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02.11.2015

17:32 Uhr

Absturz von Flug KGL 9268

Viele Fragen, wenig Antworten

Der Absturz einer russischen Passagiermaschine über der Sinai-Halbinsel bleibt rätselhaft. Noch kann keine Absturzursache ausgeschlossen werden, auch wenn die Fluggesellschaft einen anderen Eindruck vermitteln möchte.

Neuigkeiten nach Absturz

Unglücksmaschine brach schon in der Luft auseinander

Neuigkeiten nach Absturz: Unglücksmaschine brach schon in der Luft auseinander

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MoskauNach dem Absturz einer Passagiermaschine in Ägypten hat die russische Fluggesellschaft eine technische Störung und einen Pilotenfehler „völlig ausgeschlossen“. Die Katastrophe mit 224 Toten sei durch „mechanische Einwirkung“ erfolgt, sagte Kolavia-Vizechef Alexander Smirnow am Montag in Moskau. Smirnow ließ offen, ob es sich um einen Terroranschlag gehandelt haben könnte. „Es kann alles gewesen sein“, meinte er. Der Absturz des Airbus A-321 voller Urlauber auf dem Weg von Scharm el Scheich nach St. Petersburg ist das schwerste Unglück in der Geschichte der russischen Luftfahrt.

Auf einem streng abgeschirmten Areal der Gerichtsmedizin in St. Petersburg begann unterdessen die Identifizierung der Opfer. Ein erstes Flugzeug des russischen Katastrophenschutzes brachte die sterblichen Überreste von etwa 140 Passagieren aus Kairo in die nordrussische Stadt. Mit Spezialtransportern wurden die Leichen zur Forensik gefahren. Die Überreste werden mit Hilfe von DNA-Proben identifiziert und dann den Hinterbliebenen übergeben. „Psychiater werden anwesend sein“, sagte Vizegouverneur Igor Albin. Ein zweites Flugzeug vom Typ Iljuschin Il-76 sollte am Abend in Kairo losfliegen.

Ermittler aus Ägypten und Russland suchen weiter nach der Ursache der Katastrophe. Einer Moskauer Untersuchungskommission zufolge soll die Maschine noch in der Luft zerbrochen sein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, er schließe keine Version aus - „vom Terrorakt bis zum Unfall“. Der Chef des russischen Luftfahrtamtes Alexander Neradko sagte, der Flugschreiber und der Stimmenrekorder (die „black boxes“) der Unglücksmaschine würden in Kairo ausgewertet.

Die schlimmsten Unglücke der russischen Luftfahrt

22. August 2006

170 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Pulkovo Airlines nahe Donezk in der Ukraine. Auf dem Flug von Anapa nach St. Petersburg versuchten die Piloten eine Gewitterfront zu überfliegen.

9. Juli 2006

125 Tote bei der Bruchlandung eines Airbus A310 der Gesellschaft Sibir in Irkutsk. Auslöser waren Pilotenfehler. 78 Menschen überleben.

4. Juli 2001

145 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M der Fluglinie Wladiwostokawia. Grund: Schlechte Sicht und Pilotenfehler beim Anflug auf Irkutsk.

3. Januar 1994

125 Tote beim Absturz einer Tupolew-154M von Baikal Airlines nach dem Start von Irkutsk. Auslöser war ein brennendes Triebwerk.

Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte in einem nicht verifizierbaren Bekennerschreiben behauptet, die Maschine am Samstag über der Sinai-Halbinsel zum Absturz gebracht zu haben. Experten und Regierungsangehörige Russlands und Ägyptens bezeichneten dies aber als unwahrscheinlich oder schlossen einen Anschlag aus. Experten halten es für möglich, dass Russland durch seine Luftangriffe in Syrien stärker ins Visier des IS geraten sein könnte.

Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung sagte, die Gesellschaft schließe einen Fehler der Crew und eine technische Störung aus. Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück auslösen können. Nach Beginn der Katastrophe konnte die Maschine nicht mehr gesteuert werden. „Sie flog nicht, sie fiel“, sagte Jung in Moskau.

Die Crew habe keinen Notruf abgesetzt, sagte Smirnow. „Offenbar war die Mannschaft zum Zeitpunkt der Katastrophe bereits vollständig arbeitsunfähig“, meinte er. Der Airbus A-321 habe innerhalb von weniger als einer Minute massiv an Geschwindigkeit verloren und sei stark abgesackt. „Sie flog nur noch etwa 300 Stundenkilometer schnell und fiel um rund 1500 Meter ab“, sagte der Kolavia-Vizechef. Smirnow bestätigte, dass die kleine Gesellschaft mit Sitz in Sibirien mit Lohnzahlungen im Rückstand sei. Dies beeinträchtige die Geschäfte der Firma aber nicht, betonte er.

Medien in Moskau spekulierten am Montag, ob ein früherer Unfall der Unglücksmaschine fatale Spätfolgen gehabt haben könnte. Das Heck des Flugzeugs sei bei einer Landung in Kairo 2001 beschädigt und danach repariert worden. Kolavia hatte dies als Grund ausgeschlossen.

Ägyptische Rettungskräfte setzten an der Absturzstelle die Suche nach sterblichen Überresten fort. 41 Opfer seien bislang nicht geborgen worden, hieß es. Russische Experten waren an der Suche beteiligt.

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