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01.04.2011

11:45 Uhr

Asia Week

Goldene Zeiten für asiatische Kunst

VonBarbara Kutscher

New York erlebt die umsatzstärkste Auktionswoche mit Asiatika. Die Einnahmen von 202 Millionen Dollar übertreffen das Boomjahr 2007 bei weitem. Schockiert waren Beobachter vor allem über den Verkauf enier Qianlong-Vase.

Kano Naizen: Der Wandschirm schildert die Ankunft der Barbaren - der Portugiesen - in Japan. Mit seinem Pendant kostete das Paar 4,8 Millionen Dollar. Quelle: Sotheby's

Kano Naizen: Der Wandschirm schildert die Ankunft der Barbaren - der Portugiesen - in Japan. Mit seinem Pendant kostete das Paar 4,8 Millionen Dollar.

New YorkDas seit Jahren umfangreichste, mit bekannten Sammlernamen gespickte Angebot hatte Sotheby’s und Christie’s nach fünf Tagen mit Asiatika-Versteigerungen 202 Millionen Dollar beschert. Das ist eine 57-prozentige Steigerung gegenüber dem bisher besten Ergebnis vom Frühjahr 2007.

Schon am 19. März ließ ein Spitzenzuschlag im voll besetzten Saal des lokalen Auktionshauses Freeman’s in Philadelphia bevorstehende Verteilungskämpfe erahnen. Für den großen, blau-weiß dekorierten Schultertopf aus der Regierungszeit des Kaisers Qianlong (1736-1795), der den Stil der früheren Ming-Dynastie imitiert, hatte da ein chinesischer Bieter 1,4 Millionen Dollar gezahlt.

Schockiert waren westliche Marktbeobachter jedoch vor allem von den 18 Millionen Dollar, die eine ungewöhnliche, üppig dekorierte 40 Zentimeter hohe Vase am 22. März bei Sotheby’s in New York einspielte. Die Taxe hatte bei nur 800 bis 1.200 Dollar gelegen. Auch jetzt noch sind sich Experten uneinig darüber, ob das rote Regierungszeichen des Kaisers Qianlong auf der Unterseite echt ist. „Die Meinungen zur Datierung klafften weit auseinander“, erklärte eine Mitarbeiterin bei Sotheby’s.

Das Haus verschanzte sich vorsichtig hinter einer vage gehaltenen Katalogbeschreibung: „wahrscheinlich republikanische Zeit“ , also 1911 bis 1945. Mindestens sieben asiatische Sammler waren entschieden anderer Meinung. Kurz nach dem Aufruf ließ ein Telefonbieter direkt „100.000 Dollar“ verkünden, ein Konkurrent konterte mit einer Million. „Zwei Millionen! Vier Millionen!“ so ging es weiter. Eine mandarinsprachige Angestellte sicherte ihrem Kunden den Zuschlag bei 18 Millionen. „Ganz wie in Hongkong“, freute sich der Auktionator und Vice-Chairman Asian Art, Henry Howard-Sneyd.

In ungewohnt großer Zahl aus Asien angereiste Händler und wichtige Sammler teilten Kunst aus China fast gänzlich unter sich auf. Nur wenige westliche Händler, darunter Littleton & Hennessy oder Eskenazi, können da noch mithalten.

„In den letzten sechs Monaten hat der Markt noch einmal kräftig angezogen“, erklärt Caroline Schulten von Sotheby’s. Westliche Sammler sind nun auch wieder mehr als bereit, asiatische Kaufleidenschaft zu bedienen, und lieferten kräftig ein. Eine europäische Sammlung von 83 Keramikgefäßen der Song-Dynastie (960-1279), die über die letzten 20 Jahre zu Investitionszwecken auf Auktionen zusammengekauft wurde, vervielfachte bei Sotheby’s am 23.3. ihren Einstand.

Prominente Provenienzen wie der Nachlass des wichtigen chinesischen Händlers J.T. Tai schnitten am besten ab. Er hatte seit 1950 aus seiner New Yorker Galerie so wichtige Großsammler wie Arthur Sackler oder Avery Brundage bedient. Über 300 niedrig gepreiste Lose wurden zu 94 Prozent und 36,3 Millionen Dollar abgesetzt. Aus Tais Nachlass stammt auch die oben genannte Vase. Zu den eifrigen Käufern zählten Vertreter des Shanghai Tianwuguan Art Fund, die mindestens fünf Millionen Dollar in kaiserliches Porzellan investierten.

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