Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.12.2015

12:58 Uhr

Auktionswoche im Dorotheum

Zweieinhalb-Stunden-Marathon am Abend

VonOlga Kronsteiner

Zum Saisonabschluss verbucht das Dorotheum in Wien ein fulminantes Ergebnis für Gegenwartskunst. In der Sparte Juwelen schießt eine Diamantbrosche von Suzanne Belperron weit über ihren Schätzpreis hinaus. Top-Los wird ein Ring mit einem unbehandelten Burma-Saphir.

Die von Suzanne Belperron entworfene Diamantbrosche, die für 100.000 Euro versteigert wurde. Gefertigt wurde das glitzernde Schmuckstück zwischen 1932 und 1955 vom Atelier Groene et Darde. Den Schätzpreis hatte das Dorotheum auf 26.000 bis 45.000 Euro angesetzt. Quelle: Dorotheum

Geschenk einer Tante

Die von Suzanne Belperron entworfene Diamantbrosche, die für 100.000 Euro versteigert wurde. Gefertigt wurde das glitzernde Schmuckstück zwischen 1932 und 1955 vom Atelier Groene et Darde. Den Schätzpreis hatte das Dorotheum auf 26.000 bis 45.000 Euro angesetzt. Quelle: Dorotheum

WienWas schätzen Sie, titelt die leise die an das „Kunst & Krempl“-Format erinnernde Sendung, die via ORF III einmal im Monat Keller und Dachböden von Herrn und Frau Österreich unter die Lupe nimmt. Moderator Karl Hohenlohe, Spross einer Verbindung zwischen Prinz zu Hohenlohe-Schillingfürst und Gräfin von Seilern und Aspang, begibt sich dann auf die inszenierte Suche nach vermeintlichen oder realen Kunst- und Kulturschätzen. Eine ORF-Serie unter offenkundiger Patronanz des Dorotheums; denn stets leisten nur Experten dieses Auktionshauses fachlichen Beistand.

In der jüngsten Sendung (10. November 2015) besuchte man also ein pensioniertes Wiener Ehepaar, bestaunte Großformate Peter Sengls im Vorzimmer und begab sich in den mit Arbeiten von Markus Prachensky und Kiki Kogelnik geschmückten Salon. Der Hauptdarsteller lag auf dem gläsernen Couchtisch bereit: ein kleines Etui, in dem sich ein glitzerndes Schmuckstück befand, das von einer gewissen Suzanne Belperron entworfen worden sei. Vor etwa 40 Jahren habe sie diese Brosche von der Tante ihres Gatten geschenkweise bekommen, jedoch der Üppigkeit wegen nie getragen.

Deko aus Zarenbesitz

Szenenwechsel ins Dorotheum. Dort ergänzt Juwelen-Expertin Astrid Fialka-Herics die ersten Informationen um Spezialwissen. So handelte es sich um eine von Belperron entworfene, zwischen 1932 und 1955 vom Atelier Groene et Darde ausgeführte und etwa 15 ct schwere Diamantbrosche. Mit einer Taxe von 26.000 bis 45.000 Euro sei zuverlässig Kaufinteresse zu generieren. Denn Suzanne Belperron zählte zu den bekanntesten Schmuckdesignerinnen des 20. Jahrhunderts und die Herzogin von Windsor oder Josephine Baker gehörten zu ihrer Klientel.

Im Zuge der letzten Auktionswoche des Jahres gelangte dieser heimliche Star nun zur Versteigerung und wechselte für stattliche 100.000 Euro (inkl. Aufgeld) in unbekannten Besitz. Den höchsten Zuschlag der Juwelen-Sitzung erteilte man für einen Ring mit einem unbehandelten Burma-Saphir (14,57 ct) bei 222.600 Euro.

Der Auftakt der viertätigen Auktionssause war der Sparte Silber vorbehalten (Umsatz: 1,37 Millionen Euro): Die persönliche Petschaft der Sophie Fürstin von Albanien wanderte für 40.000 Euro in ihre Heimat zurück. Ein russischer Sammler gönnte sich einen Silber vergoldeten Wiener Deckelpokal von 1840 mit emailliertem Wappen und Schmucksteincabochons für 33.750 Euro. Einen asiatischen Bieter fand für stattliche 62.500 Euro wiederum ein Paar von kaiserlichen Doppeladlern bekrönten Dekorationssäulen aus Lapislazuli mit partieller Vergoldung aus dem Besitz Zar Alexander I..

Gino Severini führt die Spitzenzuschläge für Moderne

In der Sektion Klassische Moderne setzte sich Gino Severinis „Sortie Nord-Sud“ (um 1913) mit 369.000 im Bereich des Schätzwertes (300.000 bis 400.000 Euro) an die Spitze der Top-Zuschläge, gefolgt von Frantisek Jupkas „Badender“ (1904). Sie verführte einen tschechischen Saalbieter entgegen der Erwartungen bis zu 295.800 Euro (Taxe: 100.000 bis 150.000 Euro). Übers Telefon sicherte sich wiederum ein italienischer Bieter Giorgio de Chiricos um 1945 geschaffenes „Battaglia“ (125.000 Euro). Im dritten Anlauf (Dorotheum 2012, Sotheby’s 2013) fand sich nun auch für Egon Schieles auf Karton gemaltes „Haus in Hütteldorf“ (73.100 Euro) endlich ein Käufer. Unverkauft blieb hingegen Willi Baumeister azurblaues Epos („Lyrik mit Kammzug auf Blau-Grün“, 70.000-90.000 Euro) aus dem letzten Schaffensjahr des Künstlers.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×