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15.04.2016

16:42 Uhr

Atelierbesuch bei Pia Fries

„Ich folge dem kontrollierten Zufall“

VonSusanne Schreiber

Ihre Werke sind bunt, kräftig und erlösen Zehntausende Euro. Pia Fries knetet und kämmt Farben, mit denen sie malt. Ein Atelierbesuch, an dem Handelsblatt-Leser teilhaben können – mit einer speziellen Edition zum Kauf.

Pia Fries in ihrem Atelier in Düsseldorf. Andreas Fechner / VG Bild-Kunst

Die Künstlerin

Pia Fries in ihrem Atelier in Düsseldorf.

DüsseldorfSchon der erste Blick auf großformatige Gemälde im weitläufigen Düsseldorfer Atelier von Pia Fries macht klar: Hier illustriert die Malerei kein Thema. Die Bilder wollen nicht erzählen, sondern den Betrachter packen.
Hier dreht sich alles um den Furor der Malerei und die Farbe. Dreidimensional wie ein Relief reckt sich Farbmasse in Clustern dem Besucher entgegen, als hätte ein Dämon sie durcheinandergemischt.

Hier arbeitet eine Künstlerin so originell mit Farbe, dass man davon erzählen muss. Farben sind für Fries nicht nur Träger von Stimmungen. Sie sind vor allem formbares Material. Sie manipuliert pastose Farbkleckse und -stränge, durchpflügt sie mit den Fingern, kämmt, knetet, peitscht ihr Malmaterial mit Walzen und selbst gebauten Instrumenten. Farbe kann weggerissen oder -gekratzt werden, damit eine darunterliegende Schicht hervorkommt, denn „die Farbe will sich in allen Daseinsformen zeigen“, sagt die Malerin beim Gespräch mit dem Handelsblatt.

„Farbe ist promiskuitiv. Jede Farbe geht mit jeder“, findet Fries und lacht. „Nur wenn ich sie ausgieße, sucht sie sich ihr eigenes Bett.“ Zieht die Malerin das auf grundiertem Holz entstehende Bild mit Hilfe eines Krans in die Schräge, kommt die Farbe ins Rutschen. So manche Farbspur entsteht auch durch Schütteln. „Wenn es zu viel Materie ist, schleife ich schon mal mit Schleifmaschine etwas weg. Es geht nicht nur nett zu auf der Leinwand“, räumt die Wahldüsseldorferin ein. Der Betrachter darf sehen, was passiert ist, denn „jedes Bild ist ein Ereignis“.

„Jedes Bild ist ein Ereignis“, sagt Fries über ihre Werke. Andreas Fechner / VG Bild-Kunst

Farbschichten

„Jedes Bild ist ein Ereignis“, sagt Fries über ihre Werke.

„Pia Fries hat eine eigene Position entwickelt, die bleibt“, konstatiert Pia Müller-Tamm. Die Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe hatte 2010/11 eine vielbeachtete Ausstellung mit einer neuen Werkphase von Pia Fries initiiert. Zum selben Urteil kommt auch Thomas Lange, Vorstandsvorsitzender der National-Bank. Er schätzt am malerischen Werk von Pia Fries, „dass es sich an der Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit bewegt. Während die Abstraktion durch den mitunter bildhauerischen Einsatz von Farbe als plastischem Material zum Tragen kommt, zeigt sich die Gegenständlichkeit an unterschiedlichen Sujets, die qua Siebdruck hergestellt werden.“

Woher kommt diese ungewöhnlich materialbezogene Haltung? Pia Fries zieht es nach einem Studium der Bildhauerei in Luzern an die berühmte Kunstakademie in Düsseldorf. Angelockt von Joseph Beuys. Es sind die 1980er-Jahre, die Malerei ist damals wieder einmal totgesagt. Beuys’ Thesen von der Veränderung der Welt durch die Kunst faszinieren – bis man sie als falsches Versprechen entlarvt. Erst im Grundstudium entdeckt die Studentin die Malerei für sich und wechselt zu Gerhard Richter, bei dem sie als Meisterschülerin abschließt.

Schon früh stellt Pia Fries in führenden Galerien aus, etwa bei Rüdiger Schöttle, Rolf Ricke und Mai 36. 1999 nimmt sie an der Biennale von Venedig teil, seit 1984 lehrt sie, seit 2000 hat sie Professuren in Freiburg, Berlin und München inne. Unternehmen wie Daimler und Provinzial kaufen ihre Werke für Firmensammlungen an, Prominente aus der Medien- und der Modewelt erwerben Fries’ Arbeiten für ihre Privatsammlungen. Pia Fries ist Schweizerin, im Gespräch sachlich, witzig, aber nicht auftrumpfend. Sie würde nie Aufhebens machen um ihren Erfolg.

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