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15.01.2010

10:46 Uhr

Auktionsnachbericht

Der Markt für Design hat sich wieder gefangen

VonBarbara Kutscher

Die amerikanischen Winterauktionen bringen starke Preise für Tiffany. Eine traditionell amerikanische Sammlerschaft bekommt dabei verstärkt Konkurrenz aus Europa, Russland, dem Fernen Osten und Südamerika.

Christie's

NEW YORK. Seit dem Sommer 2008 befand sich der Designmarkt im freien Fall. Jetzt sieht der Handel einen Silberstreif am Horizont. Christie?s und Sotheby?s brachten es mit Historischem in den Auktionen am 8. und 17. Dezember 2009 auf insgesamt 25,7 Mio. Dollar - 61 Prozent mehr als im Dezember 2008 (15,8 Mio.).

Als gutes Omen hatte sich am 5.12. ein Überraschungszuschlag beim lokalen Auktionshaus Rago, Lambertville (New Jersey), erwiesen. Ein etwas schäbiges Jugendstil-Sesselpaar korrigierte dort die Taxe von 500/700 Dollar auf sage und schreibe 390 400 Dollar (brutto). Der Käufer, der New Yorker Sammler und Händler Eric Streiner, ist fest von der Autorschaft von Louis Comfort Tiffany überzeugt.

Das Angebot für Glas aus den Tiffany-Studios ist wieder stark

Auch der Markt für Glasarbeiten aus den Tiffany-Studios sei sehr, sehr stark, bestätigte der New Yorker Händler Lloyd Macklowe. Davon profitierte das im Dezember stets reichhaltige Tiffany-Angebot bei Christie? und Sotheby?s, das auf lange nicht gesehene 120 Objekte anschwoll. Bei einer guten Zuschlagsrate von durchschnittlich 84 Prozent nach Losen brachte Christie?s Tiffany-Segment am 8.12. allein 6,9 Mio. Dollar von insgesamt eingehämmerten 15,5 Mio. Dollar. Eine traditionell amerikanische Sammlerschaft sieht nun Konkurrenz aus Europa, Russland, dem Fernen Osten und Südamerika. Aber zu hoch getaxte oder mediokre Ware ging auch jetzt zurück.

Bei zehn Lampen setzte Christie?s auf die Zugkraft des Namens Gluck. Die in den 70er-Jahren von den Immobilieninvestoren Eugene und Eleanor Gluck angelegte Tiffany-Sammlung sorgte 1979 mit dem unerhörten Verkaufspreis von über 100 000 Dollar für eine Sensation. Jetzt führte ihre "Elaborate Peony", eine der besten Tiffany-Lampen, zu 1,5 Mio. (600 000/ 900 000) Dollar die Woche an. Die Tischlampe "Trumpet Creeper" ging zu 794 500 Dollar auch in eine amerikanische Sammlung.

In Sotheby?s kleinerer Auswahl am 17.12. traf die "Goldregen" -Tischleuchte zu 422 500 Dollar mitten in die Erwartungen, und die nicht leicht zu vermittelnde, in nur fünf Exemplaren existierende Tischleuchte "Salamander" brachte 362 500 Dollar ein.

Äußerst erfolgreich reagierte Christie?s auf die stetig gewachsene Nachfrage nach Bronzetieren und-möbeln von Claude und François-Xavier Lalanne. Eine amerikanische Sammlung von 52 Objekten wurde bis auf zwei zu hervorragenden Preisen abgesetzt. Sie brachten die neun höchsten Preise unter den 122 Zuschlägen, nur getoppt von einem Beistelltisch des Turiner Exzentrikers Carlo Mollina (um 1949-50). Mit 602 500 Dollar verdoppelte er fast die Taxe. Seit dem spektakulären Februar-Rekord (2,8 Mio. Euro) in der St. Laurent/Bergé-Auktion ist Verknappung das Stichwort für Lalanne. Einen zusätzlichen PR-Schub besorgten die im Herbst vom Galeristen Paul Kasmin entlang der Park Avenue ausgestellten zwölf Lalanne-Skulpturen.

Sotheby?s begann am 17.12. mit dem Nachlass des stilprägenden Event-Planers Robert Isabell. Vor allem Käufer aus der Schweiz, Italien und Frankreich besorgten den Losabsatz von 94,5 Prozent zu 2,6 Mio. Dollar. Unter Isabells Metallmöbeln und-objekten feierten Skulpturen von Harry Bertoia Triumphe, und auch Paul Evans massives Sideboard "Sculpture Front" (ca. 1970) vervielfachte die Taxe auf 218 500 (60 000/ 80 000) Dollar. Am Nachmittag setzte Jean Dupas? prächtige zehnteilige Salondekoration für das Passagierschiff "Normandie" Sotheby?s Spitzenpreis von 512 500 (200 000/ 300 000) Dollar.

Auch das 2008 stark getroffene Segment der amerikanischen Arts-and-Crafts-Bewegung sieht eine wieder steigende Nachfrage. Gut behaupteten sich hier 25 Lose der Sammlung Stephen Gray. Einiges wurde von Museen und privaten Stiftungen erworben. Zeitgenössische Auflagenmöbel wurden bis auf Ausnahmen dagegen fast vollständig aufgegeben. Insgesamt nahm Sotheby?s 10,2 Mio. Dollar ein.

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