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25.04.2014

08:50 Uhr

Auktionen Hongkong

Ungebremste Kauflust der Chinesen

VonMatthias Thibaut

Beim Kunstkauf kennen Chinesen keine Tabus. Sotheby´s erzielte in Hongkong einen Künstlerrekord und verkaufte die weltweit teuerste Jade-Kette. Mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen US-Dollar steht man bestens da.

Mao-Sticker als Preistreiber - 12 Millionen US-Dollar für „Bloodline: Big Family No. 3“ von Zhang Xiaogang von 1995. Sotheby’s

Mao-Sticker als Preistreiber - 12 Millionen US-Dollar für „Bloodline: Big Family No. 3“ von Zhang Xiaogang von 1995.

LondonDer Superpreis von umgerechnet 39 Millionen US-Dollar (inkl. Aufgeld) für die nur 8,2 cm große, sogenannte Hühnertasse der legendären Meiyintang-Sammlung hob nicht nur Sotheby´s Frühjahrsauktionen in Hongkong Anfang April über die Erwartungen hinaus. Er zeigte, dass Chinas Wachstumssorgen keine Rolle spielen, wenn es um Spitzenobjekte im Kunstmarkt geht.

Begehrenswerteres als so ein kleines Porzellanschälchen gibt es derzeit im Chinamarkt offenbar nicht. Die Bemalung mit dem buntgefiederten Hahn und seiner Kükenfamilie steht als Symbol für den Kaiser und seine Untertanen. Nur 17 Exemplare, hergestellt für den Chenghua-Kaiser der Ming Dynastie (1465-82), sind bekannt. Und davon sind nur noch vier in Privatbesitz, der Rest in Museen.

Schon vor der Auktion erklärte der Londoner Spitzenhändler Giuseppe Eskenazi voller Zuversicht: „Dies ist das teuerste Stück chinesisches Porzellan in privatem Besitz.“ Eskenazi hatte das Schälchen 1999 bei Sotheby´s für 29,2 Millionen Hongkong-Dollar – umgerechnet 3,8 Millionen US-Dollar –ersteigert und an den Schweizer-philippinischen Sammler Stephan Zuellig verkauft. Zuelligs Meiyintang-Sammlung wurde in den letzten Jahren von Sotheby´s aufgelöst.

Nun geht das rare Teil nach China zurück. Der Sammler Liu Yiqian, der in Schanghai ein Privatmuseum betreibt und als bedeutendster Sammler chinesischen Porzellans in die Fußstapfen des nun neunzigjährigen Zuellig tritt, bezahlte den zehnfachen Preis. Seine Tässchen ist nun nicht nur das teuerste Porzellan der Marktgeschichte, sondern auch das teuerste chinesische Kunsthandwerk überhaupt.

Einen zweiten Spitzenpreis für Keramik brachte in den Hongkong Auktionen das sogenannte Clark Ding Basin, das der betagte japanische Händler Sakamoto Goro versteigern ließ. Seinen Namen hat es von dem Sammler Alfred Clark, der die 22 cm große, elfenbeinfarbene Schale bis 1971 besaß. Die Schätzung für das extrem fein getöpferte Gefäß aus der Song-Zeit (960-1127) belief sich bis 7,7 Millionen US-Dollar. Bezahlt wurden 12,8 Millionen US-Dollar. Das ist der zweithöchste, je für Song-Keramik erzielte Preis.

Der Keramik-Markt bleibt wählerisch, aber für die brillantesten Arbeiten überschlagen sich die Gebote: Sotheby´s verkaufte in Hongkong Porzellan und Keramik für erstaunliche 120 Millionen US-Dollar. Das war nur ein Viertel der gesamten Auktionsserie, zu der Wein, Juwelen, Uhren, alte und neue Kunst und Kunsthandwerk gehörten.

Unter den Top-Losen der Auktionswoche war eine Halskette aus grüner Jade, die den bisherigen Jade-Rekord in Höhe von 106 Millionen HK-Dollar (umgerechnet nicht ganz 14 Millionen US-Dollar) verdoppelte. Achtzehn Minuten dauerte das Bietergefecht, bis die 27 makellosen, bestechend großen Jade-Perlen in eine westliche Sammlung gingen.

Auch hier war die Provenienz ausschlaggebend. Das begehrte Schmuckstück war 1933 von dem Kaufhaus-Gründer Frank W. Woolworth seiner Tochter und Alleinerbin Barbara Hutton geschenkt worden. Als die Kette das letzte Mal 1994 auf dem Markt kam, kostete sie noch 33 Millionen HK-Dollar. Jetzt wurde sie für 214 Millionen HK-Dollar weitergereicht. Das entspricht 28 Millionen US-Dollar. Käufer war die Cartier Sammlung, die der Schweizer Luxus Holding CFR (Companie Financière Richemont SA) gehört.

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