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30.10.2014

13:59 Uhr

58-jähriger Fernfahrer schuldig

Revision nach Urteil für Frustschüsse auf Autobahn

Ein Fernfahrer aus der Eifel ist vom Landgericht Würzburg zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte aus Frust während der Fahrt auf die Ladung von Kollegen geschossen. Die Verteidiger wollen Revision.

Der Angeklagte hatte die Schüsse zugegeben und beteuert, er habe nie jemanden verletzen wollen. dpa

Der Angeklagte hatte die Schüsse zugegeben und beteuert, er habe nie jemanden verletzen wollen.

WürzburgDie jahrelange Serie von Schüssen auf Autobahnen wird auch den Bundesgerichtshof beschäftigen. Die Verteidiger des am Donnerstag verurteilten sogenannten Autobahnschützen wollen Revision einlegen. Das kündigten sie an, nachdem ihr Mandant vom Landgericht Würzburg zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Das Landgericht Würzburg sprach den 58 Jahre alten Fernfahrer am Donnerstag schuldig wegen vierfachen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Eine der Fragen bei der Revision werde sein, ob die Erfassung der Autokennzeichen auf einer rechtlichen Grundlage gefußt habe, sagte Verteidiger Franz-Josef Krichel.
Mehr als vier Jahre lang hatten die Ermittler bei der Suche nach dem Autobahnschützen keinen Erfolg. Erst durch den Abgleich von massenhaft erfassten Kennzeichen an sieben Autobahnabschnitten mit den Tatzeiten und -orten kamen sie dem Serientäter auf die Spur.

Der Fall des Autobahnschützen

Juli 2008

Der erste Beschuss eines Autotransporters wird festgestellt, bis Ende des Jahres werden neun Fälle bekannt.

Anfang 2009

Die Fallzahlen steigen deutlich.

August 2009

Das Bundeskriminalamt richtet die „AG Transporter“ ein, um die Polizeiarbeit zu koordinieren. Bislang sind 127 Fälle bekannt.

10. November 2009

Auf der Autobahn 3 bei Würzburg schlägt eine Kugel durch die Fahrerscheibe des Autos einer Geschäftsfrau. Die 40-Jährige wird von Projektilsplittern in den Hals getroffen und lebensgefährlich verletzt. Bundesweit sind schon 248 Fälle bekannt.

1. Februar 2010

Als zwei Männer mit ihrem Kleintransporter einen Autotransporter überholen wollen, trifft ein Schuss die Scheibe der Fahrertür. Das Projektil tritt durch das Beifahrerfenster wieder aus. Die Insassen erleiden Schnittverletzungen vom splitternden Glas.

Juli 2011

Die Ermittler lassen an Tankstellen und Raststätten entlang der betroffenen Routen Fahndungsplakate anbringen und loben eine Belohnung von 27.000 Euro aus.

Juni 2012

Der Täter verwendet erstmals statt einer Kleinkaliberwaffe eine Pistole des gefährlicheren Kalibers neun Millimeter.

Oktober 2012

Das BKA richtet die Sonderkommission „Transporter“ ein. Dort ermitteln unter Federführung der Bundesbehörde Polizisten aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

20. November 2012

Mittlerweile sind mehr als 700 Fälle bekannt. BKA-Präsident Jörg Ziercke warnt in einer Pressekonferenz: „Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert!“ Die Belohnung wird auf 100.000 Euro erhöht.

3. Dezember 2012

Die Ermittler beginnen, an sieben Autobahnabschnitten automatisch Kennzeichen zu erfassen und diese auszuwerten, wenn in der fraglichen Zeit Schüsse fallen.

April 2013

Bei einer Serie von Schüssen ist klar, dass der Lastwagen des Täters binnen 18 Minuten eine Kamera passiert haben muss. Das führt die Beamten auf die Spur eines Fernfahrers aus der Eifel.

23. Juni 2013

Polizisten nehmen den Tatverdächtigen in der Eifel fest. Die Fahnder finden in einer Hecke zwei Waffen sowie mehrere 100 Schuss Munition. Der Mann gibt die Schüsse zu.

11. August 2014

Unter großem öffentlichen Interesse beginnt am Landgericht Würzburg der Prozess gegen den 58-Jährigen. Ihm werden insgesamt 171 Fälle zur Last gelegt.

20. Oktober 2014

Die Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft für den Autobahnschützen. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch sie hält die massenhafte Erfassung von Autokennzeichnung für gesetzeswidrig.

30. Oktober 2014

Die Strafkammer verurteilt den 58-Jährigen wegen vierfachen versuchten Mordes zu zehneinhalb Jahren Haft.

Der Mann hatte aus Frust zwischen 2008 und 2013 mehr als 700 Mal während der Fahrt auf die Ladung von Kollegen geschossen. Dabei trafen seine Kugeln auch Autos. In einem Fall war eine Autofahrerin von einem Querschläger am Hals schwer verletzt worden. Der Angeklagte hatte die Schüsse zugegeben und beteuert, er habe immer nur auf die Anhänger geschossen und nie jemanden verletzen wollen.

Von

dpa

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