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12.09.2013

14:00 Uhr

Auctionata

Absichtliches Suchmaschinen-Durcheinander

VonOlga Kronsteiner

Auctionata betreibt Suchmaschinen-Marketing, bei dem Juristen Markenrechtsverletzungen orten. Betroffen davon: deutsche, österreichische und internationale Auktionshäuser. Erste Abmahnungen liegen vor.

Das bekam, wer bei Yahoo nach Im Kinsky suchte: eine Verlinkung zum Konkurrenten Auctionata. www

Das bekam, wer bei Yahoo nach Im Kinsky suchte: eine Verlinkung zum Konkurrenten Auctionata.

WienOhne Suchmaschinen wäre das World Wide Web ein nicht zu bewältigender Datendschungel. In Kombination mit spezifischen Marketingmaßnahmen können Anbieter von Produkten oder Dienstleistungen ihre Sichtbarkeit in den Ergebnislisten verbessern. Ohne solches Search Engine Marketing (SEM) bleibt man nämlich auch nur ein Datensatz von unzähligen.

Wie derlei funktioniert führt das Online-Kunsthandelsportal Auctionata beispielhaft vor Augen. Die auf der Website angeführten Auktionshäuser (u.a. Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf) existieren genau genommen nicht, auch nicht als Auctionata-Niederlassungen – worauf der Nutzer auf der Site auch hingewiesen wird. Dabei, erklärte CEO Alexander Zacke in einem Gespräch, handelt es sich um Suchmaschinen-optimierte „Landungsseiten“, entsprechend „der am häufigsten verwendeten Stichworte der Besucher unserer Website“. Folglich scheint dann beispielsweise unter dem Suchbegriff „Auktionshaus Berlin“ der Eintrag zu Auctionata an erster Stelle auf.

Fremde Federn schmücken

Dazu leistet man sich Werbe-Einblendungen nach dem Keyword-Advertising-Prinzip, kauft sich für bestimmte Schlüsselwörter also eine Position auf der ersten Seite der Suchmaschinenergebnisse. Bei Google, Yahoo und Bing werden solche bezahlten Treffer etwa zuoberst in einem „Werbeblock“ zusammengefasst. Und in diesem Segment ist Auctionata ganz besonders aktiv, wie Recherchen zeigen. Denn der zugrunde gelegte „Anzeigentext“ schloß nicht nur allgemein übliche Begriffkombinationen ein (z.B.: „Gemälde kaufen“), sondern auch die Namen zahlreicher Auktionshäuser, sowohl deutscher (u.a. Lempertz, Van Ham, Villa Grisebach, Neumeister) und österreichischer (Dorotheum, Im Kinsky, Hassfurther) als auch internationaler wie Bonhams, Christie’s und Sotheby’s. Teils wurden dabei sogar klassische und bisweilen ungewöhnliche, jedenfalls falsche Schreibweisen (u.a. Christi, Kristie, Sotherby, Soteby oder Toroteum) aufgenommen.

Juristen sind aktiv

Über Yahoo und Bing wurden bis Dienstag dieser Woche Anzeigen generiert, die jedoch in der Branche für Unmut sorgen, wie folgendes Beispiel zeigt, nach dessen Muster alle genannten Auktionshäuser betroffen sind: „Anzeige zum Thema im Kinsky Auktionen“ titelte die Werbeeinblendung, darunter verlinkten „im kinsky auktionen – Antiquitäten & Raritäten kaufen“ und „auctionata.com/im kinsky auktionen“ direkt auf die Website von Auctionata.

Für Ernst Ploil, Rechtsanwalt in Wien und Kinsky-Teilhaber, ein klare Markenrechtsverletzung: Der Inhalt dieses Suchergebnisses erwecke bei Benutzern der Suchmaschinen den falschen Eindruck, dass zwischen „im Kinsky“ und dem von der ISA Auctionata Auktionen AG (Wien/Berlin) geführten Betrieb ein organisatorischer oder wirtschaftlicher Zusammenhang bestünde. Letzteres habe die Gefahr von Verwechslungen zur Folge, erläutert Ploil im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vergangene Woche ließ er Auctionata in einem Schreiben wissen, in dem er die „Beseitigung des rechtsverletzenden Zustands“ forderte.

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