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13.01.2017

07:30 Uhr

Arts' n' Drafts

Wie der Kunstmarkt tickt

VonSusanne Schreiber

Wer würde nicht gerne lernen von Kunstmarkt-Insidern, die ihre Geheimnisse lüften? Ein neues Buch verspricht genau das. Und liefert doch nur bekannte Tipps garniert mit Eigenwerbung und wohlfeilen Eingeständnissen.

schreiber

DüsseldorfKürzlich erschien ein Buch, dessen Titel Spannung verheißt und die Neugier befeuert: „100 Secrets of the Art World. Everything you always wanted to know about the arts but were afraid to ask“. Diese Kunstmarkt-Enthüllungen nach Woody Allens Strickmuster geben Thomas Girst und Magnus Resch heraus, zwei begabte Kommunikatoren. Ersterer ist bei BMW Global Head of Cultural Engagement und qua Job mit Starkünstlern und Strippenziehern in Kontakt, auf Messen und Events mit und ohne BMW Art Cars anzutreffen. Letzterer ist Buchautor und Unternehmer. 2014 hatte Resch in einem Buch über Galerien-Management die finanziell katastrophale Finanzausstattung vieler Galerien mit Zahlen aus einer anonymen Umfrage unter 8000 Galeristen und Kunsthändlern unterfüttern können.

Das Cover des Buches von Thomas Girst und Magnus Resch Verlag Buchhandlung Walther König

Zwischen Tipps und wohlfeilen Eingeständnissen

Das Cover des Buches von Thomas Girst und Magnus Resch

Wer wollte nicht lernen von Insidern, die ihre Geheimnisse lüften? Der Kunstmarkt besteht aus zahllosen Geheimnissen und Absprachen, aber auch aus Mythen, Klatsch und Halbwahrheiten. Deren Mischung kann dem Kenner gegebenenfalls einen großen Vorsprung bei einem Geschäft mit zeitgenössischer Kunst verschaffen. Etwa mit sensiblen Informationen zu einem jungen Talent, das demnächst Ausstellungen haben wird bei führenden Institutionen und so im Wert steigen dürfte. Mit Details zu einem Newcomer, den einflussreiche Sammlern pushen, die in Museums-Boards sitzen und so für simultane Präsenz in privaten und öffentlichen Räumen sorgen. Mit einem Club von Zockern, die früh billig einsteigen, einen Hype inszenieren, die Auktionshäuser involvieren, um dann dort nach einer kurzer Zeit die Werke ihres Schützlings zu sehr viel höheren Preisen zu versteigern zu lassen. Was würden wir nicht alles gern erfahren!

Der Kunstbetrieb, aus der Distanz betrachtet. Verlag Buchhandlung Walther König

Der Blick hinter die Kulisse

Der Kunstbetrieb, aus der Distanz betrachtet.

Auch eine Beschreibung wie ein Groß-Sammler in wenigen Minuten in einem Auktionssaal etliche 100.000 Dollar verdienen kann, nur weil er den Markt gut kennt und für ein Los eine Garantie gegeben hat, liefern die „100 Secrets“ nicht. Natürlich nicht, weil ein aufgedecktes Geheimnis keines mehr ist und die Glaubwürdigkeit in der vertratschten Szene auf Null setzen würde.

Großgalerist Larry Gagosian antwortet den Herausgebern des phantasievoll layouteten Bändchens dann wahrheitsgemäß auch: „One of the most important attributes of a successful art dealer is to be able to keep a secret.“ Wissen ist Macht. Und so changieren die mal spaßigen, mal ernsten Einträge zwischen allseits bekannten Tipps (Schule die Augen. Geh‘ ins Museum. Kaufe mit den Augen, nicht mit den Ohren), wohlfeilen Eingeständnissen (Leo Blavatniks Lieblingsbild ist „Albert Einstein“ von Andy Warhol) und schamloser Eigenwerbung.

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