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28.09.2013

15:27 Uhr

Auf der Berliner Schaubühne

Trauerfeier für Otto Sander

Seiner rauchige Stimme hat sich in das Gedächtnis der Deutschen eingebrannt. Am 12. September starb Otto Sander. Heute nehmen Weggefährten in Berlin Abschied von einem der größten Charakterdarsteller Deutschlands.

Otto Sander galt als einer der besten Charakterdarsteller Deutschlands. Heute kamen in Berlin Personen aus Film, Musik, Kunst und Politik zusammen, um dem Schauspieler die letzte Ehre zu erweisen. dpa

Otto Sander galt als einer der besten Charakterdarsteller Deutschlands. Heute kamen in Berlin Personen aus Film, Musik, Kunst und Politik zusammen, um dem Schauspieler die letzte Ehre zu erweisen.

BerlinMit einer bewegenden Trauerfeier hat Berlin am Samstag Abschied von dem großen Schauspieler Otto Sander genommen. Zu den Trauergästen gehörten die Schauspieler Klaus Maria Brandauer, Uwe Ochsenknecht und Iris Berben sowie die Sänger Udo Lindenberg und Klaus Hoffmann. Auch der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und die Grünen-Politikerin Renate Künast erwiesen Sander die letzte Ehre.

Der Darsteller, der an Krebs erkrankt war, starb am 12. September im Alter von 72 Jahren in Berlin. Er spielte in 130 Kino- und Fernsehfilmen mit, darunter „Die Blechtrommel“ und „Das Boot“. Mit seiner sonoren Stimme hatte er sich auch einen Ruf als Synchronsprecher erworben.

Sanders Stiefkinder Ben und Meret Becker nahmen am Samstag Hand in Hand vor dem Sarg auf der Bühne des Berliner Ensembles Abschied. Neben einer Kerze war ein Schwarz-Weiß-Foto des Schauspielers zu sehen. In einem Brief würdigte der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow Sander als beeindruckende Persönlichkeit.

Bei der Trauerfeier sprachen unter anderem auch der Hausherr des Berliner Ensembles, Claus Peyman, Regisseur Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Anschließend zogen mehrere Hundert Trauergäste über die Friedrich- und Chausseestraße zum nahe gelegenen Dorotheenstädtischen Friedhof. Dort wurde Sander neben dem Regisseur Frank Beyer („Spur der Steine“) beigesetzt.

Rollen von Otto Sander

„In weiter Ferne, so nah“ (1993) und „Der Himmel über Berlin“ (1987)

Für Regisseur Wim Wenders spielt Sander einen Engel, der aus Liebe zu einer Frau ein Erdenleben beginnt.

„Die Geduld der Rosa L.“ (1986)

In Margarethe von Trottas hochgelobtem Film hat Sander die Rolle des Karl Liebknecht.

„Das Boot“ (1981)

Als Ritterkreuzträger Thomsen in Wolfgang Petersens Werk wird Sander international bekannt.

„Die Blechtrommel“ (1979)

Sander spielt den ewig betrunkenen Trompeter Meyn.

„Das letzte Band“ (2006)

In Becketts Solostück überzeugt Sander als zweifelnder alter Mann.

„Der Hauptmann von Köpenick“ (2004)

Sander brilliert als mehr tragischer denn komischer Hauptmann.

„Kuss des Vergessens“ (1999)

Für seine Rolle wird er zum Schauspieler des Jahres gewählt, zum zweiten Mal nach 1979.

„Joel Brand“ (1966)

Sanders Bühnendebüt an den Düsseldorfer Kammerspielen.

„Polizeiruf 110“ (1994-2005)

Mit Sohn Ben Becker steht Sander mehrfach für die ARD-Krimireihe vor der Kamera.

Wowereit sagte, er nehme Abschied von einem „großen Schauspieler und beliebten Bürger unserer Stadt, der uns mit seiner Kunst tief berührte“. Sander habe sich auch als „Berufsberliner“ gesehen. „Er war mehr, er war Berlin, einer von uns, man wollte ihn in den Arm nehmen. Wir werden Otto Sander vermissen, aber nie und nimmer vergessen. Berlin sagt Danke!“

Wenders erinnerte an die gemeinsamen Dreharbeiten zum Film „Himmel über Berlin“ und erzählte dazu Anekdoten. Sander sei in dem Film zwar der „Engel der Tränen“ gewesen, „aber sonst haben ich und Sander immer Tränen gelacht“.

Außerdem wurde auf der Gedenkveranstaltung Gorbatschows Brief verlesen. Darin würdigte er Sander nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Persönlichkeit, die einen tiefen Eindruck auf ihn hinterlassen habe. „Sein Ableben ist ein Verlust für die deutsche, europäische, ja die Weltkunst.“

Auch der langjährige Intendant der Berliner Schaubühne, Jürgen Schnitthelm, sowie der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, kamen zur Trauerfeier.

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof ruhen unter anderem der Dramatiker Bertolt Brecht, die Schriftstellerin Anna Seghers und der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel.

Von

dpa

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