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06.03.2006

07:26 Uhr

78. Verleihung

„L.A. Crash“ stiehlt „Brokeback Mountain“ die Show

Es blieb ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum überraschenden Schluss. Die 78. Oscar-Nacht wurde auf der Ziellinie zu Gunsten des Rassismus-Dramas „L.A. Crash“ als bester Film des Jahres entschieden. Nach all den Diskussionen über die Liebesgeschichte schwuler Cowboys im Film „Brokeback Mountain“ musste sich der hoch favorisierte Regisseur Ang Lee mit drei Preisen für Regie, Musik und Drehbuch begnügen.

Reese Witherspoon bekam den Oscar als beste Darstellerin für den Film "Walk the Line". Foto: AP

Reese Witherspoon bekam den Oscar als beste Darstellerin für den Film "Walk the Line". Foto: AP

HB LOS ANGELES. Keinen Jubel gab es bei der großen deutschen Delegation in Hollywood. Sowohl Marc Rothemund mit „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ als auch Ulrike Grote mit dem Kurzfilm „Ausreißer“ gingen leer aus: Den Preis für den besten fremdsprachigen Film bekam „Tsotsi“ aus Südafrika.

Für ihre Hauptrollen in den Filmen „Capote“ und „Walk the Line“ wurden Philip Seymour Hoffman und Reese Witherspoon ausgezeichnet. George Clooney und Rachel Weisz wurden als beste Nebendarsteller geehrt. Sie sind in den Thrillern „Syriana“ und „Der ewige Gärtner“ zu sehen.

„L.A. Crash“ gewann auch Oscars für das beste Original-Drehbuch und den besten Schnitt. Die Produktion hat nur 6,5 Mill. Dollar gekostet und beschäftigt sich mit Spannungen zwischen ethnischen Gruppen in Los Angeles. Nominiert für den besten Film waren auch „Brokeback Mountain“, „Capote“, „Good Night, and Good Luck“ sowie „München“.

„Sie haben dieses Jahr zu einem der atemberaubendsten und beeindruckendsten Ausnahmejahren des amerikanischen Films gemacht“, sagte „Crash“-Produzentin Cathy Schulman bei der Preisverleihung. Die für den besten Film nominierten Produktionen waren in diesem Jahr allesamt keine Kassenschlager wie in früheren Jahren, sondern gewagte Geschichten, die vor allem von Charakteren getragen werden. So handelt der Favorit „Brokeback Mountain“ von einer Liebesbeziehung zwischen zwei Cowboys. Die nominierten Darsteller Heath Ledger und Jake Gyllenhaal gingen allerdings beide leer aus.

„L.A. Crash“ ist ein Ensemble-Film über alltäglichen Rassismus, Intoleranz und Gewalt in Los Angeles. An den Film gingen auch die Preise für das beste Originaldrehbuch und den Schnitt. „Keiner von uns hat das wirklich erwartet“, sagte Regisseur und Autor Paul Haggis (52). „Das war doch eigentlich nur ein kleiner Film. Wir haben alle Regeln gebrochen und Hollywood hat das belohnt.“ Außer an „L.A. Crash“ und „Brokeback Mountain“ ging die magische Zahl von drei Oscars auch an „Die Geisha“ (Kamera, Kostüm und Ausstattung) und „King Kong“ (Ton, Ton- und Spezial-Effekte).

Unter der Regie des Kanadiers Haggis (52) spielt in „L.A. Crash“ ein Star-Ensemble mit Sandra Bullock, Matt Dillon, Brendan Fraser und Don Cheadle. In den deutschen Kinos ist der Überraschungssieger der Oscar-Nacht trotz hervorragender Kritiken mit nur rund 200 000 Besuchern allerdings untergegangen.

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