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06.04.2012

14:19 Uhr

Art & Antique Salzburg

Hören, Sehen, Kaufen

Die Art & Antique rechnet mit dem kaufkräftigen Publikum der Osterfestspiele. Für Salzburg geht das Konzept auf. Händler beobachten nicht nur reges Interesse. Sie verkaufen auch viel. Bis Ostermontagabend locken sie noch mit Kunst und Antiquitäten in die Residenz. Ein Stimmungsbericht aus der Festspielstadt an der Salzach.

Diese zweigeteilte Chaiselongue mit modernem Bezug wurde nach Spanien verkauft. Kunsthaus Wiesinger, Wels

Diese zweigeteilte Chaiselongue mit modernem Bezug wurde nach Spanien verkauft.

SalzburgEin Blatt von Picasso erinnert auf der Salzburger Residenzmesse Art & Antique an die Hassliebe zwischen den Briten und Franzosen. Sie ist zwar ein alter Hut, bekam dieser Tage jedoch neue Nahrung. The Economist gab mit der Illustration seiner Titelgeschichte zum französischen Wahlkampf dem gallischen Gockel wieder mal eins auf die Federpracht, wie es ein Blogger formulierte. Das Cover der Ausgabe vom 31. März zierte eine bearbeitete Version des legendären Gemäldes "Frühstück im Grünen" von Edouard Manet ("Le Déjeuner sur l’herbe", 1863): Statt Manets Bruder Eugène und dem Bildhauer Ferdinand Leenhoff turteln Nicolas Sarkozy und François Hollande mit den beiden Nackedeien. Dass Manet ursprünglich den Titel Flotter Vierer (Le partie carée) erwogen hatte, entbehrt da nicht einer gewissen Ironie.

Frühstück mit Picasso

Das Skandalwerk, dessen Präsentation im Pariser Salon von der Jury abgelehnt worden war und offiziellen Hohn erntete, fungiert seit langem als Quell der Inspiration. Sowohl Modedesigner der Gegenwart (Dolce & Gabbana, Frühjahrskollektion 2011) als auch das Establishment der Kunstgeschichte bedienten sich des Motivs. Etwa Pablo Picasso, der von 1961 bis 1963 nicht weniger als 27 Gemälde, sechs Linolschnitte und etwa 140 Zeichnungen zum Thema schuf. Eine der detailreicheren und mit bunten Wachsfarben akzentuierten Arbeiten auf Papier fand Gerard Schneider (Galerie Française, München) jüngst in einer amerikanischen Privatsammlung. Vom Passepartout befreit, offenbart das Blatt nun sogar die Perforation von Pablos Zeichenblock. Für 420.000 Euro buhlt die Arbeit im Rahmen der noch bis einschließlich Ostermontag laufenden Art & Antique-Messe um die Gunst des Publikums und vielleicht auch um die bestimmter Geburtstagskinder: Picasso zeichnete den artifiziellen Gratulanten am 27. Juli (1962), woran Margarethe Schreinemakers durchaus Gefallen finden könnte, sofern zwei ernsthafte Interessenten sich in den nächsten Tagen nicht zu einer endgültigen Zusage durchringen.

Gelöste Stimmung

Die Stimmung unter den 37 Teilnehmern dieses traditionell parallel zu den Osterfestspielen stattfindenden Messeformats ist zur Halbzeit eine gute, um nicht zu sagen gelöste. Denn das aus aller Herren Länder anreisende Festspielpublikum wurde den Erwartungen der Kunsthändler gerecht. Ein gewisser Prozentsatz bediente sich mustergültig an den in den historischen Räumlichkeiten der ehemals erzbischöflichen Residenz verteilten Schätzen. Die temporär ausgelegten Köder orientieren sich ja mehrheitlich am internationalen Geschmack und nicht an lokalen Neigungen.

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