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13.06.2014

08:35 Uhr

Auktionen in Paris

Umsatzträchtige Nachkriegskunst

VonOlga Grimm-Weissert

In Paris schließen die Auktionen für Nachkriegs- und Gegenwartskunst mit teilweise blendendem Ergebnis ab. Am erfolgreichsten ist Sotheby’s Abendauktion mit nur 28 Losen. Dabei zeigt sich einmal wieder, dass Künstler mit Wohnsitz in Paris die besten Karten haben.

Kazuo Shiragas abstraktes Bild trägt den rätselhaften Titel "Gekidou suru aka" und misst über 2 Meter in der Breite. (Ausschnitt) Sotheby's Paris 2014

Kazuo Shiragas abstraktes Bild trägt den rätselhaften Titel "Gekidou suru aka" und misst über 2 Meter in der Breite. (Ausschnitt)

ParisSotheby's schoss ein echtes Feuerwerk ab“, kommentierte sogar die Direktorin eines Konkurrenzhauses über die Auktionen vom 3. und 4. Juni 2014. Sie endeten mit einem Ergebnis von 28,6 Millionen Euro. Mehr war in Paris auf einer Zeitgenossen-Auktion noch nie umgesetzt worden.

Weit abgeschlagen davon musste sich Christie's am 4. und 5. Juni mit 15,3 Millionen Euro zufrieden geben. Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan rangiert mit 9,6 Millionen Euro dahinter, da die Franzosen ihr Hauptaugenmerk auf die weniger umsatzträchtige Moderne legten. Auch das  Versteigerungshaus Hôtel Drouot verzeichnete gute Zuschläge für Gegenwartskunst.

Vorliebe für Künstler, die in Paris lebten

Sotheby's erzielte diese – für Paris – exzeptionellen Ergebnisse im Wesentlichen in der Abendauktion. Es kamen nur 28 Lose zum Aufruf. Dabei fiel der Hammer fünf Mal über einer Million Euro und Sotheby's legte drei neue Weltrekorde fest: für Kazuo Shiraga, Germaine Richier und Sam Szafran.

Generell bewilligt man in Paris die besten Zuschläge für die (meist verstorbenen) Großmeister der Nachkriegskunst, die in Paris lebten. Dazu zählt etwa Nicolas de Staël, Joan Mitchell, Kazuo Shiraga, Hans Hartung und Simon Hantai. Pablo Picassos Werke verschicken die internationalen Häuser lieber nach New York. In den letzten Jahren treiben asiatische Käufer die Preise für die beiden 2013 verstorbenen Chinesen Zao Wou-Ki und Chu Teh-Chun besonders in die Höhe. Sie verbrachten den Großteil ihres Lebens in der Seinestadt.

14 Telefonbieter für ein japanisches Gemälde

Der jetzt erzielte Preissprung für die Gegenwartskunst – der im Verhältnis zu New York und London selbstverständlich nur relativ spektakulär ist - bedeutet keine Überraschung für Marktbeobachter. Er resultiert aus systematisch aufgebauten Strategien der einzelnen Häuser, die in den letzten drei Jahren ihre Früchte tragen.

„Wir investieren in regelmäßige Aufbauarbeit“, erklärt Sotheby's Direktor der Abteilung Gegenwartskunst, Stefano Moreni. „Wir visieren ein spezielles Versteigerungsmodell für Paris an. Es soll wie maßgeschneidert für jedes einzelne Werk und für jeden Kunden sein – für die Verkäufer ebenso wie für die Käufer.“  Sammler würden reisen eigens nach Paris reisen, um die Werke anzusehen. Sie steigerten dann eventuell am Telefon. Ein gutes Beispiel liefert nach Ansicht von Moreni das Gemälde von Kazuo Shiraga, „Gekidou suru aka“ von 1969, also aus der besten Schaffensperiode des japanischen Malers, das einen neuen Weltrekord von 3,9 Millionen Euro setzte. „Wir konnten den Rekord von Phillips vom Vorjahr um 30 Prozent verbessern, weil die Qualität extraordinär war, auch vom Erhaltungszustand her. Wir hatten 14 Telefonbieter, das spricht für sich“!

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