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12.01.2018

10:24 Uhr

Auktionsumsätze

Fragwürdige Zugkraft der Zahlen

VonSusanne Schreiber

Der Konkurrenzkampf ist gnadenlos. Beinahe jeder Versteigerer hat eine andere Methode, mit welchen Zahlen er seine Erfolge unter die Leute bringt. Bilanzkosmetik hilft nach, wo die Umsatzzahlen noch ein Aufhübschen vertragen könnten.

Susanne Schreiber

DüsseldorfBleiben Sie skeptisch. Glauben Sie der Selbstdarstellung mittelgroßer Auktionshäuser nicht blind. Jedenfalls nicht, wenn es darum geht, wer der erste, der größte, der umsatzstärkste sein soll in dem halben Dutzend, das in Deutschland die Filetstücke unter sich aufteilt - aber die absoluten Toplose den internationalen Branchenriesen überlassen muss. Dezember und Januar sind die Monate, in denen Bilanz gezogen und Werbeslogans formuliert werden.

„Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe." Das Bonmot stammt zwar nicht, wie oft unterstellt, von Winston Churchill. Es macht aber deutlich, dass Statistiker Spielräume suchen und finden - bei der Zusammenstellung von Zahlenmaterial, je nachdem, welche Aussage erreicht werden soll. So gibt es denn auch verschiedene Methoden, den Umsatz eines Auktionshauses zu ermitteln. Zur Summe aller Zuschläge aus Direkt- und Nachverkauf lassen sich die Aufgelder addieren. Das handhaben Christie’s und Sotheby’s so und auch ihre deutschen Mitbewerber. Nicht aber jene 74 Versteigerer, die im Pariser Hôtel Drouot den Hammer schwingen. Die schwimmen gegen den Strom und geben stets nur die (niedrigeren) Nettopreise bekannt. Man muss also immer ganz genau hinsehen.

Zum Ersten, zum Zweiten und ... zum Dritten. dpa

Kunstauktion mit Hammer

Zum Ersten, zum Zweiten und ... zum Dritten.

Wo ein Auktions- oder gar ein Jahresgesamtumsatz noch stärker aufgehübscht werden soll, greifen Versteigerer gern zur Bilanzkosmetik. Die einen lassen schon mal die Mehrwertsteuer einrechnen oder Vorbehaltszuschläge. Die anderen addieren - exorbitante - Privatverkäufe dazu. Nachprüfen lässt sich Letzteres nicht, denn nur die Auktionszuschläge sind im Netz vermerkt. Millionenschwere Differenzen zwischen dem proklamierten Umsatz (samt der damit verbundenen Spitzenposition) und der kleinteiligen Addition lassen gleichwohl aufhorchen. Denn im Sinne von „Klappern gehört zum Handwerk“ wäre zu erwarten gewesen, dass ein aufmerksames Ohr schon mal von sensationellen Private Sales hätte hören müssen. Wieder andere Auktionshäuser summieren fleißig, was sie und ausgewählte (nicht alle) Mitbewerber so alles an den Mann gebracht haben – doch nur nach einem künstlich festgesetzten Raster. Dieses Raster berücksichtig zwar Alte, Moderne und zeitgenössische Kunst, nicht aber Asiatika, Design und die angewandten Künste. Es zielt nicht auf den Gesamtumsatz, sondern auf den Gesamtumsatz spezifischer Sammelgebiete.

Verwirrt? Die Akteure beabsichtigen genau das. Übergehen Sie also künftig das Eigenlob zum größten oder umsatzstärksten Haus. Den „gesunden Cerealien“ (Müsli) in der Werbung trauen mündige Verbraucher ja auch nicht. Bessere Auswahlkriterien sind die regionale Verbundenheit mit dem Künstler, oder die Häufigkeit, mit der das Auktionshaus dessen Werk bereits vermittelt hat. Und hören Sie sich in Ihrem Bekanntenkreis um. Hat, wer ins betreffende Haus schon mal eingeliefert hat, auch sein Geld in einem vertretbaren Zeitraum nach der erfolgreichen Versteigerung erhalten? Wer da nachbohrt, erfährt bisweilen Erstaunliches, was gar nicht so gut zum nach außen schön glänzenden Schein zu passen scheint.

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