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13.02.2014

21:53 Uhr

„Snowmageddon“

Schneesturm sorgt für Chaos in den USA

Elf Tote, 100 Millionen Betroffene: Ein gigantischer Schneesturm hat den Süden und Osten der USA fest im Griff. Vor allem in den südlichen Bundesstaaten der USA sind die Bürger kaum auf Schnee und Eis eingestellt.

North Carolina

Schnee-Chaos in den USA

North Carolina: Schnee-Chaos in den USA

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WashingtonTrotz offizieller Warnungen vor einem Mammut-Wintersturm hat es viele Bürger im Süden und Osten der USA eiskalt erwischt: Der Fernsehsender CBS sprach am Donnerstag von elf Toten durch die tückischen Wetterbedingungen, hunderttausende Haushalte waren ohne Strom, die Zahl der gestrichenen Flüge summierte sich auf über 9000. Präsident Barack Obama verhängte über weite Teile von Georgia und South Carolina den Notstand.

„Wenn Sie an einem warmen Fleck und in Sicherheit sind, dann bleiben Sie dort!“, redete der Gouverneur von North Carolina, Pat McCrory, seinen Mitbürgern ins Gewissen. „Wir wollen keine weiteren Todesfälle!“ Vielerorts fielen mehr als 30 Zentimeter Neuschnee, der die Straßen in Rutschbahnen verwandelte. Die Großstädte Raleigh und Charlotte glichen angesichts der vielen liegengebliebenen Fahrzeuge einem einzigen Parkplatz.

Der sonst wärmeverwöhnte Süden kämpfte am meisten mit den rekordverdächtigen Schneemassen. Der Gouverneur des besonders stark betroffenen Bundesstaats Georgia, Nathan Deal, war sichtlich um rechtzeitiges Krisenmanagement bemüht. Schulen und Universitäten wurden geschlossen und Menschen aufgerufen, zu Hause zu bleiben. So blieb das ganz große Verkehrschaos aus, das den Südstaat erst vor zwei Wochen getroffen hatte. Autofahrer hatten stundenlang in ihren Fahrzeugen festgesessen, Tausende Schüler mussten in Schulen übernachten.

„Werden Sie nicht unachtsam. Mehr (Schnee) ist auf dem Weg“, schrieb der Nationale Wetterdienst für Georgia auf Twitter. Wie bei vergangenen Wetterkapriolen verschlimmerte die teils marode Infrastruktur der USA die Lage deutlich. Schon einige Zentimeter des nassen, schweren Schnees genügten, um Äste oder Bäume auf Strommasten stürzen zu lassen und so ganze Straßenzüge von der Stromversorgung abzukoppeln. Einige Häuser und Betriebe waren seit Tagen ohne Strom. Die Menschen stockten ihre Vorräte auf und kauften Generatoren, um auf mögliche Stromausfälle vorbereitet zu sein.

Briefträger des staatlichen Postunternehmens USPS kämpften sich über die zugeschneiten und vereisten Straßen. Wo es sicher sei, versuche die Post alles, um Sendungen rechtzeitig ans Ziel zu bringen, schrieb USPS auf Twitter. Lastwagen rutschten von Fahrbahnen oder kippten um.

Dem Nachrichtensender CNN zufolge waren mehr als 772.000 Haushalte ohne Elektrizität, weil Schnee und Eis die überirdischen Stromleitungen zum Einsturz brachten. Die Kaltfront wirbelte auch den Luftverkehr durcheinander, besonders betroffen waren die Großflughäfen von Atlanta, Philadelphia und Washington. Am Mittwoch fielen nach Angaben der Webseite flightaware.com landesweit mehr als 3700 Flüge aus, am Donnerstag wurden mindestens 5800 Verbindungen gestrichen.

Vor allem in den südlichen Bundesstaaten der USA sind die Bürger kaum auf Schnee und Eis eingestellt. Die Medien überschlugen sich am Donnerstag angesichts der eintreffenden Unwetter-Nachrichten mit immer neuen Superlativen. In Anlehnung an den Katastrophenfilm „Armageddon - Das jüngste Gericht“ wurde der Sturm nun als „Snowmageddon“ bezeichnet.

Über Nacht setzte der Schneefall auch in Washington ein, das am Donnerstag einer Geisterstadt glich. Die Schulen in der Hauptstadt und im benachbarten Bundesstaat Maryland blieben geschlossen, Behörden und viele Firmen gaben ihren Angestellten schneefrei. Auch das politische Leben in Washington erlahmte angesichts der Wetterkapriolen: Mehrere im Senat geplante Anhörungen wurden annulliert, die tägliche Presskonferenz im Weißen Haus fiel aus. Der Regierungssitz erlebte den stärksten Schneefall seit vier Jahren. „Es ist eine Sauerei“, resümierte ein Fernsehreporter.

In New York bremste der Schnee zwar das hektische Leben, diesmal kam die Metropole aber noch einmal davon. Büros und Läden wurden nicht geschlossen und auch der Verkehr lief ohne große Probleme. Deshalb gab es auch kein schulfrei, schließlich mussten die Eltern arbeiten. „Im Gegensatz zu anderen Städten machen wir bei Widrigkeiten nicht gleich zu“, sagte der neue Bürgermeister Bill de Blasio. „Wir schließen die Schulen erst, wenn es gar nicht mehr geht.“

Die Kaltfront sollte an der Küste entlang weiter nach Norden ziehen. Schätzungen zufolge dürften insgesamt 100 Millionen US-Bürger in zwei Dutzend Bundesstaaten bei Schnee und Eis bibbern. Erst in der vergangenen Woche war ein Schneesturm über den Nordosten der USA hinweggezogen, die Bundesstaaten New York und New Jersey hatten den Notstand erklärt.

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