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05.08.2014

13:08 Uhr

100-Millionen-Vergleich

Prozess gegen Formel-1-Boss Ecclestone eingestellt

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zahlt 100 Millionen Dollar. Dafür wird der Prozess wegen Bestechung gegen ihn eingestellt. Für Verteidigung und Staatsanwaltschaft hat das aber nichts mit Freikaufen zu tun.

Korruptionsprozess

Richter lassen Ecclestone warten

Korruptionsprozess: Richter lassen Ecclestone warten

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MünchenDer Bestechungsprozess gegen Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone wird gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Dollar (74,5 Millionen Euro) eingestellt. Das gab der Vorsitzende Richter Peter Noll am Dienstag im Landgericht München bekannt.

Mit Blick auf das hohe Alter des Angeklagten von 83 Jahren, die lange Verfahrensdauer und andere mildernde Umstände sei die Einstellung gerechtfertigt, hatte vorab schon Staatsanwalt Christian Weiß am Dienstag vor dem Landgericht München gesagt.

Ecclestone - Ein Kurzporträt

Der Funktionär

Kein anderer hat die Formel 1 so im Griff gehabt wie Bernie Ecclestone. Fast vier Jahrzehnte lang war der gerade mal 1,58 Meter große Brite derjenige, zu dem alle aufschauten.

Der Unternehmer

Ecclestone hat die Formel 1 zum Milliardengeschäft gemacht. Und er hat dabei selbst bestens mitverdient. Nachdem er schon im Kindesalter seinen Geschäftssinn entdeckt und gepflegt hatte, brachte es Ecclestone vom Gebrauchtwagenhändler zum Milliardär. Laut Forbes gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Seine Jugend

Bernie Ecclestone wurde am 28. Oktober 1930 in Ipswich in England geboren. Nach der Schule arbeitete er bei den Stadtwerken.

Seine Frauen

Ecclestone hat dreimal geheiratet. Von seiner ersten Frau Ivy bekam er die Tochter Deborah, die ihm seinen ersten Enkel schenkte. Mittlerweile ist er sogar Urgroßvater.

Später heiratete Ecclestone das kroatische Modell Slavica Radic. Sie war 28 Jahre jünger und 29 cm größer als Ecclestone.

2012 heiratete Ecclestone schließlich Fabiana Flosi.

Sein Aufstieg

Aufgewachsen ist er im südenglischen Bexleyheath. Ecclestone versuchte sich als Rennfahrer - der Erfolg blieb aus, also stieg er als Team-Mitbesitzer und Fahrerberater in die Formel 1 ein. 1977 kaufte er die Werberechte für die Königsklasse, ein Jahr später die Übertragungsrechte.

Seine Herrschaft

Ecclestones Herrschaft war keineswegs ohne Widerstände. Er leistete sich teilweise haarsträubende verbale Entgleisungen, köderte Teams mit Geld und Sonderbehandlungen und schaltete und waltete mehr oder weniger nach Belieben.

Sein Deal

Nach der Formel-1-Übernahme durch die Investmentgruppe CVC wurde Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt. Der Verkauf der Anteile der BayernLB an die CVC brachte ihm den Vorwurf der Bestechung ein. Das Landgericht München stellte das Verfahren jedoch gegen einen Auflage von 100 Millionen Dollar ein.

Die Verteidiger und Ecclestone sind mit der Einstellung und der Geldauflage einverstanden. Die Richter hatten sich am späten Mittag zur Beratung zurück gezogen. Für die endgültige Einstellung mussten auch sie zustimmen. Ecclestone sicherte zu, das Geld innerhalb von einer Woche zu überweisen „Wären die Mittel in angemessener Zeit flüssig zu machen?“, fragte der Vorsitzende Richter Peter Noll, und Ecclestone antwortete „Yes.“

Grundsätzlich richtet sich die Höhe einer Geldauflage bei der Einstellung des Verfahrens nach der Vermögenslage des Angeklagten. Darum fällt sie bei Ecclestone mit umgerechnet fast 75 Millionen Euro deutlich höher aus als sonst üblich. Milliardär sei Ecclestone aber nicht, sagte der Richter nach Durchsicht der Unterlagen zu seinen Vermögensverhältnissen.

Nach der Einstellung ist der 83-Jährige nun offiziell unschuldig, nicht vorbestraft und könnte weiter an der Spitze der Formel 1 bleiben, die er zu einem Milliardengeschäft aufgebaut hat und bis heute beherrscht. Im Falle einer Verurteilung wäre er seinen Job dort los gewesen.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas hatte am Rande der Verhandlung betont, dass die Einstellung eines Strafprozesses ein ganz normaler Weg der Justiz sei und nichts mit dem Vermögen Ecclestones zu tun habe: „Das ist kein Deal. Das hat mit Freikaufen nichts zu tun.“

Kommentare (21)

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Herr Moritz J. Mueller

05.08.2014, 11:15 Uhr

Um einer Verurteilung wegen Bestechung zu entgehen besticht Herr Ecclestone also den Staat und gibt damit gleichzeitig unumwunden zu dass er korrupt ist und das die Anklage rechtens ist. Gott in was für einer dekadenten Zeit leben wir bloß... Eins sollte jedem klar sein. Bestechung ist kein Kavaliersdelikt sondern ein Kapitalverbrechen, hebelt es doch Gesetze, die auf Integrität und Ethik beruhen, aus und kann damit sogar Massenmord legitimieren. Es ist also schlimmer als ein singulärer Mord.
Platon hatte schon recht als er sagte: “Duldet ein Volk die Untreue und die Fahrlässigkeit von Richter und Ärzten, so ist es dekadent und steht vor der Auflösung”.

Herr Thomas V. Schuischel

05.08.2014, 11:27 Uhr

Um es in die Relation zu bringen: die 100 Millionen USD sind 3% seines Vermögens. Was für eine ungeheure Strafe!

Der Postillion hat dazu eine herrliche Satire heraus gegeben (Link darf man leider nicht schreiben). Es sollte jeder gelesen haben. Herrlich!

Herr Alfred E. Neumann

05.08.2014, 11:45 Uhr

Gerichte, Staatsanwälte und Anwälte schließen heute unglaublich viele Deals ab!
Wenn jemand z. Bsp. fünf mal schwarz mit der Bahn fährt, geht er in den Knast.
In was für einem Drecksdeutschland leben wir eigentlich?

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