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14.08.2013

12:15 Uhr

25 Jahre nach der Tat

Gladbeck-Geiselnehmer bleibt in Haft – vorerst

Der Gladbecker Geiselnehmer von 1988, Dieter Degowski, bleibt im Gefängnis. Das hat das Landgericht Arnsberg entschieden. Allerdings soll Degowski nun auf seine Entlassung vorbereitet werden.

Dieter Degowski bei der Geiselnahme vor 25 Jahren in einem gekaperten Bus. Das Landgericht Arnsberg berät über seine vorzeitige Entlassung. dpa

Dieter Degowski bei der Geiselnahme vor 25 Jahren in einem gekaperten Bus. Das Landgericht Arnsberg berät über seine vorzeitige Entlassung.

ArnsbergFür den Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski steht nach den Worten seiner Rechtsanwältin Lisa Grüter keine kurzfristige Haftentlassung an. Wie die Anwältin am Mittwoch nach einem 45-minütigen Anhörungstermin sagte, habe die zuständige Kammer des Landgerichts Arnsberg aber immerhin deutlich gemacht, „dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss. Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren.“

Das Gericht hatte in der Justizvollzugsanstalt Werl geprüft, ob Degowski nach 25 Jahren Haft zur Bewährung entlassen werden kann. Die Kammer sprach dabei auch mit einem psychiatrischen Gutachter. Degowski sei nach dem Haftprüfungstermin „froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat“, sagte Anwältin Grüter. Seine Mindesthaftzeit hat er inzwischen verbüßt.

Spektakuläre Geiselnahmen

17. November 2000

Während einer ärztlichen Untersuchung wegen einer schweren Kopfverletzung nimmt ein 36-jähriger Untersuchungshäftling in Frankenthal in der Pfalz eine in der Praxis versteckte Waffe an sich und flüchtet in ein Mehrfamilienhaus in der Nachbarschaft. Dort bringt er eine Frau und ihr Kind in seine Gewalt. Erst nach rund zwölf Stunden gibt der Täter auf.

12. Januar 2001

Ein Bankräuber bringt in Borken bei Kassel vier Menschen in seine Gewalt. Zwei lässt er am frühen Abend frei. Der 40-jährige Iraker gibt Stunden später auf.

16. August 2001

Ein 28-jähriger Staatenloser lauert gegen Mitternacht zwei jungen Frauen nach einem Disco-Besuch im belgischen Hasselt auf und zwingt die Frauen zu einer Irrfahrt durch Belgien, die Niederlande und Deutschland. Unterwegs vergewaltigt er eines seiner Opfer mehrfach. Erst in Aachen gelingt der jüngeren Geisel die Flucht. In einem Wald nahe der Autobahnausfahrt Kerpen-Buir wird er von der Polizei gestellt.

28. Dezember 2001

Ein angetrunkener 31-Jähriger bringt in Nürnberg eine U-Bahn mit 25 Fahrgästen in seine Gewalt. An einer Haltestelle lässt der Täter die Fahrgäste frei und versucht über die Gleise zu flüchten, wird aber in einem U-Bahn-Tunnel gefasst.

13. Februar 2002

Ein mit Messern bewaffneter 17-Jähriger hat 13 ehemalige Mitschüler einer Hauptschule im Jüchener Ortsteil Hochneukirch fast vier Stunden in seiner Gewalt. Ein Sondereinsatzkommando beendet die Geiselnahme unblutig.

2. April 2002

Nach einem Banküberfall in der Sparkasse Wrestedt im Landkreis Uelzen in Niedersachsen nehmen drei bewaffnete Täter zwei weibliche Sparkassen-Angestellte als Geiseln und geben erst nach einer 22-stündigen Irrfahrt über Polen bis in die Ukraine nach rund 1.600 Kilometern auf. Die drei Männer werden im August 2002 vom Landgericht Lüneburg zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

11. April 2003

Ein Geiselnehmer bringt einen Linienbus nach einem Banküberfall im Stadtteil Berlin-Schöneberg in seine Gewalt. Ein zweiter Bankräuber konnte zunächst entkommen. Von ursprünglich 20 Geiseln werden im Verlauf einer mehrstündigen Irrfahrt durch die Stadt alle bis auf zwei freigelassen. Nach viereinhalbstündiger Geiselnahme stürmt ein Sondereinsatzkommando den entführten Bus, befreit die letzten beiden Geiseln unverletzt und nimmt den 46-jährigen Entführer fest.

25. April 2003

Ein bewaffneter Geiselnehmer entführt in Bremen einen Linienbus mit rund 15 Insassen. Nach sieben Stunden lässt der 17-Jährige seine letzten Geiseln frei und wird von Polizisten überwältigt.

23. Mai 2004

Ein psychisch kranker 37-jähriger Mann nimmt ein 13-jähriges Mädchen in den Niederlande als Geisel. Nach 40 Stunden wird das Mädchen von der deutschen Polizei in Greven in der Nähe von Münster befreit.

2. Juli 2008

Ein Strafgefangener einer Einrichtung des offenen Strafvollzuges in Marl bedroht eine Frau mit einem Messer, um seine Verlegung in den geschlossenen Strafvollzug abzuwenden. Die Polizei überwältigt den Mann und nimmt ihn fest. Die als Geisel genommene Frau bleibt unversehrt.

Ende November 2009

Die Strafgefangenen Michael Heckhoff und Paul Michalski fliehen aus der JVA Aachen. Auf ihrer Flucht nehmen sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln. Heckhoff wird am vierten Tag der Flucht in Mülheim an der Ruhr gefasst, sein Komplize Michalski zwei Tage später auf einem Fahrrad in Schermbeck am Niederrhein. Im Prozess wird den beiden Schwerverbrechern Menschenraub, Erpressung und Geiselnahme zur Last gelegt. Der mitangeklagte JVA-Bedienstete muss sich unter anderem wegen Gefangenenbefreiung und Bestechlichkeit verantworten. Die beiden Gefängnisausbrecher werden zu hohen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

15. Juni 2010

Ein Mann dringt mit einer scharfen Waffe in eine H&M-Filiale in der Leipziger Innenstadt ein und nimmt 19 Kunden als Geiseln. Bei der Geiselnahme wird niemand verletzt. Der Täter gibt nach dreieinhalb Stunden widerstandslos auf.

21. Februar 2011

Ein aus den Niederlanden stammender Mann hat in einer Aachener Bank wegen eines Kredites ein Vorgespräch und wird dabei von einer Psychologin begleitet. Weil die Beratung nicht so läuft wie gewünscht, greift er einen Kugelschreiber und droht damit, seine Begleiterin „abzustechen“. Anschließend fordert er eine Geldsumme von mehr als 200.000 Euro. Für etwa eine Stunde hält der Mann vier Personen in seiner Gewalt.

29. März 2011

Ein 30-Jähriger Mann verschanzt sich in seiner Wohnung in Bad Langensalza und hält seinen vierjährigen Sohn als Geisel. Zuvor bedrohte der Mann die Angestellte eines Supermarkts mit einer Pistole und flüchtete zu sich nach Hause. Der Junge konnte acht Stunden nach der Geiselnahme befreit werden. Der Mann wurde festgenommen.

31. Mai 2011

Bei einer Kontrolle schießt ein Mann unvermittelt auf Polizisten in Düsseldorf. Anschließend nimmt er eine 22-jährige Passantin als Geisel und schießt ihr in den Hinterkopf. Die Frau überlebte. Die Beamten verhaften den Mann.

20. August 2011

Ein schwer bewaffneter 30-Jähriger nimmt in Hamburg-Barmbek eine vier Jahre jüngere Frau als Geisel. Offenbar sollte sie in seiner Wohnung über einen längeren Zeitraum gefangen gehalten werden. Dem Opfer gelang aber die Flucht. Der 30-Jährige hatte zuvor seine Wohnung für die Geiselnahme präpariert. Unter anderem war sie mit Stacheldraht gesichert.

30. April 2012

Ein Familienvater nimmt seinen dreieinhalbjährigen Sohn als Geisel und droht, das Kind zu töten, falls seine Frau nicht nach Hause zurückkehre. Die Polizei befreit das Kind nach drei Stunden und nimmt den Vater fest.

Der Termin fand kurz vor dem 25. Jahrestag des Gladbecker Geiseldramas statt, bei dem Degowski vom 16. bis 18. August 1988 zusammen mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner durch Deutschland und die Niederlande floh. Sie erschossen zwei Geiseln, ein Polzist verunglückte tödlich. Mehrere Menschen wurden verletzt. Das Verbrechen wirkt auch wegen des umstrittenen Verhaltens von Medien bis heute nach. Angehörige der Opfer haben sich gegen eine Freilassung Degowskis ausgesprochen.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Zeitfrage_italienisch

14.08.2013, 12:59 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Skipper

14.08.2013, 13:05 Uhr

Dieser Mann hat den Angehörigen der Opfer erhebliches Leid
bis heute zugefügt. Deshalb ist Gnade unangebracht. Wer
garantiert die Sicherheit der Bürger nach einer Entlassung.
Der "weltfremde Psychiater" bestimmt nicht!

Walter_Kessler

14.08.2013, 13:11 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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