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16.06.2012

12:02 Uhr

Auktionshaus Ketterer

Erstaunliche Umsätze mit Zeitgenossen

VonSabine Spindler

Bei den Sammlern zeitgenössischer Kunst herrscht ungebrochene Kauflust. Mit einem Frühjahrs-Gesamtergebnis von 13 Millionen Euro übertrifft das Münchener Auktionshaus Ketterer die Halbjahreserlöse des Vorjahres.

Thilo Baumgärtel, "Wagenburg", 2002, Öl auf Leinwand, Hammerpreis: 14.000 Euro.

Thilo Baumgärtel, "Wagenburg", 2002, Öl auf Leinwand, Hammerpreis: 14.000 Euro.

MünchenZahlreiche Gebote aus dem Ausland und viele Telefon-Bieter warben bei Ketterer um Serge Poliakoffs fast schwebende und farblich leuchtende "Composition abstraite orange, jaune, vert, lie de vin" (250 000 bis 350 000 Euro) von 1964. Für stolze 525 000 Euro brutto ging die rhythmisch bewegte Abstraktion schließlich in eine deutsche Sammlung und wurde damit zum Spitzenreiter der Auktion.

"Dass die Kunst nach 1945 in einer Auktion unseres Hauses höher bewertet wird als die Klassische Moderne, das habe ich noch nicht erlebt", gestand Robert Ketterer kurz nach der Auktion vom 9. Juni dem Handelsblatt. Ähnlich große Begehrlichkeit weckte auch Pierre Soulages' informelles Gemälde "Peinture 81 x 60 cm, 2 mai 1957". Ein Schweizer Sammler hob das Werk von geschätzten 150 000 Euro auf stattliche 490 000 Euro brutto. Interessenten aus Frankreich, Großbritannien und den USA hatten das Nachsehen.

Ketterer machte diesmal mit den Zeitgenossen erstaunliche Umsätze. 4,6 Millionen Euro betrug der Gesamtumsatz auf diesem Gebiet, fast eine Million Euro mehr als die Erlöse für die Klassische Moderne. Nie zuvor wurde in Deutschland Andy Warhols Farbserigrafie "Marilyn" von 1967 so teuer verkauft wie hier, nämlich inklusive Aufgeld für 170 800 Euro. Eine Steigerung von 436 Prozent legte gar ein Werk des ZERO-Künstlers Heinz Mack vor. Die aus wabenähnlichen Gitterstreifen bestehende Arbeit von 1962 kletterte von geschätzten 28 000 Euro auf 183 000 Euro brutto und ging in eine rheinländische Privatsammlung.

Sehr gute Ergebnisse erzielte der Münchener Auktionator zudem mit 330 000 Euro inklusive Aufgeld für Georg Baselitz' expressiven "Kopf (Elke Profil)" von 1977 sowie mit 146 000 Euro für Sean Scullys großformatiges, blockstreifenartiges Pastell von 1993.

Dass manche Werke auf dem deutschen besser als auf dem internationalen Auktionsparkett aufgehoben sind, zeigten unter anderem zwei Arbeiten aus der Hamburger Sammlung von Hubertus Wald, die im Februar dieses Jahres in London unter den Hammer kam. Dort für 18 750 Pfund versteigert, brachte Emil Schumachers Materialbild "Timra" in München mit Aufgeld nun 61 000 Euro.

Und Ernst Wilhelm Nays kleines Aquarell "Segelboot am Strand" von 1936, in London für umgerechnet etwas mehr als 7 000 Euro weitergereicht, erzielte hier inklusive Aufgeld 15 620 Euro. Nays großes Gemälde "Imagination Gelb" von 1951 gehörte mit seinem Erlös von 158 600 Euro zu den insgesamt 17 Erlösen über 100 000 Euro, die Ketterer in beiden Sparten erzielte.

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