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14.09.2012

16:07 Uhr

Absurde Autovervollständigung

„Spekulanten sind Taliban in Nadelstreifen“

VonJulia Hortig

Bettina Wulff versucht gerade, gerichtlich dagegen vorzugehen, aber auch andere haben Probleme damit: Die Autovervollständigung von Google. Was die Suchmaschine, und damit das Netz, über Börsianer und Journalisten denkt.

Google-Vorschläge: „Spekulanten sind Verbrecher“. Oder doch „Taliban in Nadelstreifen“?

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„Ich muss abnehmen“ – dieser Vorschlag erscheint als erstes, wenn die Worte „Ich muss“ bei Google eingegeben werden. Ob die betreffende Person dabei tatsächlich abnehmen muss, sei dahingestellt, laut Google-Sprecher Kay Oberbeck kämen die Vorschläge nicht von der Suchmaschine: „Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben“, sagt Oberbeck im Interview mit Süddeutsche.de. Nach Angaben des Google-Sprechers sei die Suchwort-Assoziation ein algorithmisch erzeugtes Resultat mehrerer Faktoren, darunter auch die Popularität der eingegebenen Suchbegriffe.

Welche Faktoren das genau sind, verrät das Unternehmen nicht. Da es sich bei den Begriffserklärungen nicht um redaktionellen Inhalt handeln würde, stelle es nur ein „automatisch generiertes Spiegelbild der Nutzersuchen“ zur Schau.

Allerdings kann die automatische Vervollständigung von Suchanfragen auch von Person zu Person variieren. Laut Google können Nutzer, die mit ihrem Google-Konto angemeldet sind und ihr Webprotokoll aktiviert haben, Ergebnisse erhalten, die „auf der Grundlage von Suchvorgängen, die Sie in der Vergangenheit durchgeführt haben“ generiert wurden.

Netz-Stimmen: Pikante Anspielungen aus der Google Suche

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Gibt man bei Google derzeit Bettina Wulff ein, tauchen ganz unerwartete Ergebnisse für die Frau von Ex-Präsident Christian Wulff auf.

Im Klartext heißt das: Google spiegelt „nur“ die Gedanken der anderen zu bestimmten Themen wieder – und die können je nachdem interessant, kreativ oder gemein sein: Bei den Worten „die Börse ist“ ergänzt Google „ein Monte Carlo ohne Musik.“ Journalisten sind nach Angaben der Suchmaschine entweder „links“, „Helden“ oder „Schleusenwärter.“ Wenigstens ist das Ruhrgebiet „bekannt“, wohingegen der Westerwald „grausam“ ist. Und Spekulanten sind „Verbrecher“ oder „Taliban in Nadelstreifen.“ Unternehmer sind in der Google-Suche wahlweise "Verrückte" oder "die besseren Entwicklungshelfer".

Diese Vervollständigungen kann man für unfreiwillig witzig halten und darüber lachen. Doch gerade wenn es um Personen geht, heizen sie immer wieder Spekulationen an und nähren die Gerüchteküche. So wird bei der Eingabe des Fußballers Philipp Lahm von Google hartnäckig der Zusatz "schwul" vorgeschlagen, obwohl er verheiratet und seit kurzem Vater ist. Das ist auch einer der Gründe, warum unter anderem Bettina Wulff gerade gegen den Suchmaschinenkonzern Klage erhebt. Sie will erreichen, dass bei ihr nicht mehr die Begriffe "Prostituierte" und "Escort" in der Autovervollständigung vorgeschlagen werden.

Was das Netz über die Börse denkt.

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Zwar hat die Autovervollständigungsfunktion Google bisher schon mehrfach Ärger eingebracht, doch einige deutsche Gerichte gaben dem Unternehmen recht: Das OLG Hamburg urteilte bereits im Mai letzten Jahres, dass eine Haftung von Google für ehrverletzende Äußerungen in Suchergebnissen nicht bestehe, da die Suchmaschine „durch das Bereitstellen von Suchergebnissen nicht willentlich und adäquat-kausal zur Verletzung des Persönlichkeitsrechts des Klägers beigetragen habe.“

Allerdings räumt Google selbst ein, dass die Liste der Autovervollständigungs-Einträge eine Überarbeitung benötigt: „Obwohl wir stets darum bemüht sind, die unterschiedlichen (teilweise guten, teilweise fragwürdigen) Inhalte im Web algorithmisch zu erfassen, gelten strenge Richtlinien hinsichtlich der Entfernung von Pornografie, Gewalt, Hassreden und Begriffen, die häufig für die Suche nach Inhalten verwendet werden, die gegen Urheberrechte verstoßen.“

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