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07.05.2011

09:42 Uhr

Auktionshaus Lempertz

Starkes Altmeister-Angebot

VonSusanne Schreiber

Mit einem Werk des Rembrandt-Umkreises und einigen bedeutenden Flamen wartet das Kölner Auktionshaus Lempertz mit attraktiven Einlieferungen auf.

"Der Turmbau zu Babel": Lucas van Valckenborchs Werk hat einen Wert zwischen 400.000 und 500.000 Euro. Quelle: Saša Fuis Photographie / Lempertz

"Der Turmbau zu Babel": Lucas van Valckenborchs Werk hat einen Wert zwischen 400.000 und 500.000 Euro.

DüsseldorfDas Kölner Auktionshaus Lempertz wartet in der kommenden Frühjahrsauktion am 14. Mai mit einem vorzüglichen Angebot an Altmeistergemälden auf. In solcher Fülle und Qualität ist das hierzulande selten, ein Grund, die herausragenden Werke genauer zu betrachten.

An der Spitze steht der „Turmbau zu Babel“ des Flamen Lucas van Valckenborch. Der kegelförmige Monumentalbau steht vor einer fein gemalten Weltenlandschaft mit Flusslandschaft, Gebirgszug und Küstenstreifen. Bis 1600 war das Turmbau-Motiv sehr beliebt, lasen die Niederländer darin doch ein Sinnbild für die Vermessenheit des Menschen und die Bestrafung der Hybris durch Gott.

Lucas van Valckenborch hat das Motiv mindestens siebenmal gemalt, etliche sind in Museen von Rang, etwa der Alten Pinakothek in München. Lempertz’ Schätzung liegt bei 400 000 bis 500 000 Euro für die gut erhaltene, kleine, auf der Rückseite parkettierte Holztafel. Valckenborchs runde Babylon-Version hatte 2001 in Paris bei Beaussant & Lefèvre umgerechnet immerhin 1,2 Millionen Dollar gebracht.

Wie der Turmbau ist auch das zweite aufsehenerregende Gemälde dieser Offerte der Forschung unbekannt geblieben. Denn auch das geheimnisvoll ausgeleuchtete Profilbildnis einer alten Frau befand sich seit mehreren Generationen in Familienbesitz. Dort galt das 1891 erworbene Hochformat stets als Rembrandt. Das sieht die heutige Forschung – wie so oft – anders.

Was als Rembrandt galt, soll jetzt ein Jan Lievens sein

Der holländische Wissenschaftler Albert Blankert schreibt das unsignierte Gemälde Rembrandts Konkurrenten Jan Lievens zu. Denn in beider Frühzeit arbeiteten sie noch auf Augenhöhe. Beide waren Schüler bei Pieter Lastman und entwickelten die porträtähnlichen Charakterstudien – oft mit Kostümen – zu einer eigenen Gattung, die im Holländischen „Tronie“ heißt. Bis auf zwei feine Risse prunkt die „Tronie einer alten Frau“ mit einer unrestaurierten Oberfläche.

Tronies von Lievens haben zuletzt bei Sotheby’s und Bob Haboldt auf der Tefaf 2011 Preise bis zu 3,9 Millionen Euro gebracht. Doch Lempertz’ Experte Otmar Plassmann hat sich für eine tastende Schätzung von moderaten 200.000 bis 300.000 Euro für das Profilbild entschieden. Jetzt sollen sich die Kenner durchsetzen, die Neuzuschreibung bestätigen und mehr bieten.

Schöne Frauen und fantastische Fabelwesen verscuen den frommen Antonius von seinem Glauben abzubringen auf einem Gemälde von Pieter Brueghel d.J. Mit 600.000 bis 700.000 Euro trägt das qualitätvolle, aus altem französischem Privatbesitz eingelieferte Querformat den höchsten Schätzpreis der Auktion. Die Passage mit den Zeichnungen ist gestrafft, hier sind attraktive Blätter aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu entdecken. Preislich liegen sie weit unter den geschätzten 14.000 bis 15.000 Euro, die für eine aquarellierte Berlin-Ansicht, Friedrichstraße/Ecke Taubenstraße erwartet werden.

Landschaften von Andreas Achenbach, ein Blick auf die offenen Marktstände der Frankfurter Schirn von Anton Burger (40 000 bis 50 000 Euro) und ein Bismarck-Bildnis von Lenbach (40.00 bis 50.000 Euro) runden die 312 Positionen umfassende „Alte Kunst“ ab. Am Tag zuvor kommen 940 Kunstgewerbearbeiten aus Porzellan, Silber, Juwelen und Holz zum Aufruf.


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