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24.07.2011

23:42 Uhr

24. Juli 2011

Hochzeitsrekord in New York

VonKira Melzer

So viele Paare wie noch nie haben sich am Sonntag in New York das Jawort geben. Warum ausgerechnet am 24. Juli 2011? Für die Schwulen und Lesben des Staates New York ist dieser Tag der erste Tag, an dem auch sie heiraten dürfen.

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New YorkGehwagen und Halskrause trägt eine der Frauen, die am Sonntagmorgen um 9:00 Uhr vor den Stadtrat Michael McSweeney treten. Phyllis Siegal und Connie Kopelov sind die Ersten an diesem Tag. Die 75-jährige Phyllis und ihre zehn Jahre ältere Partnerin tragen beide Brillen, die schon weißen Haare haben sie kurz geschnitten. Für die Zeremonie haben sie blauen Blusen und weiße Hosen gewählt. Etwas mehr als zwei Minuten dauert die Zeremonie, bevor McSweeney die Worte „Ich erkläre Sie für verheiratet. Sie dürfen ihre Gelöbnisse mit einem Kuss besiegeln.“ spricht. Und dann ist die erste gleichgeschlechtliche Ehe in der Stadt New York geschlossen. Für Phyllis ist es, wie sie sagt, „ein unglaublicher Moment mit ein paar Tränen.“

Die Stadt New York hat damit einen neuen Hochzeitsrekord aufgestellt. An diesem Sonntag haben in den Stadtteilen Manhattan, Brooklyn, Bronx, Queens und Staten Island 823 Paare die Ringe getauscht. Und dass, obwohl der 24. Juli 2011 kein Schnappszahl-Datum wie der 8.8.2008 ist, an dem sich immerhin 610 Paare das Jawort gaben. Und Valentinstag ist auch schon längst verstrichen. Am 14. Februar 2003 gaben sich da immerhin 621 Paare das Eheversprechen – der bisheriger Rekord. Aber viele gleichgeschlechtliche Paare haben auf diesen Termin schon lange gewartet. Es ist der erste Tag, an dem auch sie im Staat New York heiraten dürfen.

Phyllis und Connie haben sich gerade das Ja-Wort gegeben: Der 24.07.2011 ist der erste Tag, an dem auch gleichgeschlechtliche Paare im Staat New York heiraten dürfen. Quelle: Reuters

Phyllis und Connie haben sich gerade das Ja-Wort gegeben: Der 24.07.2011 ist der erste Tag, an dem auch gleichgeschlechtliche Paare im Staat New York heiraten dürfen.

Die Stadt New York verzeichnete nach der Verabschiedung des Gesetzes einen Ansturm von Anfragen für die im Staat New York notwendige marriage license, die Heiratslizenz, ähnlich dem deutschen Aufgebot. In den zwei Wochen vor dem erstmöglichen Heiratstermin gingen nach Angaben des Rathauses der Stadt New York 2661 Anfragen für eine Heiratslizenz ein, darunter 1728 von gleichgeschlechtlichen Paaren.

Eine Lotterie musste her, um das begehrte Papier gerecht unter allen Paaren zu verteilen. Die Stadt sah sich zuerst nur im Stande, 764 Paare zu trauen und hat schließlich noch einmal nachgelegt. In dem Lotterieverfahren hatte sich herausgestellt, dass es doch nicht bei dem befürchteten Ansturm von über 2000 Paaren geblieben ist. Für die 59 weiteren Paare, die heiratswillig waren, hat man dies einfach möglich gemacht. Jedes Paar musste an dem Tag noch von einem Richter die Sonderfreigabe zur Hochzeit bekommen. Das ist ein logistisches Problem, das nur mit freiwilligem Sondereinsatz einiger Richter zu bewältigen ist. Eigentlich müssen nämlich nach Erhalt der Linzenz erst einmal 24 Stunden vergehen, bevor die Ringe getauscht werden können. Auch bemühte man sich, die Heiratswilligen auf andere Stadtteile zu verteilen, sollte da noch ein „Slot“ frei sein.

Marni Halasa und Sarah Zanolli traten den Weg zum Standesamt in Manhattan bestens gelaunt in Kostümierung und Rollerskates an. Quelle: AFP

Marni Halasa und Sarah Zanolli traten den Weg zum Standesamt in Manhattan bestens gelaunt in Kostümierung und Rollerskates an.

Der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo hatte die Gesetzgebung am 24. Juni um 23:55 Uhr unterschrieben, die nun 30 Tage später in Kraft tritt. So kommt man auf das an sich sehr schnöde Datum des 24. Juli 2011. Mit 33 Jastimmen zu 29 Neinstimmen wurde der Entwurf im Senat des Staates New York angenommen. Interessant ist, dass einige Wall-Street-Größen, die zu den großen Spendern der Republikanischen Partei und scharfen Kritikern des demokratischen Präsidenten Obama zählen, den Entwurf des demokratischen Gouverneurs unterstützten. Als Hauptunterstützer werden von der „New York Times“ die Hedgefonds-Manager und -Gründer Paul Singer, Clifford Asness und Daniel Loeb genannt. Singer treiben persönliche Motive an, die Rechte von Schwulen und Lesben zu unterstützen. Sein Sohn hat seinen Freund in Massachusetts geheiratet, wo die gleichgeschlechtliche Ehe schon seit 2004 geschlossen werden kann. Scheint es auf dem ersten Blick ein Widerspruch, Anhänger und Unterstützer der gemeinhin als konservativ bezeichneten Republikaner zu sein und trotzdem die Rechte der Schwulen und Lesben auf Heirat zu unterstützen, so steht dies für Asness und Loeb in geradezu ur-republikanischer Tradition. Die Republikaner machten sich schon immer für eine sehr begrenzte Befugnisse der Staatsgewalt und für große persönliche Freiheiten stark. Streng nach dem Motto: Die Regierung hat im Schlafzimmer nichts zu suchen.

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