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16.01.2005

14:00 Uhr

25-jähriger Iraker legt Geständnis ab

Tatverdächtiger gesteht Mord an Moshammer

Der festgenommene Tatverdächtige im Mordfall Rudolph Moshammer hat gestanden, die Tat ist damit aufgeklärt. Das sagte eine Sprecherin der Münchner Polizei.

Der Mordfall Rudolph Moshammer ist aufgeklärt. Foto: dpa

Der Mordfall Rudolph Moshammer ist aufgeklärt. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Am Samstagabend wurde der 25-Jährige Iraker Herisch A. nach Angaben der Polizei als Tatverdächtiger in seiner Wohnung festgenommen. „Nach mehrstündigen Vernehmungen hat er schließlich vor den Kollegen der Mordkommission ein Geständnis abgelegt“, sagte der Leiter der Sonderkommission Moshammer, Kriminaloberrat Harald Pickert, am Sonntag vor Journalisten. Gegen den Tatverdächtigen ist unterdessen auch ein Haftbefehl ergangen, wie die Polizei am Sonntagabend in München mitteilte.

Motiv seien wohl finanzielle Schwierigkeiten auf Grund von Spielschulden. Am Tatort gefundenes DNA-Material habe die Polizei auf die Spur des Verdächtigen gebracht. Dem Beschuldigten wird nach den Worten von Staatsanwalt Peter Boie Mord aus Habgier und Heimtücke vorgeworfen. „Wir rechnen damit, dass heute Haftbefehl gegen den Beschuldigten ergeht“, sagte Boie. Mit dem Gerichtsverfahren sei noch in diesem Jahr zu rechnen.

Nach Pickerts Worten war der Iraker am Donnerstagabend in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs in den Rolls Royce des Modeschöpfers gestiegen und in dessen Villa im Stadtteil Grünwald gefahren. Für sexuelle Handlungen sei nach Angaben des Irakers ein Betrag von 2000 € ausgemacht worden, die der 64-jährige Moshammer nicht bezahlt habe. Darüber sei es zum Streit gekommen. „In diesem Streit hat der 25-jährige Tatverdächtige Herrn Moshammer ein Kabel um den Hals geschlungen und ihn erdrosselt“, sagte Pickert. Da Moshammers Leiche keine Abwehrkampfspuren aufweise, müsse die Tat blitzschnell begangen worden sein. „Herr Moshammer hatte keine Chance.“

Der Täter ist nach Angaben der Polizei 2001 nach Norddeutschland gekommen und 2002 nach München gezogen, wo er zuletzt als Koch gearbeitet hat. Herisch A., der im Besitz einer gültigen Aufenthaltsberechtigung sei, sei erst vor kurzem aus einem Asylbewerberheim in seine Wohnung gezogen, in der er alleine lebte. Seine Spielsucht und die daraus entstandenen Spiel- sowie Mietschulden seien als Motiv für den Mord zu werten, sagte Pickert. „Über Drogen haben wir noch keine Erkenntnis“, sagte er. Die Vernehmung des Täters soll am Sonntag fortgesetzt werden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Iraker nicht vorbestraft, es seien im vergangenen Jahr aber zwei Verfahren wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und gefährlicher Körperverletzung gegen ihn anhängig gewesen. Im Zuge dieser Ermittlungen habe der Täter freiwillig DNA-Proben abgegeben. Ein Abgleich des am Tatort gefundenen DNA-Materials mit der Datenbank des Landeskriminalamtes habe die Polizei auf seine Spur gebracht. Insgesamt sind bei der Soko Moshammer über 500 Anrufe eingegangen, 200 Spuren seien verfolgt worden.

Rudolph Moshammer, eine der schillerndsten Figuren der Münchner Gesellschaft, war am Freitag von seinem Chauffeur tot in seiner Villa aufgefunden worden. Moshammer, der auch sozial engagiert war, besaß eine Boutique für Luxusmode in der Maximilianstraße im Münchner Zentrum. Er soll nach Angaben der Polizei mehrmals in der Woche aus seinem Fahrzeug heraus Männer angesprochen und mit nach Hause genommen haben. In der Öffentlichkeit erschien Moshammer stets mit seiner kleinen Yorkshire-Hündin Daisy auf dem Arm. „Daisy ist versorgt und befindet sich in der Obhut von Moshammers Fahrer“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger.

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