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01.11.2015

15:55 Uhr

Absturz über dem Sinai

Russischer Airbus brach in der Luft auseinander

In Russland herrscht nach dem Absturz eines voll besetzten Urlaubsfliegers über dem Sinai Staatstrauer. Experten untersuchen die Tragödie und haben erste Erkenntnisse. An einen Abschuss durch IS-Terroristen glauben sie nicht.

Flugschreiber geborgen

224 Tote: Steckt der IS hinter dem Airbus-Absturz?

Flugschreiber geborgen: 224 Tote: Steckt der IS hinter dem Airbus-Absturz?

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Russland trauert: Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs in Ägypten hat der Kreml den Sonntag zum landesweiten Tag der Trauer erklärt. Fernsehstationen und Radiosender wollten weitgehend auf Unterhaltungssendungen verzichten. Die orthodoxe Kirche sowie Moscheen und Synagogen haben Gottesdienste organisiert. Behörden sagten Festveranstaltungen ab. Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo richtete das Katastrophenschutzministerium einen Krisenstab ein. Etwa 100 Angehörige der Opfer seien in einem Hotel am Airport untergebracht, sagte ein Behördensprecher. Dutzende Psychologen und Ärzte würden die Hinterbliebenen betreuen.

Einige der Trauernden legten am Flughafen Papierflieger und Spielzeug nieder, darunter zahlreiche Teddys und andere Stofftiere. 25 Kinder waren an Bord der Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Metrojet gewesen. Beim Absturz des voll besetzten Urlaubsfliegers auf der Sinai-Halbinsel wurden insgesamt 224 Menschen getötet. Der Airbus war kurz nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich am Samstag vom Radar verschwunden. Die meisten Fluggäste der Maschine nach St. Petersburg waren russische Urlauber.

Die schlimmsten Unglücke der russischen Luftfahrt

22. August 2006

170 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Pulkovo Airlines nahe Donezk in der Ukraine. Auf dem Flug von Anapa nach St. Petersburg versuchten die Piloten eine Gewitterfront zu überfliegen.

9. Juli 2006

125 Tote bei der Bruchlandung eines Airbus A310 der Gesellschaft Sibir in Irkutsk. Auslöser waren Pilotenfehler. 78 Menschen überleben.

4. Juli 2001

145 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M der Fluglinie Wladiwostokawia. Grund: Schlechte Sicht und Pilotenfehler beim Anflug auf Irkutsk.

3. Januar 1994

125 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Baikal Airlines nach dem Start von Irkutsk. Auslöser war ein brennendes Triebwerk.

Die ägyptischen Sicherheitskräfte weiteten am Sonntag ihre Suche nach weiteren Todesopfern aus. Ein an den Bergungsarbeiten beteiligter Militäroffizier sagte der Nachrichtenagentur AFP, bislang seien 163 Leichen gefunden worden. Weil sogar noch in acht Kilometern Entfernung die Leiche eines Kindes gefunden worden sei, werde die Suche nach sterblichen Überresten nun auf einen Umkreis von 15 Kilometern um die Absturzstelle ausgedehnt. Erste sterbliche Überreste der 224 Opfer sollen spätestens an diesem Montag nach St. Petersburg gebracht werden. Eine erste Maschine könne in der Nacht aus Kairo losfliegen, sagte Wladimir Stepanow vom Katastrophenschutzministerium in Moskau.

Aus Russland flogen unterdessen eigene Ermittler nach Ägypten, darunter auch Verkehrsminister Maxim Sokolow. Am Sonntagnachmittag bereits meldeten die erste Erkenntnisse: Das Flugzeug sei schon in der Luft auseinandergebrochen. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei aber noch „zu früh, um Schlüsse zu ziehen“.

Weiteren Aufschluss über die Absturzursache erhoffen sich die russischen und ägyptischen Behörden vor allem von den inzwischen gefundenen Flugschreibern. Im Flugdatenschreiber werden in der Regel die Flugdaten der letzten 25 Stunden aufgezeichnet – von der Flughöhe über die Geschwindigkeit und den Kurs bis zu Angaben zu den Triebwerken. Im Stimmenrekorder werden dagegen mindestens die letzte halbe Stunde des Funkverkehrs der Piloten, ihre Gespräche untereinander und alle Geräusche im Cockpit und an Bord gespeichert.

Flugzeugunglücke der vergangenen Jahre

Oktober 2015

Auf der Sinai-Halbinsel stürzt ein russischer Urlauber-Airbus mit 224 Menschen an Bord ab. Niemand überlebt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekennt sich zu einem Anschlag. Am 17. November bestätigt der russische Geheimdienst, dass eine Bombe an Bord war.

März 2015

Eine Germanwings-Maschine zerschellt auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen. Alle 150 Menschen an Bord kommen dabei ums Leben. Der Copilot hatte den Ermittlern zufolge den Autopiloten so manipuliert, dass das Flugzeug vom Typ Airbus A320 abstürzte.

Dezember 2014

Ein Airbus A320 der AirAsia stürzt auf dem Weg von Indonesien nach Singapur in die Javasee vor Borneo. Alle 162 Menschen an Bord kommen ums Leben.

Juli 2014

Beim Absturz einer Passagiermaschine der Malaysia Airlines über der Ostukraine kommen alle 298 Insassen ums Leben. Eine niederländische Untersuchungskommission kommt zu dem Schluss, dass die Boeing 777 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde.

Beim Absturz eines Passagierflugzeugs in Mali sterben alle 116 Menschen an Bord, darunter vier Deutsche. Das Flugzeug vom Typ MD83 war von Ouagadougou (Burkina Faso) nach Algerien unterwegs.

März 2014

Eine Boeing der Fluggesellschaft Malaysia Airlines auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord verschwindet kurz nach dem Start vom Radar, MH370 wird zu einem der größten Rätsel der Luftfahrtgeschichte. Bisher wurde nur ein Wrackteil gefunden.

Damit die Datenträger einen Absturz, hohe Temperaturen und hohen Wasserdruck überstehen, sind sie durch eine Stahlummantelung geschützt. Um die Geräte nach einem Unglück leichter zu finden, senden sie akustische Signale aus. Im Fall des Airbus A321 der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija dürfte die Auswertung relativ bald Aufschluss darüber geben, ob die Maschine beispielsweise von einer Rakete getroffen wurde oder möglicherweise jemand ins Cockpit eindrang.

Die russische Justiz hat nach dem Absturz eines Passagierflugzeugs in Ägypten nach eigenen Angaben keine Hinweise auf Unregelmäßigen bei der Besatzung oder dem verwendeten Treibstoff des Airbus A-321. „Die Piloten und Stewards sind vor dem Start in Scharm el Scheich medizinisch geprüft und für flugtauglich erklärt worden“, sagte Behördensprecherin Maja Iwanowa am Sonntag der Agentur Interfax.

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