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20.09.2011

08:23 Uhr

Artissima

Geheimtipp Kunst der 60er-Jahre

Die Turiner Artissima hängt die Konkurrenz ab. Internationalität und eine rigorose Qualitätsauslese sind das Erfolgsrezept der Messe für moderne und zeitgenössische Kunst.

Die Messe für moderne und zeitgenössische Kunst, Artissima, in Turin 2011. Max Tomasinelli

Die Messe für moderne und zeitgenössische Kunst, Artissima, in Turin 2011.

TurinDie 18. Ausgabe der Turiner Messe für moderne und zeitgenössische Kunst, Artissima, setzt auf Internationalität und Qualitätsbewusstsein (4. bis 6. November). Messe-Leiter Francesco Manacorda hält am neuen Kurs fest und lässt inländische Konkurrenten wie Bologna, Rom und Mailand weit hinter sich. In diesem Jahr konnte sich die Turiner Kunstmesse vor Bewerbungen kaum retten. Mancher, vor allem unter den inländischen Anwärtern, die auf einen Platz an der Sonne im Turiner Messe-Oval hofften, schimpft nun auf Manacorda. Der 37-jährige Kritiker und Kurator nahm das Ruder der Artissima vor einem Jahr in die Hand und erntete allseits Beifall.

Zwei Drittel ausländische Galerien

Von den 160 zugelassenen Galerien  – sieben mehr als im Vorjahr - kommen nur 59 aus Italien, 101 reisen hingegen aus dem Ausland an. Die deutsche Fraktion ist mit 16 Händlern eine der stärksten. Zu den Manacorda-Fans der ersten Stunde, darunter Konrad Fischer (Düsseldorf/ Berlin) und der Stuttgarter Reinhard Hauff, kommen unter anderen Figge von Rosen aus Köln, Carlier/Gebauer und Esther Schipper aus Berlin hinzu.

Im Bereich der „new entries“ schlägt der Pegel deutlich zu Gunsten der internationalen Bewerber aus. Unter den 25 jungen Galerien, die in den Förderkojen Platz nehmen werden, findet man nur zwei aus Sizilien stammende Italiener, collicaligreggi, (Catania) und Laveronica aus Modica. Das lässt Rückschlüsse auf die von der Krise angeschlagene Gesundheit des Nachwuchses im italienischen Galerienpanorama zu.

Vom Markt vernachlässigt

Die Initiative „Back to the Future“, die maßgeblich zu Manacordas Premierenerfolg beitrug, verspricht auch 2011 wieder zur Hauptattraktion zu werden. In Einzelschauen werden hier Künstler präsentiert, die zwar die Kunst der 60er- und 70er-Jahre prägten, doch im Lauf der Jahre von Markt und Museumsbetrieb sträflich vernachlässigt wurden. Vom Geheimtipp sollen diese unter dem Motto „Zurück in die Zukunft“ historisierten Künstler nun als wegweisend gefeiert, ihre Werke möglichst auch verkauft werden. Doch so leicht scheint das nicht zu sein. Denn von 24 Teilnehmern sind nur noch 20 übrig geblieben.

Galerist Ralf-Otto Hänsel von 401contemporary (Berlin) lässt auf die Präsentation von Adolf Luther im vergangenen Jahr nun Herbert Zangs (1924-2003) folgen, der mit seine „Verweißungen“ 1952 weltbekannt wurde und dessen Mentor Luther war. Eine kluge Wahl traf die Berliner Galerie Sandmann mit ihrer Soloschau von Dmitri Alexandrovich Prigov (1940-2007), einem der wichtigsten russischen Künstler des Konzeptualismus. Denn just am 15. Oktober geht Prigovs Einzelausstellung im Museum Ca´ Foscari von Venedig zu Ende, mit der das Museum Hermitage aus Sankt Petersburg seinen Einstand in der zeitgenössischen Kunstszene feierte.

Ausstellungshöhepunkt in Turin

Mit der Hermitage, die den Vorstoß vom Verleiher zum Ausstellungsmacher wagte, fährt Turin ein beachtliches Angebot an kulturellen Initiativen und Ausstellungen auf. Highlight ist die Schau „Arte Povera International“ im Kunsthaus Castello di Rivoli. Kuratiert wurde die auf sechs Städte verteilte Mammutschau vom Vater und Namensgeber der "armen Kunst", Germano Celant . Verwunderlich ist nur, dass keinem Vertreter der Arte Povera auf der Messe die Ehre einer Einzelschau zuteil wird. Die Bewegung wurde doch 1967 aus der Taufe gehoben und ist somit ein Herzstück der von „Back to the Future“ fokussierten 60er- und 70er-Jahre.

Von

Eva Clausen

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