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21.06.2011

14:00 Uhr

Asiatische Kunst

Gehütete Schätze kommen ans Licht

Die Asiatica-Auktionen bescheren Paris mehr Umsatz als im letzten Frühjahr. Mit Hongkong kann der europäische Handelsplatz aber nicht mehr mithalten. Während die internationalen Häuser prosperieren, schwächen sich die einheimischen Versteigerer durch mangelnde Kommunikation.

Das Rhyton-Gefäß aus Jade entstand in China zur Zeit der Quing Dynastie 1787. Quelle: Sotheby's

Das Rhyton-Gefäß aus Jade entstand in China zur Zeit der Quing Dynastie 1787.

ParisParis schließt sich dem internationalen Reigen der erfolgreichen Auktionen mit Asiatika an. Sieben Pariser Versteigerer setzten vom 6. bis 10. Juni 36,4 Millionen Euro um. Im Jahr 2010 setzte Paris mit zwölf Versteigerungen 62 Millionen Euro um. Das Frühjahrsergebnis signalisiert also eine Steigerung, die aber keineswegs so spektakulär ausfällt wie in Hongkong. Dort verbesserte sich das Volumen der Transaktionen im Vergleich zum Frühjahr 2010 um 88 Prozent.

Neue Starobjekte tauchen auf

Bemerkenswert ist das Auftauchen neuer Starobjekte auf den Pariser Markt, die bisher sorgsam in den französischen Familien aufbewahrt wurden. Herausragendes Beispiel sind zwei grüne Trinkgefässe aus Jade („Rhyton“), die 1785 und 1787 vom Hofe des chinesischen Kaisers Qianlong aus den Jahren 1785 und 1787 stammen. Das erste „Rhyton“-Jadegefäss mit seiner asymmetrischen Form, die einem Drachen ähnlich sein soll, zählte zu den höchst bewerteten Objekten der ehemaligen Sammlung Paul-Louis Weiller. Es kam am 5. April dieses Jahres im Hotel Drouot unter den Hammer des Auktionatorenduos Gros-Delettrez und wurde von einem Chinesen für 2 Millionen Euro inklusive Aufgeld erworben. Das nur 22,5 Zentimeter hohe Jadegefäss fiel durch seine bräunlich eingefärbten Relief-Schnitzerein an der Außenwand auf. An der grünen Innenwand entzifferte man ein vom Kaiser persönlich verfasstes Gedicht. Der China-Experte Guy Raindre versicherte, dass man seit Jahren kein vergleichbar bedeutendes chinesisches Objekt auf dem Markt sah.

Sotheby’s ist Marktführer

Bereits am 9. Juni tauchte in der Asiatika-Auktion von Sotheby’s ein ähnliches Rhyton-Jade-Trinkgefäß auf, für das ein anonymer Bieter knapp 2 Millionen aufwandte. Mit seinen 17 Zentimetern etwas kleiner als das erste Trinkgefäß, stammte das zweite, sehr ähnliche „Rhyton“ aus der Jade-Sammlung des Amerikaners Georges Estoppey (1889-1970). Estoppey erwarb seine Jade-Objekte meist vor dem Zweiten Weltkrieg in der New Yorker Galerie Yamanaka & Co, die ihre Ware extrem gut dokumentierte. Darüber hinaus war die Sammlung Estoppey im Jahre 1942 im Smithsonian Institute in Washington ausgestellt.

Sotheby’s bot sieben Jade-Objekte aus der Sammlung Estoppey an. Mit knapp 18 Millionen Euro Umsatz für 259 verkaufte von 355 angebotenen Losen hält Sotheby's seine Position als Marktführer für Asiatika in Paris.

Die Doppelhenkelvase aus Porzellan war Christie's Top-Stück. (Ausschnitt) Quelle: Christie's Images Ltd 2012

Die Doppelhenkelvase aus Porzellan war Christie's Top-Stück. (Ausschnitt)

Porzellanschönheit zu günstig geschätzt

Christie’s setzte am 7. Juni für 272 zugeschlagene Lose 13,1 Millionen Euro um. 421 Objekte wurden insgesamt ausgeboten. Eine asiatische Galerie erwarb das höchst dotierte Objekt für 1,4 Millionen Euro: eine für den europäischen Geschmack vielleicht etwas bunte, barock anmutende Doppelhenkelvase aus Porzellan aus der Qing-Dynastie. Die Einordnung des rubinroten Gefäßes zur Qianlong-Regierungszeit (1736-1795) war unsicher. Das erklärte ihre günstige Taxe von 100.000 bis 150.000 Euro, die der Händler auf mehr als das Zehnfache anhob.

Ein Album mit Malerei in Tinte auf China-Papier, das Christie's Paris für 1,29 Millionen Euro versteigerte. Zugeschrieben ist es Xiang Shengmo (1597-1658). (Ausschnitt) Quelle: Christie's Images Ltd 2012

Ein Album mit Malerei in Tinte auf China-Papier, das Christie's Paris für 1,29 Millionen Euro versteigerte. Zugeschrieben ist es Xiang Shengmo (1597-1658). (Ausschnitt)

Ein chinesisches Album mit acht Malereien von Xiang Shengmo (1597-1658) multiplizierte seine obere Taxe mit elf und kam auf 1,3 Millionen Euro.

Die restlichen Auktionen fanden in den Sälen des Hôtel Drouot statt. Der Auktionatoren-Verbund von Mathias, Baron Ribeyre und Farrando Lemoine setzte am 8. Juni für chinesische und japanische Kunstwerke 1,5 Millionen Euro um. Eine blau-weiße Porzellanschale der Xuand-Epoche mit Blumen- und Früchtedekoration erzielte 592.557 Euro.

AuctionArt, das Haus von Pierre Cardin und Versteigerer Rémy Le Fur, legte am 8. Juni etwas mehr als eine Million Euro für asiatische Kunst um. Darunter befanden sich neun Jade-Gegenstände aus der genannten Sammlung Georges Estoppey, wovon eines 1942 im Smithsonian Institut ausgestellt war. Das teuerstes Objekt bei AuctionArt war eine blaue, weiß bemalte Email-Dose aus der Qing-Dynastie mit dem Regierungszeichen des Kaisers Qianlong, die  123.920 Euro einfuhr.

Folgen mangelhafter Kommunikation

Piasa, das an vierter Stelle des Pariser Umsatz-Rankings 2010 stehende Auktionshaus, legte am 10. Juni mehr als 1,3 Millionen Euro für Asiatika um. Hier wurde für einen kaiserlichen Stempel aus der Regierungszeit Jiaqing (1796-1820) 273.160 Euro bewilligt.

Auktionator Damien Libert setzte im Rahmen einer  Nachlass-Versteigerung, in der sich 4 Asiatika-Lose befanden, 506.080 Euro für diese um. Eine aus Nashorn reich geschnitzte Opferschale aus dem 17. Jahrhundert fand für 309.800 Euro einen Abnehmer.

Das Auktionatoren-Paar Pescheteau-Badin erreichte laut telefonischer Auskunft am 6. Juni für 118 Asiatika-Lose eine knappe Million Euro. Details kann man auf Grund eines nicht funktionierenden Internet-Zugangs nicht überprüfen.

Die Stärke von Sotheby’s und Christie’s liegt nicht nur an ihrem Warenvolumen, sondern auch am Kundenservice. Noch am Tag der Auktion liegen die Ergebnisse vor, egal, zu welcher Tageszeit die Versteigerung endete. Sowohl die Drouot-Auktionatoren, wie Artcurial, Tajan und Pierre Bergé übermitteln frühestens am Tag nach der Auktion die höchsten Zuschläge. Dieser mangelhafte Service schwächt die ohnedies schon wacklige Position der französischen Häuser noch mehr. Das scheint sie jedoch nicht zu tangieren.

Von

Olga Grimm-Weissert

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