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19.03.2012

12:17 Uhr

Asia Week

Am Nabel für die Kunst aus Fernost

Seit zwei Jahrzehnten lockt New Yorks Asia Week Sammler, Galeristen und Fachpublikum an. Im Zentrum der traditionsreichen Märzveranstaltung stehen die Versteigerungen bei Sotheby’s, Christie’s und Doyle’s. Parallel laden über 30 Händler das Fach- und Sammlerpublikum in ausgewählte Galerien. Einzige Konkurrenz macht die gleichzeitig laufende Tefaf.

Katsushika Hokusai:"Clearing weather, South wind (Gaifu kaisei)", Farbiger Holzstich aus der Serie: "Thirty-six Views of Mt. Fuji". (Ausschnitt) Sebastian Izzard LLC Asian Art

Katsushika Hokusai:"Clearing weather, South wind (Gaifu kaisei)", Farbiger Holzstich aus der Serie: "Thirty-six Views of Mt. Fuji". (Ausschnitt)

New YorkSchon etwa 20 Jahre behauptet sich die „Asia Week“ im März in New York als größter Asiatika-Umschlagplatz. „Hier ist das stärkste Sammlerinteresse zu finden. Wissenschaftler, Sammler, Kuratoren, jeder trifft sich, und es finden sich die meisten internationalen Händler ein. New York ist für uns wirklich wichtig“, erklärt Tomaso Vigorelli von Dalton Somaré (Mailand). Bei Pace auf der 57. Strasse zeigt er vom 16. bis 24. März Skulpturen aus Nordindien, Tibet und Nepal.

Aber alles kreist natürlich um die großen Versteigerungen bei Sotheby’s und Christie’s vom 19. bis 23. März. Zwölf Auktionen sollen da mindestens 86 Millionen Dollar einspielen. Auch in einem etwas abgekühlten Markt stellt Altchinesisches wieder den Löwenanteil. Den Auftakt macht am 19. März das örtliche Familienunternehmen Doyle New York, das manchmal mit Ausreißerpreisen überrascht. Wieder steht mit der „General Zhisheng“ genannten bronzenen Feldkanone aus der Regierungszeit des Kaisers Kangxi (1695) ein ungewöhnliches Objekt zum Verkauf. Sie kam vor 1900 als Kriegssouvenir aus Beijing in die Staaten und wird von der Western Reserve Historical Society in Cleveland (Ohio) gegen eine Taxe von 400.000 bis 600.000 Dollar eingeliefert.

Archaische Bronzen bei Chinesen en vogue

Mit Spannung wird auch Sotheby’s Aufruf von fünf Rhinozeroshorn-Bechern des 17./18. Jahrhunderts am 20. März erwartet. Eine Fernsehshow in Tulsa, Oklahoma, Äquivalent zu ‚Kunst und Krempel‘, machte sie berühmt. Nun könnten sie über 720.000 Dollar einbringen. Vier Landschaften auf Hängerollen des 16. und 17. Jahrhunderts mit Provenienz James Cahill, ein angesehener Experte chinesischer Kunstgeschichte, wird am 22. März bei Sotheby’s dagegen Sammler klassischer chinesischer Gemälde begeistern.

Marktführer Christie’s wartet mit einer Rekordzahl von 852 altchinesischen Losen auf, für die am 22. und 23. März allein 30 bis 44 Millionen Dollar erwartet werden. Archaische Bronzen werden derzeit von Chinesen gesucht, da könnte die seltene Ritualglocke vom Typ „Nao“ (späte Shang-/frühe westliche Zhou-Dynastie, 11. bis 10. Jh. v. Chr.) mit grüner Patina schon 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar einbringen. Auch bronzene Handspiegel mit reichem Reliefdekor sind neuerdings en vogue. Die 70 silbrig glänzenden Scheiben von der Zeit der „Kämpfenden Reiche“ (475 bis 221 v. Chr.) bis zur Song-Dynastie (960 bis 1279) stammen aus der Sammlung des bekannten New Yorker Händlers Robert H. Ellsworth. Gelehrtenobjekte steuert der kalifornische Sammler Robert H. Blumenfield, Vorsitzender des Immobilienkonzerns Roberts Companies, bei.

Der moderat getaxte Nachlass der im vergangenen Jahr verstorbenen New Yorker Händlerin Doris Wiener wird sicher die volle Aufmerksamkeit der Liebhaber altindischer Kunst beanspruchen. Seit 1961 zählten große Museen und John D. Rockefeller III, Igor Stravinsky oder Jacqueline Kennedy zu ihren Kunden. Für die wichtige südindische Bronzegruppe der Somaskanda aus der Chola-Periode (11. Jahrhundert) erwartet Christie’s am 20. März mindestens 800.000 Dollar. Rockefeller-Provenienz katapultierte auch Sayed Haider Raza frühes abstraktes Gemälde „Dorf mit Kirche“ (1958) bei Sotheby’s (19.März) auf eine 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar hohe Taxe.

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