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09.12.2016

10:00 Uhr

schreiber

DüsseldorfDie Kurznachricht erschreckt. Schon wieder ein Überläufer zur Konkurrenz? Brett Gorvy (52) verlässt das Auktionshaus Christie’s. Nach 23 Jahren geht der erfolgsverwöhnte Chairman und International Head of Contemporary Art Worldwide von Bord. Bei allen Zuschlägen in astronomischen Höhen hatte Gorvy in den Evening Sales das Telefon am Ohr und übermittelte jene Gebote, die zu den jüngsten Höchstpreisen führten: Bei den „Femmes d’Alger (Version 0)“ von Picasso (179,4 Millionen Dollar), bei dem Akt von Amedeo Modigliani (170,4 Mio. Dollar) und auch bei dem Francis Bacon-Triptychon „Three Studies of Lucian Freud“. Bei diesem 142,4 Millionen-Dollar-Gebot hatte er Elaine Wynn, die Ex-Frau des Casino-Moguls Steve Wynn, am anderen Ende der Leitung. Dass Christie’s Marktführer bei zeitgenössischer Kunst wurde, ist vor allem Brett Gorvys Verdienst. In einem Zeitungsinterview erzählt er, dass er mit Engelszungen Kunden zu überzeugen vermag, jetzt einzuliefern, obwohl sie gar nicht an einen Verkauf dachten.

Doch die Kündigung  ist nicht die Fortschreibung des unseligen braindrains, den die Rivalen Christie’s und Sotheby’s 2015/16 durch rigides Kostenmanagement in Gang gesetzt hatten. Der Fall liegt anders als bei Amy Cappellazzo und Henry Wynham, Chayenne Westphal und Alex Rotter. Wer sich länger mit der Nachricht befasst, erkennt, dass der Seitenwechsel mit den unangenehmen Nebeneffekten des globalen Auktionsgeschäftes zu tun hat.

Brett Gorvy  und Dominique Lévy vor einem Gemälde von Willem de Kooning. Photo by Chad Batka

Neues Erfolgsduo

Brett Gorvy und Dominique Lévy vor einem Gemälde von Willem de Kooning.

Denn Brett Gorvy tut sich jetzt zusammen mit der energiesprühenden Galeristin Dominique Lévy (48). Das teilte die Galerie am Mittwoch mit. Brett Gorvy wird Partner in einer Top-Galerie, die in New York in einer ehemaligen Bank auf der noblen Madison Avenue residiert. Sein Weggang von Christie’s ist ein Zeichen dafür, wie vielfältig der Druck an der Spitze der High-End-Händler ist. Langstreckenflüge, aufreibende Kundenpflege, Kunden, die nicht verkaufen wollen, geplatzte Deals, und schließlich immer größer werdende Kompromisse, die nötig sind, um die raren Spitzenwerke eingeliefert zu bekommen, sei es durch Garantien und sei es durch andere finanzielle Deals. Und zu all dem kommt der energische Tritt der Controller auf die Kostenbremse.

Lévy und Gorvy  kennen sich seit 20 Jahren aus der gemeinsamen Zeit bei Christie’s. Bis 2012 führte Dominique Lévy zusammen mit Robert Mnuchin, aus dessen Familie der künftige amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin stammt, die L&M Gallery. Lévy vertritt führende Künstler wie Enrico Castellani, Senga Nengudi, Chung Sang-Hwa, Pat Steir, Pierre Soulages, Frank Stella und  Günther Uecker. Dazu die Archive bzw. Nachlässe von Carol Rama, Yves Klein, Roman Opalka und  Germaine Richier. Auf der Art Basel fiel die Galerie Dominique Levy immer wieder mit stilsicheren Standlayouts auf. So bescherte sie u.a. Günther Uecker die internationale Aufmerksamkeit, die er verdient.  

Mit den Geschäftszweigen Galerie und Beratung in New York und London erwartet ein Powerpaar mit dick gefülltem Adressbuch die gut betuchte Kunstwelt. Dominique Lévys Galerie spielt in der ersten Liga und Gorvy war Christie’s bester Mann. Schließlich hatte er es auch geschafft, Christie’s Einnahmen aus Privatverkäufen auf 16 Prozent zu erhöhen.

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Bei einer Auktion in New York hat ein Kunstliebhaber für knapp 180 Millionen Dollar das Picasso-Gemälde „Les femmes d'Alger“ erstanden. Das ist neuer Weltrekord – nicht der einzige, der bei der Auktion aufgestellt wurde.

Christie’s gehört zum Kunst- und Mode-Imperium des französischen Multimilliardärs François Pinault. Gorvy ist der Sohn eines südafrikanischen Investors und Mäzens, der in London lebt und zu den reichsten Menschen im Vereinigten Königreich gehört. Der Branchenklatsch weiß auch, dass Gorvy nicht zu den Lieblingssöhnen von Pinault gehört haben soll, denn der umgibt sich gern mit Menschen, die fließend Französisch sprechen. Wer je ein Interview mit Monsieur Pinault hatte, kann das bestätigen. Honi soit qui mal y pense.

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