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31.10.2015

18:02 Uhr

224 Tote nach Flugzeugabsturz

„Viele starben angeschnallt in ihren Sitzen“

VonMartin Gehlen

Keiner der 224 Passagiere hat das Flugzeugunglück über der Sinai-Halbinsel überlebt. Der Islamische Staat will die Maschine abgeschossen haben und liefert dafür gar einen vermeintlichen Beweis. Russland reagiert prompt.

Alle Spekulationen zur Unglücksursache seien verfrüht, erklärte Ägyptens Minister für Zivilluftfahrt. ap

Trauer um Unglücksopfer

Alle Spekulationen zur Unglücksursache seien verfrüht, erklärte Ägyptens Minister für Zivilluftfahrt.

KairoDen ägyptischen Rettern bot sich ein Bild des Grauens. „Ich sehe nun die tragische Szene. Zahlreiche Tote liegen auf dem Boden und viele starben angeschnallt in ihren Sitzen“, berichtete ein Offizier per Telefon von der Absturzstelle der Agentur Reuters. „Das Flugzeug ist in zwei Teile zerbrochen, das hintere mit dem Leitwerk brennt, das vordere ist in einen Felsen gerammt.“

Gut zwanzig Minuten nach dem Start im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich war die russische Urlaubsmaschine am Samstagmorgen im Norden des Sinai abgestürzt. Nach Angaben der Rettungstrupps an der bergigen Unglücksstelle überlebte niemand der 224 Passagiere, darunter 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder. Am Nachmittag behauptete der Islamische Staat (IS) im Internet in einem Bekennerschreiben, „die Soldaten des Kalifates“ hätten das Flugzeug über dem Sinai abgeschossen.

224 Tote

Russisches Passagierflugzeug in Ägypten abgestürzt

224 Tote: Russisches Passagierflugzeug in Ägypten abgestürzt

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Parallel dazu tauchte auf Youtube ein mysteriöses Video auf, auf dem – unterlegt von koranischen Gesängen – der Abschuss eines großen Flugzeugs zu sehen ist, was gehüllt in eine schwarze Rauchfahne zu Boden rast. In der Absturzregion tobt seit zwei Jahren ein unerbittlicher Krieg zwischen der ägyptischen Armee und Dschihadisten der „Provinz Sinai“, die sich als eine Filiale des IS verstehen.

Moskau reagierte mit Skepsis auf die IS-Bekennerbotschaft. „Diese Information kann nicht als exakt angesehen werden“, erklärte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow am Samstag laut russischen Nachrichtenagenturen. Moskau sei in engem Kontakt mit den „ägyptischen Kollegen und den Luftfahrtbehörden dieses Landes“. Diese verfügten derzeit über „keinerlei Information“, die „solche Andeutungen“ bestätigten, fügte Sokolow hinzu.

Die russische Nachrichtenagentur Interfax dagegen hatte zuvor berichtet, der Pilot habe der Flugsicherung ein technisches Problem gemeldet und um Erlaubnis gebeten, auf dem nächstliegenden Flughafen notzulanden. Danach sei die Funkverbindung abgebrochen. Nach Informationen der Website FlightRadar 24 verlor die Maschine sehr plötzlich an Geschwindigkeit und stürzte innerhalb von Minuten aus ihrer Reiseflughöhe von 9450 Metern zu Boden. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte über dem Sinai gutes Wetter. Nach Angaben der Behörden in Kairo konnten die beiden Flugschreiber geborgen werden.

Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre

Oktober 2015

Auf der Sinai-Halbinsel stürzt ein russischer Urlauber-Airbus mit 224 Menschen an Bord ab. Niemand überlebt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekennt sich zu einem Anschlag. Am 17. November bestätigt der russische Geheimdienst, dass eine Bombe an Bord war.

März 2015

Eine Germanwings-Maschine zerschellt auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord kommen dabei ums Leben. Der Copilot hatte den Ermittlern zufolge den Autopiloten so manipuliert, dass das Flugzeug vom Typ Airbus A320 abstürzte.

Dezember 2014

Ein Airbus A320 der AirAsia stürzt auf dem Weg von Indonesien nach Singapur in die Javasee vor Borneo. Alle 162 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Juli 2014

Beim Absturz einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine kommen alle 298 Insassen ums Leben. Eine niederländische Untersuchungskommission kommt zu dem Schluss, dass die Boeing 777 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde.

Beim Absturz eines Passagierflugzeugs in Mali sterben alle 116 Menschen an Bord, darunter vier Deutsche. Das Flugzeug vom Typ MD83 war von Ouagadougou (Burkina Faso) nach Algerien unterwegs.

März 2014

Eine Boeing der Fluggesellschaft Malaysia Airlines auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet kurz nach dem Start vom Radar, MH370 wird zu einem der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Bisher wurde nur ein Wrackteil gefunden.

In Russland erklärte Wladimir Putin den Sonntag zum Staatstrauertag und schickte eine Sondermaschine mit eigenen Bergungskräften zur Absturzstelle. Nach Auskunft des Kremls richtete Russlands Präsident einen Krisenstab ein. Er ordnete an, eine eigene Kommission solle den Grund der Katastrophe ermitteln. Nach Informationen der ägyptischen Sicherheitskräfte gibt es entgegen dem IS-Bekennerschreiben bisher keine Indizien für einen Terrorangriff.

Alle Spekulationen zur Unglücksursache seien verfrüht, erklärte Ägyptens Minister für Zivilluftfahrt. Die jüngste Flugzeugkatastrophe in Ägypten ereignete sich 2004, als eine Chartermaschine der einheimischen Gesellschaft Flash Airlines kurz nach dem Start in Scharm el Scheich in das Rote Meer stürzte. Alle 148 Menschen an Bord starben.

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