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03.12.2015

13:49 Uhr

Asiatika bei Nagel

Möbelkunst an der Spitze der Offerte

VonSabine Spindler

Sind die Chinesen wieder verrückt auf Möbel aus der Ming-Zeit? Der Versteigerer Nagel ist davon überzeugt. Er ruft in seiner Asiatika-Auktion gleich eine Handvoll Schränke und Tische zu fünf- und sechsstelligen Taxen auf. Weitere Akzente setzen kaiserliche Porzellane und ein Thangka mit der Darstellung eines historischen Ereignisses.

Das Schrankpaar mit feinen durchbrochenen Partien aus der späten Ming-Zeit (je 200 x 104 x 47 cm) gehört zu den Top-Losen der Asiatika-Auktion bei Nagel in Stuttgart. Erwartet werden 200.000 bis 300.000 Euro . Quelle: Nagel Auktionen

So richtete sich die Oberschicht im 17. Jahrhundert in China ein

Das Schrankpaar mit feinen durchbrochenen Partien aus der späten Ming-Zeit (je 200 x 104 x 47 cm) gehört zu den Top-Losen der Asiatika-Auktion bei Nagel in Stuttgart. Erwartet werden 200.000 bis 300.000 Euro . Quelle: Nagel Auktionen


StuttgartDiplomatenhaushalte scheinen wahre Schatztruhen zu sein. Die attraktivsten kaiserlichen Porzellane, die Nagel in seiner Auktion „Asiatische Kunst“ am 7., 8. und 9. Dezember 2015 aufruft, schlummerten seit mehr als 100 Jahren in der Familie des norwegischen Honorarkonsuls in Hongkong Arne Schou Sörensen.

Mit 60.000 bis 100.000 Euro ist die puristische, weiße Enghalsvase vom Typ Yuhuchun Ping aus der Yongzheng-Periode (1678-1735) bewertet. Bei 80.000 bis 120.000 Euro liegt die Taxe für eine mintgrüne Kalebassen-Vase aus dem 18. Jahrhundert. Als der Stuttgarter Versteigerer zur Londoner Asian Art Week Anfang November mit seinen besten Stücken auf Werbetour ging, waren sie die Favoriten des Interesses.

Möbel der Ming-Periode

Vor gut drei Jahren sorgte das Auktionshaus am Neckar für Aufsehen, als hier ein chinesischer Schrank aus der Qing-Dynastie für 2,1 Millionen Euro (inkl. Aufgeld) verkauft wurde. Auch diesmal fährt Nagel ein anspruchsvolles Angebot an China-Möbeln auf. Von architektonischer Schönheit sind zwei kastenförmige Schränke mit gitterartig durchbrochenen Feldern. Das Paar aus dem 17. Jahrhundert soll mindestens 200.000 Euro einspielen und führt preislich das gut 2.300 Lose umfassende Angebot an.

Wie ein Shaker-Möbel kommt hingegen ein langer, formal reduzierter Tisch aus dem 17./18. Jahrhundert mit sprossenartigem Gestell daher. Er ist auf 90.000 bis 120.000 Euro taxiert. Nagels Asiatika-Spezialist Michael Trautmann ist in Bezug auf Möbel optimistisch. „Momentan begeistern sich China-Sammler wieder dafür“, sagte er dem Handelsblatt. Christie´s in New York erzielte im Herbst für außergewöhnliche Möbel der Ming-Zeit gar Millionenzuschläge.

Wie Abziehbilder hat der Porzellanmaler Schmetterlinge und Blüten auf den mintgrünen Fond der Kalebassenvase gesetzt. Das knapp 39 cm hohe Schaustück schlummerte 100 Jahre in der Familie eines norwegischen Diplomaten. Die untere Taxe liegt bei 80.000 Euro. Quelle: Nagel Auktionen

Frühlingsboten auf Mintgrün

Wie Abziehbilder hat der Porzellanmaler Schmetterlinge und Blüten auf den mintgrünen Fond der Kalebassenvase gesetzt. Das knapp 39 cm hohe Schaustück schlummerte 100 Jahre in der Familie eines norwegischen Diplomaten. Die untere Taxe liegt bei 80.000 Euro. Quelle: Nagel Auktionen

Breite Käufermasse ist geschrumpft

Allgemein aber sind Trautmanns Erwartungen etwas gedämpft. Die kriselnde Wirtschaft Chinas habe die breite Käufermasse schrumpfen lassen. „Und die finanzstarken Sammler wählen äußerst selektiv aus.“, bemerkt Trautmann. Nagel fährt ein breites, aber solides Angebot auf. Verlass dürfte auf zahlreiche buddhistische Bronzen sein. Die Geste der Zuversicht zeigt ein stehender tibeto-chinesischer Buddha Dipankar des 18. Jahrhunderts, unbeirrt von den geschätzten 50.0000 bis 80.000 Euro.

Mit 40.000 bis 60.000 Euro ist eine majestätisch hockende Kleinplastik des Dharmashangkha-samadhi Manjushri aus dem Tibet des 10./11. Jahrhunderts bewertet. Bei 150.000 Euro liegt die Einstiegshürde für eine mongolische Altarfigur des sechsarmigen Mahâkâla. Ein Fischzug mit historischem Hintergrund ist bei den gefragten Thangkas gelungen. Das mit 100.000 bis 150.000 Euro bewertete Meditationsbild aus dem 19. Jahrhundert stellt die Begegnung zwischen dem 5. Karmapa Deshin Shekopa, dem ranghöchsten Gelehrten der Karma-Kagyü-Tradition, und dem Ming-Kaiser Yongle von 1405 dar.

Hängerolle mit zwei Elstern

Zu den Spitzen der Dezember-Auktion gehören weiterhin ein bronzener Weinbehälter von Typ Hu aus der Mitte des 5. Jahrhundert vor Christus zur unteren Taxe von 100.000 Euro sowie ein großer chinesischer Stellschirm mit Landschaften in Rotlack-Technik und reliefartigen Darstellungen von Antiquitäten. Für die kunstvolle Arbeit des 18./19. Jahrhunderts sind 60.000 avisiert.

Bei der traditionellen Tuschemalerei führen eine Hängerolle mit zwei Elstern von Qi Baishi und eine meditative Landschaft des hoch geschätzten Huang Junbi das Feld an. Die Arbeiten aus den 1940er-Jahren starten jeweils mit 80.000 Euro.

Vorbesichtigung: 4. bis 6. Dezember 2015

Auktion: 7. bis 9. Dezember 2015

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