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01.10.2017

10:09 Uhr

Aber keine vollständige Entwarnung

Supermarkt-Erpresser legt Geständnis ab

Die Supermarkt-Erpressung mit vergifteter Babynahrung ist aller Wahrscheinlichkeit nach aufgeklärt. Der geständige Verdächtige ist laut Polizei ein Mann mit psychischen Auffälligkeiten und Brüchen in der Biografie.

Giftdrohung

Mutmaßlicher Supermarkt-Erpresser festgenommen

Giftdrohung: Mutmaßlicher Supermarkt-Erpresser festgenommen

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KonstanzEin 53-jähriger Tatverdächtiger aus dem Kreis Tübingen hat am Samstag ein Geständnis abgelegt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Abend mitteilten. Demnach sagte der Mann auch aus, keine weiteren vergifteten Lebensmittel verteilt zu haben. Am Nachmittag hatte ein Richter in Ravensburg Haftbefehl erlassen, der dringend Tatverdächtige wurde inzwischen in eine Justizvollzugsanstalt gebracht.

Der Erpresser hatte damit gedroht, 20 vergiftete Lebensmittel in Umlauf zu bringen, und per E-Mail einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag gefordert. Mitte September hatte er fünf Gläschen Babynahrung mit Ethylenglycol vergiftet und in einen Supermarkt in Friedrichshafen am Bodensee gebracht. Als die Polizei Bilder einer Überwachungskamera veröffentlichte, gingen Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung ein - darunter auch Hinweise auf den nun gefassten Tatverdächtigen. Trotz der Festnahme sollen die Menschen beim Einkauf weiterhin vorsichtig sein, mahnten die Behörden. „Es wäre vorschnell, schon eine komplette Entwarnung zu geben“, sagte Polizeivizepräsident Uwe Stürmer.

Am Samstag hatte eine verdächtige, mit Flüssigkeit gefüllte Einwegspritze in einem Drogeriemarkt in Speyer in Rheinland-Pfalz einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Spezialisten der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen hatten die Spritze gleich untersucht, wie die Polizei in der Nacht zum Sonntag mitteilte. Darin habe sich überwiegend Wasser sowie eine chemische Substanz befunden, zu der die Polizei zunächst keine näheren Angaben machte.

Anfangs prüfte die Polizei einen Zusammenhang mit dem Lebensmittel-Erpresser, dies bestätigte sich jedoch nicht. Die Polizei bat aber Kunden, die Verpackung von Lebensmitteln zu überprüfen, die sie zwischen Donnerstag und Samstagmorgen in dem Markt gekauft hatten.

Polizeivizepräsident Uwe Stürmer (l.) vom Polizeipräsidium Konstanz und Leitender Oberstaatsanwalt Alexander Boger zeigen im Polizeipräsidium in Konstanz beispielhaft eine Plastikflasche, um die Menge des Giftes zu zeigen. dpa

Supermarkt-Erpresser gefasst

Polizeivizepräsident Uwe Stürmer (l.) vom Polizeipräsidium Konstanz und Leitender Oberstaatsanwalt Alexander Boger zeigen im Polizeipräsidium in Konstanz beispielhaft eine Plastikflasche, um die Menge des Giftes zu zeigen.

Der Leitende Oberstaatsanwalt Alexander Boger sprach am Samstag auf einer Pressekonferenz in Konstanz von einer erdrückenden Beweislast gegen den geständigen Mann. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am Freitag in Ofterdingen habe man eine Flasche mit dem Gift Ethylenglycol gefunden, mit dem die sichergestellte Babynahrung in Friedrichshafen versetzt worden war. DNA-Spuren an den vergifteten Gläschen deuteten ebenfalls auf den Mann hin. Der Verdächtige habe die Vernichtung von Beweismitteln vorbereitet. Einen Laptop fanden die Beamten in einem Altkleider-Container.

Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus. Der Verdächtige lebte demnach seit 2005 in Baden-Württemberg. Zuvor war er in Bayern gemeldet gewesen.

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