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20.05.2013

16:20 Uhr

Artnet AG

Schleichende Erosionsprozesse

VonStefan Kobel

Der Kunstmarkt-Dienstleister Artnet AG leidet unter sinkendem Umsatz. Hauptverursacher ist der Einbruch der Auktionssparte. Sie war einst der Hoffnungsträger des börsennotierten Unternehmens. Noch beunruhigender ist der Rückgang von Kunden und Nutzern. Ein Blick auf die Zahlen des ersten Quartals.

Zentrale der Artnet AG in Berlin. Stefan Kobel

Zentrale der Artnet AG in Berlin.

BerlinDie Quartalszahlen des Kunstmarkt-Dienstleisters Artnet AG geben wenig Anlass zur Hoffnung.  Der Umsatz des Berliner Unternehmens, das im Prime Standard notiert ist (WKN: A1K037), sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,2 Prozent auf 3,2 Millionen Euro. Immerhin konnte aber der Verlust von 85.000 Euro im ersten Vorjahresquartal auf 78.000 Euro gesenkt werden.

Rote Zahlen

Der Cashflow aus fortgeführten Geschäftsbereichen ist mit 189.000 Euro tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Vorjahreszeitraum stand dagegen noch ein Plus von 176.000 Euro zu Buche. Das Eigenkapital hat sich aufgrund des verlustreichen Jahres 2012 fast halbiert, von 4,5 auf  2,3 Millionen Euro. (s. HB vom 3. Mai 2013) Die liquiden Mittel stiegen hingegen von 753.000 Euro auf 933.000 Euro, nachdem der Gründer, Hauptaktionär (26,73 Prozent) und Ex-CEO Hans Neuendorf dem Unternehmen im März ein Darlehen über 500.000 Euro gewährt hat.

Jacob Papst, CEO der Artnet AG. PR

Jacob Papst, CEO der Artnet AG.

Kein Gewinn mit Auktionen

Hauptursache für die Verschlechterung ist der Einbruch der „artnet auctions“, die eigentlich der Hoffnungsträger des Unternehmens sein sollten, allerdings trotz bislang stetig steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht haben. Jetzt ist in diesem Bereich der Umsatz um 28 Prozent auf 528.000 Euro eingebrochen, während sich die Verluste auf 451.000 Euro verdoppelt haben.

Rückläufiger Besucherzuspruch

Bedenklicher als die aktuelle Finanzsituation ist jedoch die schleichende Erosion der Kunden- und Benutzerzahlen. Das Gallery Network, einstige „Cash Cow“ von Artnet, das mit 224.000 Euro vor Steuern immer noch das gewinnbringendste Segment ist, hat in den letzten drei Jahren 400 seiner einstmals 2.100 Mitglieder verloren. Noch dramatischer entwickelt sich der Besucherzuspruch.  Surften 2010 noch 2,2 Millionen Nutzer (unique visitors) auf der Webseite, sind es aktuell nur noch 1,3 Millionen.

Russischer Anteilseigner prüft Beteiligung

Die Luxemburger Redline Capital Management S.A. des russischen Oligarchen Vladimir Evthuschenkov wird sich wohl von ihrem rund sechsprozentigen Anteil lösen. Das Unternehmen hatte im letzten Jahr einen Übernahmeversuch unternommen und war am Widerstand des Managements und des Hauptaktionärs gescheitert. Ein Redline-Sprecher sagte auf Anfrage, die Gesellschaft unterziehe derzeit bestehende und künftige Beteiligungen im Bereich Kunsthandel einer strategischen Überprüfung. „Dabei geht es auch um die Zukunft unseres Anteils an der artnet AG.“

Unterdessen (ad hoc vom 17.5.2013) hat Artnet seinen Konzernjahresabschluss 2012 auf Anweisung der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) wegen Verstoßes gegen IFRS 5.33 (a) nachträglich korrigieren müssen. Verluste waren ungerechtfertigt aufgegebenen Geschäftsbereichen zugewiesen worden.

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Kommentare (1)

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RobertEdelmann

21.05.2013, 23:08 Uhr

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