 1930. Sothebyís/ArtDigital Studio

Eileen Grays Sessel "Transat" wurde 1925/26 entworfen. Das Exemplar für den Maharadscha entstand 1930.

Paris.Bei Liebhabern von Art déco-Mobiliar gilt das Palais des Maharadscha von Indora als Inbegriff des luxuriösen und puristischen Geschmacks. Das Palais „Manik Bagh“ (der Juwelengarten) im indischen Fürstentum Indora wurde zur Legende und zur Referenz des Modernismus. Jetzt kann Sotheby's Art déco-Auktion am 22. November in Paris mit zwei Möbelensembles aus dem Palais des legendären Großfürsten aufwarten.

Das erste Highlight ist Eileen Grays Erfolgsmodell-Fauteuil „Transat“ von 1930; das zweite eine Bar mit zwei Barhockern des deutschen Architekten Eckart Muthesius (1900-1989), die bisher nur von Fotos bekannt war. Die Bar blieb lange Zeit in der Familie des Maharadscha. Jetzt verlässt sie Indien zum ersten Mal.

Mythos einer Auktion

Der junge indische Prinz Yeshwant Rao Holkar Bahadur (1908-1956/61), späterer Maharadscha von Indora, traf Eckart Muthesius 1928 in Oxford und beauftragte ihn mit dem Umbau und der Ausstattung seines Palais. Die künstlerische Avantgarde hatte der Maharadscha um 1930 kennengelernt. Er traf die radikalen modernistischen Erneuerer des Art déco-Designs und erteilte ihnen Aufträge zur Möbelgestaltung für sein Palais. Für den Maharadscha arbeiteten Designer wie Eileen Gray, Emile-Jacques Ruhlmann und Le Corbusier, Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret, Louis Sognot und Charlotte Alix.

Der „Transat“-Sessel von Eileen Gray (1878-1976) stammt aus der Sotheby's Auktion vom 25. Mai 1980 in Monaco, die ihrerseits bereits ein Mythos ist. Damals kam ein Großteil des Mobiliars aus dem Palais des Maharadscha unter den Hammer. Eileen Gray zufolge müsste es zwölf Exemplare ihres Epoche machenden Fauteuils geben, das sie bereits 1925/26 entwarf. Aber nur neun sind nachweisbar. Davon sind fünf aus schwarz lackiertem Holz mit verchromten Metallfuß-Enden. Solche Füße hat auch der Sessel, den Sotheby's nun anbietet. Der Käufer von 1980 trennt sich von seinem Exemplar, das über eine Original-Lederbespannung verfügt, zum Schätzpreis von 800.000 bis 1 Million Euro. Seit der Auktion von Yves Saint Laurent-Pierre Bergé im Februar 2009 hält Gray den Rekordpreis für Art déco in Höhe von 21,9 Millionen Euro für ein Fauteuil.

Das Barmöbel mit den beiden Hockern konzipierte Eckart Muthesius speziell für das Palais in Indora. Er ließ es in Deutschland fertigen. Ursprünglich war die aus Holz hergestellte Bar hellblau-silbern lackiert. Inzwischen ist sie schwarz passend zu den mit schwarzem Leder bezogenen Barhockern, die ursprünglich rote Sitzflächen besaßen. Die Innenseite der Bar besteht aus Alpaka, einer Legierung von Silber, Nickel und Kupfer. Das Ensemble ist mit 400.000 bis 600.000 Euro taxiert.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Michael

09.11.2011, 21:10 Uhr

Bei Classicon.com werden heute noch einige Entwürfe von Eckhart Muthesius produziert. http://www.classicon.com/eckart_muthesius,,18,,de.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×