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11.05.2016

17:12 Uhr

Mein Handelsblatt (7)

Die dementierte Fusion

VonDieter Fockenbrock

Die Mischkonzerne Veba und Viag bestritten Ende der 1990er Jahre hartnäckig Berichte über die Fusion zur Eon AG. Nach zwei Monaten gaben sie den Widerstand auf, legten Pläne offen – und handelten sich prompt Ärger ein.

Ulrich Hartmann (links), Chef der VEBA AG, und Wilhelm Simson, Chef der VIAG AG, präsentieren 2010 den neuen Namen ihres gemeinsamen Unternehmens: E.ON. Reuters

Aus zwei wird eins

Ulrich Hartmann (links), Chef der VEBA AG, und Wilhelm Simson, Chef der VIAG AG, präsentieren 2010 den neuen Namen ihres gemeinsamen Unternehmens: E.ON.

DüsseldorfEine der größten Fusionen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte war für das Handelsblatt eher Zufallsfund. Die Redaktion analysierte im Sommer 1999 den Strommarkt. Der war ein Jahr zuvor gerade liberalisiert worden.

Und in der Branche brodelte die Gerüchteküche. Es gab viel zu viele Unternehmen, die nach Meinung von Fachleuten allein keine Überlebenschance hatten. „Jeder redet mit jedem“, versicherten Manager in beinahe jedem Gespräch. Doch wer genau redet mit wem?

Das Handelsblatt wollte es wissen. Doch dieselben Manager blieben stumm. Man sondiere die Lage, lenkten sie ab. Dabei waren einige von ihnen schon weiter als sie es zugeben wollten. Ausgerechnet die Nummern Zwei und Drei auf dem deutschen Strommarkt, Veba und Viag, bastelten bereits im Hintergrund an einem Zusammenschluss.

Der sollte sie gemeinsam zum mächtigsten deutschen Stromversorger machen. 180 Milliarden Kilowattstunden Stromabsatz, 125 Milliarden D-Mark (64 Milliarden Euro) Umsatz, 78 Milliarden D-Mark (40 Milliarden Euro) Börsenkapitalisierung. Damals eine große Nummer.

70 Jahre Handelsblatt: Wichtige Entwicklungen

Erster Leitartikel

Aus tiefer Verantwortung für die Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft forderte der erste Leitartikel des Handelsblatt 1946 die Überwindung „beschränkten nationalstaatlichen Denkens“ und die Entwicklung eines „europäischen Lebensgefühls“, um den „verworrenen Kontinent“ in eine neue Ära der Prosperität zu führen.

Fünfziger Jahre

Wie keine andere Zeitung in Deutschland begleitete das Handelsblatt nach dem Kriege Ludwig Erhard in seinem Kampf für eine liberale Wirtschaftsordnung.

Sechziger Jahre

Mit der deutschen Industrie internationalisierte sich auch unsere Zeitung in den fünfziger und sechziger Jahren und baute schneller als die meisten Medien in Deutschland ein Korrespondentennetz in den wichtigsten Metropolen auf.

Siebziger Jahre

In den siebziger und frühen achtziger Jahren kämpften die Kommentatoren des Handelsblatts früher als andere Publizisten in Deutschland gegen die Fehlentwicklungen eines Sozial- und Umverteilungsstaats, der unternehmerische Leistungen in unserem Land erdrückt.

Achtziger Jahre

Das berühmte Wende-Papier von Otto Graf Lambsdorff erschien 1982 in vollem Wortlaut exklusiv im Handelsblatt.

Neunziger Jahre

In den neunziger Jahren machte sich die Redaktion nach heftigem internen Ringen für den Euro und die Europäische Währungsunion stark.

Neues Jahrtausend

Seit der Jahrtausendwende profilierte sich das Handelsblatt als Stimme der ökonomischen Vernunft im Zeitalter der Globalisierung.

Das blieb den Rechercheuren natürlich nicht verborgen. Zumal die Unternehmen beim Bundeskartellamt eine Voranfrage eingereicht hatten, um die Chancen einer Freigabe durch die Wettbewerbshüter auszuloten.

An einem Freitag, dem 30. Juli 1999, titelte dann das Handelsblatt: „Mischkonzerne Veba und Viag planen Fusion“. Das war der öffentliche Startschuss für eine – nach damaligen Verhältnissen – Megafusion unter deutschen Unternehmen. Es war aber auch der Beginn einer der ungewöhnlichsten Wirtschaftsgeschichten. Denn: Die beteiligten Unternehmen dementierten hartnäckig. Fast zwei Monate lang. Erst am 27. September legten sie ihre Fusionspläne auf den Tisch.

Das sollte Folgen haben. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelte wegen „Irreführung der Aktionäre“. Was in Deutschland bei den Betroffenen auf großes Unverständnis stieß. Was aber auch ein Lehrstück über die sehr unterschiedliche Aktienkultur in Deutschland und den USA bot.

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