Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2015

10:41 Uhr

Abitur 2015

Schüler fordert Herausgabe der Abi-Aufgaben

Diese Anfrage beim Schulministerium in NRW macht Schlagzeilen: Ein Schüler fordert die Aufgaben fürs Abitur 2015 vorab an. Denn laut Informationsfreiheitsgesetz hat jeder das Recht, Auskunft von Behörden zu erhalten.

Welcher Abiturient träumt nicht davon, die Abi-Aufgaben schon vor der Prüfung zu kennen? dpa

Abitur

Welcher Abiturient träumt nicht davon, die Abi-Aufgaben schon vor der Prüfung zu kennen?

Münster/DüsseldorfWie einfach könnte doch das Abiturientenleben sein, wüsste man nur, welche Fragen die Prüfer stellen! Diesen Gedanken wird der Münsteraner Schüler Simon Schräder (17) nicht mehr los, während er sich auf die zentral gestellte Abiturprüfung vorbereitet. Und weil Fragen nichts kostet, fragte er den Staat. Genauer: Er richtete eine offizielle Anfrage an das nordrhein-westfälische Schulministerium über die Internetplattform „FragDenStaat“ – und erntet mit der Aktion großes Medienecho.

Diese Seite, betrieben von der Transparenzinitiative Open Knowledge Foundation, will Bürgern dabei helfen, gegenüber Behörden ihr Recht auf Information und behördliche Dokumente durchzusetzen. Diesen Anspruch regelt seit 2006 das Gesetz zur Informationsfreiheit (IFG). Jeder Bürger darf danach unter Beachtung des Daten- und Geheimnisschutzes Zugang zu amtlichen Informationen bekommen. Auch die meisten Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, haben ähnliche Gesetze.

Im vergangenen Jahr wurden über „FragDenStaat“ mehr als 2000 solcher Anträge gestellt: „Von der Anfrage zu Geheimdienstdokumenten bis hin zum Antrag auf Einsicht in das lokale Grundstückskataster“, erläutert Arne Semsrott, Projektleiter bei der Plattform. FragDenStaat hilft nur bei den Formalien – jeder Bürger kann auch auf eigene Faust Anträge stellen. Knapp drei von vier aller Anfragen auf Bundesebene werde stattgegeben, berichtet Semsrott.

Informationen zu G8

Einführung ab 2002

Seit 2002 wurde G8 in fast allen Bundesländern eingeführt, nur Rheinland Pfalz hielt sich bei einer flächendeckenden Umsetzung zurück. Ziel war, die Schulzeit der deutschen Gymnasiasten an jene der Schüler in anderen Nationen wie den Niederlanden oder Frankreich anzupassen.

Mehr Unterricht

Durch die Reformen wurde die Zeit am Gymnasium bis zum Abitur von neun auf acht Jahre verkürzt. Mussten die vorgeschriebenen 265 Wochenstunden vorher auf neun Jahre verteilt abgesessen werden, haben die Schüler dafür nun nur noch acht Jahre Zeit. Das bedeutet im Schnitt drei Wochenstunden mehr Unterricht.

Überlastung

Für einige Oberstufenschüler bedeutet das bis zu 36 Stunden Unterricht in der Woche. Viele Schüler, Eltern, aber auch Sportvereine und Musikschulen stöhnen über diese hohe Belastung, Hausaufgabenzeiten kommen da noch hinzu.

5+3

Einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen lassen ihren Gymnasiasten vor der Oberstufe nur noch fünf Jahre Zeit, bis sie Leistungskurse wählen und sich mit Blick auf ein mögliches Studium orientieren müssen. Darauf folgt eine dreijährige Oberstufe.

6+2

Andere Länder haben das 6 plus 2-Modell gewählt, in dem die Sekundarstufe sechs, die Oberstufe nur zwei Jahre umfasst.

Welche Schulform ist besser?

Bildungsforscher kommen in verschiedenen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen: Schneiden G8-Schüler in Hamburg bei der KESS-Studie besser ab als G9-ler, sieht es bei Studien in Sachsen-Anhalt umgekehrt aus.

Das weiß auch der findige Abiturient Simon Schräder: Er arbeitet in einer lokalen Gruppe der Open Knowledge Foundation, die daran mitwirkt, den Stadtbewohnern relevante amtliche Daten zur Verfügung zu stellen – zum Beispiel zum Haushalt der Kommune oder zur Frage, wo es Parkplätze gibt in der Stadt.

„Beim Lernen hatte ich spontan die Idee, zu versuchen, über das IFG an die Abituraufgaben zu kommen“, erklärt er. Dass er damit Erfolg haben könnte, glaubt er kaum. „Aber es wäre ja interessant zu wissen, wie das Ministerium reagiert und wie sie ihre Antwort rechtlich begründen.“ FragDenStaat jedenfalls reichte seinen Antrag am 20. März weiter an das Ministerium.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Michael Müller

09.04.2015, 11:30 Uhr

Sorry, aber wie kann man nur so blöd sein? Das Abitur ist ein Reifezeugnis und der Schüler hat entweder absolut nicht verstanden um was es geht, ist ein pedantisches Erbsenzähler-Beamtenkind oder aber er will einfach nur auf eine "Lücke" in unserem System hinweisen und auf sich aufmerksam machen. Unser System hat sehr viele Lücken, die mit einem gewissen gesunden Menschenverstand lösbar und verständlich sind. Unser Staat sollte bei Abiturienten, die sich selbst gerne als geistige Elite sehen, eine gewisse Intelligenz voraussetzen dürfen, was in diesem Fall leider nicht gegeben ist. [...]
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Stephan Srugies

09.04.2015, 11:41 Uhr

Vllt. hat er aber genau damit bewiesen, dass es mehr gibt als alles vorgekaut zu bekommen und alles blind hinzunehmen. Kritisch hinterfragen bringt einen immer weiter, auch wenn andere dann der Meinung es besser zu wissen bzw. "besser" sind... die Flinte raus und auf andere (verbal) schießen klappt ja schonmal gut! Sry kein Verständnis für diesen Kommentar

Herr Michael Müller

09.04.2015, 12:11 Uhr

Richtig.
Kritisch hinterfragen ist immer gut, wenn es denn auch sinnvoll ist.
Sinnloses hinterfragen ist sinnlos :-)
Wie sinnvoll ist diese Hinterfragung des Schülers?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×