Handelsblatt

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06.05.2016

10:15 Uhr

Mein Handelsblatt (1)

Papier für Fische und Körbchen für Russen

VonRainer Nahrendorf

Die Marktwirtschaft zu fördern, war schon immer ein besonderes Anliegen des Handelsblatts. Mal gelang dies ungewollt, mal wunderte sich die Redaktion nur noch. Drei Anekdoten aus den Jahren 1946 und 1989 zum Geburtstag.

Als das Handelsblatt im Mai 1946 zunächst einmal wöchentlich mit acht Seiten erschien, war die Auflage auf 10.000 beschränkt.

Erste Ausgabe 16. Mai 1946

Als das Handelsblatt im Mai 1946 zunächst einmal wöchentlich mit acht Seiten erschien, war die Auflage auf 10.000 beschränkt.

„Ich habe mir die Zeitungen vom vorigen Jahr binden lassen. Es ist unglaublich, was für eine Lektüre dieses ist: 50 Teile falsche Hoffnungen, 47 Prozent falsche Prophezeiungen und drei Teile Wahrheit“, hatte der im 18. Jahrhundert lebende Professor für Naturwissenschaften Georg Christoph Lichtenberg gestöhnt.

Als das Handelsblatt im Mai 1946 zunächst einmal wöchentlich mit acht Seiten erschien, war die Auflage auf 10.000 beschränkt. Auch Anzeigen waren verboten. Es war heiß begehrt. Der Informationshunger war groß. Die Suche nach Orientierung noch größer.

16. Mai 1946: Die Themen des ersten „Handelsblatt“

Verwaltung

Im April hat die britische Militärverwaltung ein Zentralamt für Wirtschaft für ihre Zone eingerichtet. Allerdings seien „der Inhalt der Aufgaben und der Umfang der Befugnisse“ des Amtes mit Sitz in Minden noch „im Fluss“.

Mannesmann

Die ersten Werke des Mannesmann-Konzerns in Düsseldorf, Remscheid, Gelsenkirchen und Witten haben ihre Röhrenproduktion wieder aufgenommen. Verloren sind dagegen die Fabriken in Komotau in der „Tschecho-Slowakei“ und Schönbrunn.

Leipziger Messe

Trotz der laufenden Demontagen in der Sowjetischen Besatzungszone haben sich Unternehmer auf der ersten Leipziger Industrie-Messe zuversichtlich gezeigt. Von 2746 Ausstellern kamen allerdings nur 204 aus den Westzonen. 172.000 Besucher zählt die Messe.

Binnenschifffahrt

Bis zum 31. März sind aus dem Rhein 930 Wracks aller Art geborgen worden. Ein Teil von ihnen fiel im Krieg Bomben- oder Artillerietreffern zum Opfer.

Weltbank/IWF

Der britische Schatzkanzler Hugh Dalton ist neuer Gouverneur von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Er löst John Maynard Keynes ab.

Zulassung

Am Anfang steht eine einzige Seite Papier. „Military Government- Germany“ steht oben, „Zulassung Nr. 42“ darunter. Drei Paragrafen regeln alles Nötige für „die Herausgabe der Zeitschrift genannt ,Handelsblatt'“ - vor allem, dass sie sich alliierter Zensur zu unterwerfen hat.

Wohlverhalten

Vom Wohlverhalten der Redaktion hängt nicht zuletzt ab, ob ihr die Militärregierung die wöchentliche Papierlieferung genehmigt.

Doch das allein machte das Blatt noch nicht zu einem „Must have“. Es wurde nicht nur wegen seines Inhaltes hoch geschätzt, sondern auch wegen des Papiers. Die Papierknappheit war groß. Deshalb rissen sich die Marktfrauen um das Blatt – als Packmaterial für Fische und anderes.

Diese besondere Form der Marktwirtschaft zu fördern, war jedoch nicht die Maxime, der sich die Redaktion in den zurückliegenden 70 Jahren verpflichtet fühlte. Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war dies eine neue Stunde Null für das Handelsblatt. Der Vertrieb hatte zwar etwa 400 Exemplare Tag für Tag in die DDR geliefert, kannte aber die Abonnenten nicht. Sie waren geheim.

Das Blatt war aber dennoch weit verbreitet, zumindest die Artikel waren es, die die DDR-Auswerter Behörden und Betrieben zusandten. Handelsblatt-Vertriebschef Kirchner wusste sich zu helfen: Alle Betriebe, deren Anschrift den Messekatalogen zu entnehmen waren, wurden mit der Zeitung beliefert.

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