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10.02.2015

16:47 Uhr

Art Ranking

Kunst wie jede andere Ware

VonStefan Kobel

Der New Yorker Internet-Dienstleister ArtRank bietet neuerdings Kunst zum Verkauf an. Bislang hatte das Unternehmen mit Kauf- und Verkaufsempfehlungen für Kunst Aufsehen erregt. Kritiker werfen ArtRank einen Interessenkonflikt vor.

Offerte für 18.000 Dollar bei ArtRank: Petra Cortright: "1 800 flowers", 2014, Digitales Gemälde auf Aluminum, 91 x 122 cm. Quelle: ArtRank

Petra Cortright: "1 800 flowers"

Offerte für 18.000 Dollar bei ArtRank: Petra Cortright: "1 800 flowers", 2014, Digitales Gemälde auf Aluminum, 91 x 122 cm. Quelle: ArtRank

New YorkArtRank verlässt den Pfad der Tugend und bietet jetzt selber Kunst an. Das New Yorker Unternehmen, das seit einem Jahr für Furore mit seinem Ranking sorgt, verkauft seit Montag Kunst. In einem Newsletter wurde das digitale Gemälde auf Aluminium „1 800 Flowers“ von Petra Cortright ab 10 Uhr morgens dem Abonnenten zum Kauf angeboten, der als erster den Bezahlprozess abschließt.

Die Vorgehensweise entspricht dem bisherigen Auftreten des umstrittenen Internet-Dienstleisters, lässt jedoch Zweifel am Geschäftsmodell aufkommen. Carlos A. Rivera, Gesicht und Sprecher eines angeblich dreiköpfigen Teams hatte Anfang 2014 mit einem Barometer Aufsehen erregt, das ähnlich wie Börsenbriefe Kauf- und Verkaufsempfehlungen für Künstler gibt.

„ArtRank ist ein objektiver, datengestützter Index, der einen nie da gewesen Vorteil bei der Entdeckung erstklassiger aufstrebender Künstler bietet“, so die Selbstdarstellung. In den Kategorien „Buy Now“ (in drei Preiskategorien), „Early Blue Chip“, „Sell Now/Peaking“ und „Liquidate“ werden in jedem Quartal jeweils zehn Künstler gelistet. Abonnenten, die dafür 500 Dollar zahlen, bekommen diese Kauf- und Verkaufsempfehlungen einige Tage vor der Öffentlichkeit. Der auf zehn Abonnenten beschränkte Early Bird-Zugriff kostet gar 5.000 Dollar.

Daten für Trend-Industrien

Verständlicherweise ist diese Behandlung von Kunst als Anlageklasse bei den meisten Künstlern und Galeristen nicht sonderlich beliebt. Sie befeuere das Artflipping, so der Vorwurf. Seine Macher ficht das nicht an. Sie halten dem entgegen, sie würden die Kunst von ihrem hohen Sockel holen und dem Kunstsammeln den Nimbus der Geheimwissenschaft nehmen. Indem sie Kunst wie jede andere Ware auch behandelten, machten sie sie auch jedem zugänglich; der bereit ist, entsprechend dafür zu bezahlen.

In einem Gespräch vor etwa einem Jahr, hatte Rivera, der seine Identität bis dahin geheim gehalten hatte – angeblich aus Angst vor Repressionen – erklärt, ArtRank sei ohnehin nur eine Art Feldforschung. Eigentlich ginge es darum, aus Auktionsdaten und massenhaft gesammelten Daten aus sozialen Netzwerken einen Algorithmus zu entwickeln, mit dem sich Marktentwicklungen vorhersagen ließen. Ziel sei es, Trend-Industrien, wie etwa Sportartikelhersteller, bei ihren Kollektionen für die nächste oder übernächste Saison zu beraten.

Das alles dürfte jetzt an Glaubwürdigkeit verlieren. Denn wer glaubt schon einem Analysten, der selber mit Produkten in einem Markt antritt, den er objektiv zu analysieren vorgibt. Vielleicht liegt aber auch gerade darin das Kalkül, dass die Kunden hoffen, von einem Wissensvorsprung zu profitieren.

Carlos Rivera will im Gespräch mit dem Handelsblatt von einem Interessenkonflikt nichts wissen. „Es gibt eine Chinesische Mauer zwischen meinen Verkäufen und den Forschungsabteilungen“, erklärt er. „Wenn Banken gleichzeitig kommerzielle und Investment-Abteilungen haben können, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu beschädigen, dann bin ich sicher, können wir das ebenso.“

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