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17.02.2013

13:04 Uhr

Asia Pacific Triennal

Nachdenken über Identität

VonBarbara Bierach

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg wächst überall auf der Welt das Interesse an der Kunst und der eigenen Herkunft. Die Asia Pacific Triennal stellt aktuelle Kunst u.a. aus Indien, Indonesien sowie Vietnam und Korea vor.

Raqib Shaw: In „Paradise Lost“ erzählt ein Kaschmiri von der Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, materiellem und geistigem Reichtum. Raqib Shaw

Raqib Shaw: In „Paradise Lost“ erzählt ein Kaschmiri von der Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne, materiellem und geistigem Reichtum.

BrisbaneDer Ansatz der "Asia Pacific Triennial" (APT) für zeitgenössische Kunst klingt vermessen. Die siebte Ausgabe will aktuelle Kunst aus Asien und dem pazifischen Raum präsentieren. Und damit ein Gebiet abbilden, das vom Bosporus bis nach Neuseeland reicht, also mehr als die Hälfte des Planeten umfasst. Wie sollen so viele Kulturen, Sprachen und Religionen bloß in eine einzige Ausstellung passen?

Um es vorweg zu sagen: Die ATP7 ist ihrem übermäßigen Anspruch zum Trotz ein spannendes, inspirierendes und oft auch sinnliches Ausstellungserlebnis. Umfassend jedoch ist sie nicht. Die Schau in den Zwillingshäusern Queensland Art Gallery und Gallery of Modern Art in Brisbane hat gewaltige Lücken. Kunst aus China beispielsweise kommt zu kurz.

Doch über Vietnam, Südkorea oder Indonesien weiß die Kunstszene noch so wenig, dass der Mut, den Schwerpunkt auf das weniger Bekannte zu legen, am Ende gar zum Pluspunkt wird. "Wenn das Publikum versteht, wie vielschichtig der asiatisch-pazifische Raum ist und welch monumentale ökonomische, soziale und kulturelle Veränderungen die Kunst dort prägen, ist unser Ziel erreicht", sagt Suhanya Raffel, die in Sri Lanka geborene Direktorin beider Museen.

"Was ist das Spezifische der Gegenwartskunst im asiatisch-pazifischen Raum?" Sie könne diese Frage keineswegs beantworten, sagt Raffel, "ich weiß nur, dass sie wundervoll produktiv sind!" Sie verstehe die weitverbreitete Furcht vor der Globalisierung und der damit einhergehenden Homogenisierung. Doch gerade diese Triennale zeige, "wie stark die einzelnen Kulturen und Traditionen immer noch sind".

So stark, dass sich der Besucher zunächst in einem Völkerkundemuseum wähnt. Die Eingangshalle ist der Kunst aus Papua-Neuguinea gewidmet und steht voller Masken, Tanzkostüme und Totempfähle. Dazwischen finden sich Exponate von australischen Aborigines.

Noch 1994 wurde die australische Kunsthändlerin Gabrielle Pizzi von der Art Cologne verbannt, weil sie nicht zeitgenössische, sondern "Volkskunst" ausstelle, doch wie damals täuscht der erste Eindruck auch hier: Bei aller Tradition im Handwerk, der zeitgenössische Blick der Künstler ist unverkennbar.

Der Australier Daniel Boyd (Roslyn Oxley9 Gallery, Sydney) spielt mit dem kulturellen Erbe und verwandelt die traditionellen Tupfengemälde seiner Ahnen in Videokunst - und zum Kommentar darüber, wie verschiedene Kulturen den Begriff des "Anderssein" definieren. Lorraine Connelly-Northey, ebenfalls aus Australien, zeigt mit "Narbong" Aborigines-Basttaschen. Doch die sind gigantisch groß, aus stählernem Industriemüll und wirken wie Frankensteins Einkaufsbeutel (Gallery Gabrielle Pizzi, Melbourne).

Insgesamt liegt der Schwerpunkt dieser APT tief im Pazifik. Die Stimmung gibt der aus Venedig (Biennale 2011) bekannte Michael Parekowhai vor mit der Arbeit "The World turns". In Auftrag gegeben hatte sie das Doppelmuseum in Brisbane und für umgerechnet 765 000 Euro (Roslyn Oxley9 Gallery) angekauft. Da wirft eine kleine pazifische Wasserratte einen lebensgroßen Elefanten einfach um. Tatsächlich steht die Welt Kopf, wenn das rasante ökonomische Wachstum in Vietnam, Indonesien oder Malaysien unsere altgedienten Wahrheiten über "Erste" und "Dritte" Welt über den Haufen wirft.

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