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30.07.2012

16:31 Uhr

300 Millionen von Versorgung abgeschnitten

Schlimmster Stromausfall in Indien seit elf Jahren

Weil Städte im Norden Indiens mehr Strom abriefen als ihnen zugeteilt war, erlebte das Land am Morgen den schlimmsten Blackout seit Jahren. Züge fielen aus, der Verkehr und die Wasserversorgung brachen zusammen.

Passagiere in einem Zug warten am Vormittag darauf, dass die Stromversorgung wieder hergestellt wird, damit sie den Bahnhof in der nordindischen Stadt Allahabad verlassen können. Reuters

Passagiere in einem Zug warten am Vormittag darauf, dass die Stromversorgung wieder hergestellt wird, damit sie den Bahnhof in der nordindischen Stadt Allahabad verlassen können.

Neu DelhiBei einem der größten Stromausfälle seit mehr als zehn Jahren haben in Indien mehrere hundert Millionen Menschen im Dunkeln gesessen. In der Hauptstadt Neu Delhi sowie in sechs Bundesstaaten standen am Montag die Züge still, Krankenhäuser und Geschäfte mussten ihre Notfallgeneratoren anwerfen. Pendler in der Hauptstadt warteten an den Bahnsteigen, weil die U-Bahn am Morgen zeitweise still stand. Ampeln fielen aus und verursachten ein Verkehrschaos. Auch die Wasserversorgung wurde in einigen Regionen unterbrochen. Schätzungen zufolge waren 336 Millionen Menschen betroffen - das sind mehr als in den gesamten USA (314 Millionen) oder in den Euro-Ländern (333 Millionen) leben.

Grund für den Blackout könnte eine Überlastung des Netzes im Norden gewesen sein, sagte Energieminister Sushil Kumar Shinde. Es handle sich um einen der schwersten Stromausfälle seit 2001. Er kündigte eine Untersuchung an. In Indien leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen.

„Was für ein chaotischer Wochenanfang“, sagte Aarti Malhotra, die im Hauptstadt-Vorort Gurgaon arbeitet. „Erst gab es kein Wasser zum Duschen, dann steckten wir im Stau fest und nun ist auch noch die Metro verspätet“, fügte sie hinzu. „Unsere Familie konnte die ganze Nacht nicht schlafen, weil die Ventilatoren nicht funktioniert haben.“ Der Stromverbrauch in Indien schießt stets während der heißen und schwülen Sommermonate in die Höhe. Zu Stromausfällen kommt es immer wieder, doch ein Ausmaß wie diesmal ist sehr selten.

Der massive Stromausfall macht die Energiekrise im schnell wachsenden Indien deutlich. Die genutzten Mengen an Kohle, Öl und Gas reichen nicht aus, um den Strombedarf im Land zu decken. Mithilfe von Solar- und Atomstrom will Indien die Energieproduktion steigern. Der geringe Monsunregen in diesem Jahr hat die Energiekrise weiter verschärft. Die Stromproduktion in Wasserkraftwerken ist angesichts nur mäßig gefüllter Stauseen im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent eingebrochen, wie indischen Medien berichteten.

Neben der Hauptstadt Neu Delhi waren am Montag auch die Bundesstaaten Punjab, Haryana, Himachal Pradesh, Uttar Pradesh, Rajasthan, Jammu und Kaschmir vom Stromausfall betroffen. Wegen langanhaltender Ausfälle haben in diesem Jahr bereits Menschen in Gurgaon und Uttar Pradesh mehrfach protestiert.

Bis zum Nachmittag konnte die Versorgung zu rund 85 Prozent wieder hergestellt werden. Die Ausfälle hatten in der Nacht begonnen. Zehntausende Passagiere mussten auf verspätete Züge warten, Hunderte Güterzüge fielen aus. Der internationale Flughafen von Neu Delhi lief über seine Notstromversorgung weiter.

Indien erleidet immer wieder massive Stromausfälle. Am 8. Januar 1989 waren Neu Delhi und weite Teile Nordindiens von einem totalen, mehrstündigen Stromausfall getroffen. Am 26. Mai 1987 wurde die westindische Hafenstadt Mumbai nach dem Ausfall eines Kraftwerks in völlige Finsternis getaucht. Auf den überfüllten Straßen brach das totale Chaos aus, als auf einen Schlag alle Verkehrsampeln erloschen..

Von

dpa

Kommentare (1)

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vandale

30.07.2012, 15:36 Uhr

In China baut man seit Jahren eine Vielzahl neuer Kohlekraftwerke im Wochentakt. Hinzu kommen ein paar Kernkraftwerke. Die Infrastruktur wächst mit der Wirtschaft mit.

Die indischen Planungen sind ähnlich ambitioniert mit einigen 100.000MW Kohle und Kernkraftkapazitäten. Allerdings ist das indische System ist weniger Kommandowirtschaft denn China. Infrastrukturprojekte werden immer wieder aus unverständlichen Gründen verzögert. So wurde die Inbetriebnahme umweltfreundlicher russischer Kernkraftwerke um mehrere Monate verzögert. Die russischen Fachleute lagen am Strand und sonnten sich. Gleiches wurde hinsichtlich der Erschliessung neuer Kohlevorkommen berichtet. Das hat dann zur Konsequenz das man hochwertigere und teurere Kohle aus Australien importiert.

Vandale

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