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09.05.2016

17:15 Uhr

Mein Handelsblatt (5)

Out of the Blue

VonTorsten Riecke

Kurz vor neun steigt Torsten Riecke aus der Subway. Plötzlich kommen ihm schreiende Passanten entgegen. Er blickt hoch: Im Nordturm des World Trade Centers klafft ein  Loch. Es ist der 11. September 2001.

Die brennenden Zwillingstürme in New York – ein Bild, das um die Welt ging. Reuters

World Trade Center am 11. September 2001

Die brennenden Zwillingstürme in New York – ein Bild, das um die Welt ging.

BerlinWenn Menschen hören, dass ich einen großen Teil meiner journalistischen Karriere als Handelsblatt-Korrespondent in New York verbracht habe, kommt oft die Frage: „Wo waren Sie denn am 11. September?“ Ich zögere kurz, die Zeitreise anzutreten, antworte aber meistens dann doch: „Ich stand genau davor, als die Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers rasten.“ Damit beginnt meine Geschichte, die für mich persönlich viel mehr ist als eine journalistische Story.

Der Dienstagmorgen ist ein typischer Septembertag für New York: eine leichte Kühle bei strahlend blauem Himmel. Ich mache mich von unserem Haus in Rye, in das wir erst wenige Monate zuvor aus Deutschland kommend eingezogen waren und das etwa 20 Meilen nördlich von Manhattan liegt, auf den Weg zum Marriott Hotel im World Trade Center (WTC) an der Südspitze Manhattans. Dort soll um 9 Uhr eine Konferenz amerikanischer Ökonomen beginnen, über deren Konjunkturaussichten will ich einen Bericht schreiben. Dass aus dem Konjunkturberichterstatter bald ein Kriegsreporter werden wird, ahne ich da noch nicht. Die berühmten Zwillingstürme liegen nur einen Steinwurf vom Handelsblatt-Büro im 14. Stock des Dow Jones Building direkt am Hudson River entfernt.

Als ich um kurz vor neun die abgetretenen Stufen aus der Subway-Station Fulton Street zurück ans Tageslicht steige, kommen mir plötzlich schreiende Passanten entgegen. Ich blicke nach oben, im Nordturm des World Trade Centers klafft ein schwarzes Loch, aus dem dunkler Rauch aufsteigt. „Ein Flugzeug ist in den Turm gerast“, schreit eine ältere Frau und stürzt die Treppe hinunter. Ich denke sofort an einen Unfall: Vermutlich ist ein Sportpilot vom Kurs abgekommen.

Der 11. September und die Folgen

Der Tag der die Welt veränderte

Am 11. September 2001 griffen 19 islamistische Terroristen wichtige Symbole amerikanischer Macht an und töteten rund 3000 Menschen. Die Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Centers gingen um die Welt und lösten Entsetzen aus.

Der Fall des World Trade Centers

Am Morgen des 11. September 2001 kaperten die Terroristen vier zivile US-Boeings mit insgesamt 265 Menschen an Bord. Ein Flugzeug raste in den Nordturm des World Trade Centers in New York und setzte ihn in Brand, kurze Zeit später krachte die zweite Maschine in den Südturm.

Angriff auf das Pentagon

Das dritte Flugzeug zerschellte 34 Minuten später im Westteil des Pentagon in Washington. Offenbar nach einem Kampf im Cockpit stürzte kurz darauf bei Pittsburgh (Pennsylvania) die vierte Maschine auf freiem Feld ab.

Tausende Unschuldige ließen ihr Leben

Unter dem eingestürzten World Trade Center wurden mehr als 2750 Unschuldige begraben. Auch die zehn Entführer starben. In Washington gab es rund 190 Tote, darunter fünf Entführer. In Pennsylvania starben alle 44 Flugzeuginsassen, darunter die vier Entführer.

Der Krieg gegen den Terror

Die Vereinigten Staaten reagierten auf den Terror mit einem Militärschlag gegen Afghanistan, wo sie den mutmaßlichen Drahtzieher, Osama bin Laden, vermuteten. Mit Unterstützung Großbritanniens stürzten sie Ende 2001 das Taliban-Regime.

Internationaler Einsatz am Hindukusch

Danach beschloss der UN-Sicherheitsrat eine internationale Schutztruppe für Afghanistan. Seitdem sind zehntausende Soldaten aus mehr als 40 Ländern am Hindukusch.

Aus dem immer noch blauen Himmel „regnet“ es Asche, Papier und Glassplitter vom 417 Meter hohen Nordturm. Ich laufe über die Church Street nach Süden in Richtung Liberty Street. Dort versperrt mir jedoch ein brennendes Auto vor einer Feuerwache den Weg in die New Yorker Redaktion, also suche ich Unterschlupf in einer Pizzeria. Es herrscht bereits helle Aufregung. An einem Holztisch sitzt eine weinende Frau, an ihrem Hals hängt ein Hausausweis mit der Aufschrift WTC. Jane ist ihr Name, sie stammt aus New York und war auf dem Weg zur Arbeit: „Ich habe so viele Kollegen da oben“, sagt sie mit schluchzender Stimme.

Ich mache mir Notizen über das, was vor meinen Augen geschieht – verwirrt, noch ohne konkrete Absicht, mehr wie ein Reflex. Kurz nach neun rast ein Passagierflugzeug mit dröhnendem Lärm über unsere Köpfe hinweg direkt in den Südturm. Das Gebäude steht nur rund 20 Meter entfernt, die Erde bebt beim Einschlag und ein großer Feuerball steigt in den vom schwarzen Rauch vernebelten Himmel auf.

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