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10.10.2012

08:26 Uhr

Artnet AG

Übernahme abgewehrt - vorerst

VonStefan Kobel

Das Kunstmarktportal Artnet AG war Ziel einer feindlichen Übernahme. Sie wurde abgewehrt. Doch der Preis könnte hoch werden. Ein Gerichtsprozess ist anhängig.

Die Zentrale der Artnet AG in Berlin. Stefan Kobel

Die Zentrale der Artnet AG in Berlin.

BerlinDie Übernahmeschlacht um das defizitäre Kunstmarktportal Artnet AG (WKN: A1K037), das im Prime Standard notiert ist, ist vorläufig entschieden. Die Luxemburger Redline Capital Management S.A. hat mit ihrem Übernahmeangebot bis zur Annahmefrist am 28. September nur 19,93 Prozent der freien Aktionäre überzeugen können. Zusammen mit den eigenen 6,38 Prozent war die Bieterin damit weit von den angestrebten und zur Bedingung gemachten 56 Prozent der Anteile entfernt.

Damit findet einer der denkwürdigsten Übernahmeversuche der deutschen Börsengeschichte ein vorläufiges Ende. Redline-Vorstand Sergey Skaterschikov hatte Ende Juni öffentlich ein feindliches Übernahmeangebot angekündigt, nachdem Gespräche über eine Minderheitsbeteiligung gescheitert waren. Der 74-jährige Hauptaktionär Hans Neuendorf (26,45 Prozent), der bis dahin Alleinvorstand des Berliner Unternehmens war, erklärte daraufhin überraschend seinen Sohn Jacob Pabst (39) zu seinem Nachfolger. Als erste Maßnahmen beschloss dieser die sofortige Einstellung des renommierten Online-Magazins mit seinen drei Ausgaben (New York, Berlin, Paris) sowie die Verschiebung der für Anfang Juli geplanten Hauptversammlung auf den 8. August

Zu diesem Termin wurden Satzungsänderungen in die Tagesordnung aufgenommen, die bei bestimmten Entscheidungen eine Erhöhung der Zustimmungsquote von 50 auf 75 Prozent vorsahen, womit Neuendorf über eine Sperrminorität verfügen würde. Redline und andere Kleinaktionäre sehen darin eine „Poison Pill“, die ihrer Meinung nach den einzigen Zweck hat, eine Übernahme zu erschweren.

Übernahme galt als wenig wahrscheinlich

Skaterschikov, der den Branchendienst Skate’s Art Market Research betreibt und im Frühjahr mit Partnern die Wiener Kunstmesse Viennafair übernommen hatte, trat auf der Hauptversammlung gemeinsam mit Rüdiger K. Weng auf, der mit seiner im Frankfurter Entry Standard gelisteten Weng Fine Art AG, Krefeld (WKN: 518160) im „b2b-Geschäft“ mit Kunst tätig ist. Nach der turbulenten Hauptversammlung hatten die beiden ihre Kooperation beendet, so dass das Angebot nur noch von Redline kam. Da allein Neuendorf und zwei ihm freundschaftlich verbundene Aktionäre schon über 40 Prozent der Aktien halten, galt eine erfolgreiche Übernahme ohnehin als wenig wahrscheinlich.

Turbulente Hauptversammlung

Allerdings gestaltete sich die gut 13-stündige Hauptversammlung derartig turbulent und kontrovers, dass Redline deren Gültigkeit auf dem Klageweg anfechtet. Zufolge der die Klägerin vertretenden Düsseldorfer Kanzlei Dreier Riedel sind Vorstand und Aufsichtsrat systematische Verstöße gegen Unternehmensinteressen und Fehlinformation der Aktionäre vorzuwerfen. Hauptsächlich geht es der Klägerin um die Verhinderung der „Poison Pill“. Sie rechnet mit einer Verfahrensdauer von ein bis zwei Jahren.

Gewinnprognose für 2013

Bei Artnet hat man eine andere Sicht der Dinge: „Die Anfechtungsklage ist - ebenso wie das Auftreten und Verhalten der Vertreter von Redline und Herrn Weng auf der HV – ein durchsichtiges und unwürdiges Manöver“, wird auf Nachfrage mitgeteilt. „Die HV-Beschlüsse wurden mit großer Mehrheit der Aktionäre ordnungsgemäß gefasst. Wir sehen der Klage deshalb mit Gelassenheit entgegen und werden die Rechte dieser Aktionäre verteidigen.“ Die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens sieht man positiv: „Artnet wird 2013 mit Gewinn abschließen.“

Die Aktie hat von ihrem Zwischenhoch bei 6,60 Euro Ende Juli inzwischen wieder ein Drittel abgegeben und befindet sich damit etwa auf dem Stand von Mitte Mai.

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