Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2014

08:45 Uhr

425 Jahre Hofbräuhaus

Vom Münchner Platzl bis Las Vegas

Seit rund 200 Jahren strömen die Menschen zum Oktoberfest. Doch das ist noch gar nichts: Das Hofbräuhaus, ein weiteres Wahrzeichen der bayerischen Bierkultur, wird dieser Tage mehr als doppelt so alt.

Seit 62 Jahren Stammgast im Hofbräuhaus: Andre Bandel. dpa

Seit 62 Jahren Stammgast im Hofbräuhaus: Andre Bandel.

MünchenAndre Bandel kommt seit 62 Jahren ins Münchner Hofbräuhaus. Jede Woche. „Ich sitze immer am gleichen Tisch“, sagt der 82-Jährige. Mit seiner traditionellen Tracht und dem weißen Vollbart fällt Bandel in dem großen Gastraum sofort auf. „Im Hofbräuhaus lernt man die ganze Welt kennen“, erklärt er seine Liebe zu Münchens berühmtestem Wirtshaus, das in diesen Tagen seinen 425. Geburtstag feiert. Vor Bandel steht eine dampfende Schüssel Leberknödelsuppe und natürlich eine Maß Bier im Steinkrug.

Bandel ist einer von 616 Stammgästen, die das Bier aus dem eigenen Maßkrug trinken. Gleich links neben dem Eingang steht der Maßkrugtresor. Hinter Vorhängeschlössern lagern in diesem Regal wahre Schätze - manche Krüge sind älter als 100 Jahre.

„Ein Platz für den eigenen Maßkrug ist für viele schöner als ein Lotto-Gewinn“, sagt Hofbräuhaus-Sprecher Stefan Hempl. Bei 3500 Stammgästen ist die Warteliste lang. Der Platz im Regal kostet vier Euro Pacht im Jahr, die persönlich und in bar bei den Wirtsbrüdern zu entrichten ist.

Oktoberfest in München von A bis Z (1)

A wie Anstich

Um Punkt 12.00 Uhr sticht der Münchner Oberbürgermeister am ersten Wiesn-Samstag in der Anzapfboxe im Schottenhamel-Zelt das erste Fass an und ruft: „Ozapft is!“ 2014 musste die Boxe umgebaut werden. Nachdem mit Christian Ude mehr als 20 Jahre lang ein Linkshänder das Fass anstach, folgt ihm mit Dieter Reiter ein Rechtshänder.

B wie Bier und Brezn

Sie bilden so etwas wie die Corporate Identity des Oktoberfestes. Kein Wiesn-Plakat kommt ohne Bilder von Brezn und Bierkrügen aus. 2014 war das Bier so teuer wie noch nie, die Maß knackte erstmals die 10-Euro-Grenze. 2016 zahlt man schon zwischen 10,40 Euro und 10,70 Euro.

C wie Campingplatz

Der zweite Hotspot neben der Theresienwiese ist ein Campingplatz in Thalkirchen, ein wenig außerhalb der Innenstadt. Da nisten sich vorzugsweise australische Touristen ein, um von dort aus Tag für Tag auf die Wiesn zu pilgern.

D wie Dirndl-Dekolleté

Holz vor der Hüttn kann im Dirndl nicht schaden. Wer den Blick ins Dekolleté wagen will, sollte aber vielleicht vorher kurz auf die Dirndl-Schürze schauen. Hat die Dame den Knoten von ihr aus betrachtet links gebunden, gibt es noch Chancen. Ist er rechts, ist sie vergeben.

E wie Endlose Warterei

Wer im Bierzelt feiern will und keine Reservierung hat, braucht Geduld und starke Nerven. Vor allem junge Leute stehen schon Stunden, bevor die Zelte öffnen, an den Eingängen an, um einen Platz zu ergattern.

F wie Flirten

Das Flirten gehört zur Wiesn wie Brezn, Bier und Blasmusik. Schließlich bringen Dirndl und Lederhose oft – zumindest optisch – das Beste im Menschen zum Vorschein.

G wie Gspusi

Klappt es mit dem Flirten, ergibt sich daraus vielleicht ein Gspusi, ein kleines Techtelmechtel.

H wie Hügel

Im Winter fahren Kinder mit dem Schlitten hinunter, zur Wiesn-Zeit geht es auf dem Hügel hinter den Bierzelten alles andere als jugendfrei zu. Paare, die frisch zusammengefunden haben, kommen sich dort näher, Wiesngäste erleichtern ihre Blase – oder schlafen ihren Rausch aus. Spätestens in Woche zwei ist der Geruch in Hügel-Nähe kaum noch zu ertragen.

I wie Italiener-Wochenende

Das mittlere Wiesn-Wochenende gilt traditionell als besucherstärkstes Wochenende – und vor allem zehntausende italienische Gäste tragen ihren Teil dazu bei.

Ihr Bier bezahlen viele Stammgäste dagegen nicht in bar, sondern mit Bierzeichen, extra angefertigten kleinen Münzen. Wer als Stammgast zehn Münzen kauft, bekommt eine als Treuebonus obendrauf. Auf diese Weise bezahlten die Gäste schon in den Anfangsjahren des herzoglichen Brauhauses.

Der bayerische Herzog Wilhelm V. gründete sein eigenes Brauhaus 1589, um Geld zu sparen. Bis dahin war das Bier für den Hofstaat aus dem niedersächsischen Einbeck importiert worden. „Das war unglaublich teuer und das eigene Brauhaus deshalb eine Maßnahme, den Staatsbankrott abzuwenden“, erklärt Hempl.

Schnell weckte das herzogliche Bier auch außerhalb Bayerns Begehrlichkeiten. Als die Schweden im 30-jährigen Krieg München belagerten, ließen sie sich nicht nur mit Geld, sondern auch mit 362 Eimern Bockbier besänftigen. Erneut nützlich war das Bier für die Stadt rund 200 Jahre später beim Brand des Münchner Opernhauses.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×