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30.03.2012

16:27 Uhr

17-Jähriger offenbar unschuldig

Trauer um Lena und Entsetzen über Lynchaufrufe

Der tatverdächtige, festgenommene 17-Jährige wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Junge war auf Facebook bereits als „Schwein“ und „Unmensch“ beschimpft worden. Die Polizei ist besorgt über aufgeheizte Stimmung.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck äußert sich am Freitag vor dem Polizeirevier in Emden zu den aktuellen Ermittlungen wegen des Mordes an einem elfjährigen Mädchen. Der Tatverdächtige ist entlastet und wieder auf freiem Fuß. dpa

Der Leitende Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck äußert sich am Freitag vor dem Polizeirevier in Emden zu den aktuellen Ermittlungen wegen des Mordes an einem elfjährigen Mädchen. Der Tatverdächtige ist entlastet und wieder auf freiem Fuß.

EmdenDer Schock und das Unbehagen über die Geschehnisse der vergangenen Tage sitzen tief im ostfriesischen Emden - und nicht nur dort. Der Sexualmord an der elfjährigen Lena, die in einem Parkhaus mitten in der Innenstadt missbraucht und getötet wurde, schockiert die Menschen.

Verstört sind viele aber auch angesichts der Hassausbrüche gegen einen 17-jährigen Berufsschüler, der zwischenzeitlich als Verdächtiger galt. Im Internet und sogar bei einem Auflauf wütender Menschen vor einer Emder Polizeiwache wurde sogar zu Lynchjustiz gegen ihn aufgerufen. Seit Freitag ist klar: Der junge Mann ist unschuldig.

Die Polizei jedenfalls reagiert entsetzt auf die aufgeheizte Atmosphäre in der eigentlich so verschlafenen niedersächsischen Stadt. Von „Wild-West-Methoden“, die in einem Rechtsstaat nicht zu tolerieren seien, spricht Bernhard Witthaut, Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er fordert, die Rädelsführer derartiger Aufrufe in sozialen Netzwerken die „volle Härte des Gesetzes spüren zu lassen“. Seine nicht minder entsetzten Emder Kollegen hatten sich tags zuvor ähnlich geäußert.

Die Ereignisse nach der Festnahme des 17-Jährigen zeigen, wie leicht Stimmungen und Gerüchte in Zeiten nahezu verzögerungsloser Vernetzung via Internet und Smartphone ihre ganz reale Dynamik entfalten können. Kaum war der Schüler am Dienstagabend von Polizisten in der Wohnung seines Vaters festgenommen und zu einer Vernehmung gebracht worden, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Noch am selben Abend versammelten sich nach einem Aufruf eines 18-Jährigen in einem sozialen Netzwerk nach Angaben der Polizei 50 wütende Menschen vor der Wache.

Kommentare (5)

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Petra

30.03.2012, 16:39 Uhr

Ein Mörder bleibt immer ein Mörder. Das erkennt man auch an den "beschönigten" Rückfallstatistiken.
In Deutschland steht der Täterschutz über dem Opferschutz. Beispiele hierfür gibt es massenhaft! In Deutschland wird sogar Steuerhinterziehung stärker bestraft als Vergewaltigung oder sogar Tötungsdelikte!

Roland

30.03.2012, 18:28 Uhr

Ist der Leitende Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck noch tragbar? Hier ist wieder ein Beispiel geliefert worden, dass ein unfähiger und profilierungssüchtiger Staatsbediensterter straffrei herauskommt? Wer kommt jetzt für den entstandenen Schaden auf? In Deutschland kann also einem Beamten oder Ermittler nichts passieren, auch nicht wenn die Schuld eindeutig ist? Ist das gerecht? Der Staatsanwalt hat die Familie und das Leben des Jungen ruiniert! Alle an dem Fall beteiligten Dorfpolizisten sollten freiwillig ihre Diestverträge sofort kündigen. Bei den beiden Pressekonferenzen haben die zuständige Dorfpolizisten auch ihre Qualifikation unter Beweis gestellt. Wer ist Schuld daran, dass dann durch die Fehlleistungen der Staatsanwaltschft und durch die Veröffentlichichung der Verhaftung durch die Ermittler pikanterweise in Facebook derartige Entgleisungen stattgefunfen haben? Wenn ich mir in meinem Job derartigen Fehlleistungen leisten würde, so wird mir mein Auftraggeber sofort kündigen. Weitere Beispiele von Korruption, Unfähigkeit, Vertuschung, Beweismanipulation bei den Staatsanwaltschaften? Beweise? Hunderte, aber auch ganz schlimme, beinhaltet sogar Kinderpornographie.Wann werden auch diese Personen zu Rechenschaft gezogen?
Fragen Sie bei dem Ministerium der Justiz nach. Da liegen viele Beweise, aber es passiert nichts.

Roland

30.03.2012, 18:35 Uhr

Hallo Petra,
Sie haben so recht. Wer ist schuld daran? Wenn Sie sich alle Prozesse wegen Vergewaltigung oder Kinderpornographie ansehen, werden Sie dann feststellen, dass immer Richter den Vorsitz gehabt haben.

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