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11.11.2014

18:01 Uhr

Achenbach vor Gericht

Unglücklicher Prozessauftakt für Kunstberater

Schlechtes Omen für Helge Achenbach: Zu Beginn des Zivilprozesses um angeblich überhöhte Provisionen hat der Richter erhebliche Zweifel an der Version des Kunsthändlers geäußert. Achenbach drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Kunstberater Helge Achenbach drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. dpa

Kunstberater Helge Achenbach drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.

DüsseldorfIm millionenschweren Schadenersatzprozess der Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht gegen Helge Achenbach hat das Gericht die Version des Kunstberaters angezweifelt. Es gebe „erhebliche Zweifel“ an Achenbachs Darstellung der Geschäftsbeziehung, sagte der zuständige Richter Joachim Matz am Dienstag zum Auftakt des Zivilprozesses am Landgericht Düsseldorf in einer vorläufigen Einschätzung. Eine Entscheidung will das Gericht am 20. Januar 2015 verkünden.

Dem seit fünf Monaten inhaftierten Kunstberater wird vorgeworfen, dem 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht 21 hochkarätige Kunstwerke und elf Oldtimer zu höheren als tatsächlich bezahlten Einkaufspreisen vermittelt zu haben. Dadurch habe Achenbach auch höhere Provisionen und Mehrwertsteuer kassiert.

Achenbach habe Albrecht Objekte zu einer Gesamtsumme von rund 97 Millionen Euro verkauft. Die Erben Albrechts fordern laut Gericht nun 19,3 Millionen Euro Schadensersatz von Achenbach.

Achenbach (62) selbst erschien nicht im Gericht. Ihm geht es nach Angaben seines Anwalts Franz-Joseph Krichel gesundheitlich schlecht. Dem bekanntesten deutschen Kunstberater droht auch ein Strafprozess. Die Staatsanwaltschaft Essen hat wegen mutmaßlichen Betruges an drei reichen Kunden Anklage erhoben. Den weitaus größten Schaden soll Berthold Albrecht erlitten haben. Achenbach drohen im Fall eines Strafprozesses bis zu zehn Jahren Haft.

Kunstberater Achenbach: Millionengeschäfte mit dem Aldi-Erben

Helge Achenbach

Der Düsseldorfer Kunsthändler ist seit Jahrzehnten in der Kunstszene tätig. Er gilt als Erfinder der Kunstberatung.

Geburtsdatum

17. April 1952

Achenbach Art Consulting

Achenbach besitzt seine eigene Kunstberatung. Die Achenbach Art Consulting existiert seit knapp 40 Jahren und arbeitete bereits mit renommierten Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff oder Andreas Gursky zusammen.

Betrugsvorwürfe

Im Juni 2014 wurden Betrugsvorwürfe gegen den Kunstberater bekannt. Babette Albrecht, Witwe des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, soll Anzeige gegen Achenbach erstattet haben. Der Grund: „verdeckte Preisaufschläge“. Auch Christian Boehringer von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim soll zu den Opfern Achenbachs zählen.

Sündenfall (1)

Achenbach verkaufte Bilder von Oskar Kokoschka. Dieser war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Er wurde 1886 geboren und starb 1980.

Sündenfall (2)

Achenbach verkaufte Bilder von Ernst Ludwig Kirchner. Dieser war ein deutscher Maler und Grafiker und wird zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gezählt. Er lebte von 1880 bis 1938.

Geschäftspartner

Achenbach machte Geschäfte mit Berthold Albrecht. Der Manager war einer von zwei Söhnen des Aldi-Nord Gründers Theo Albrecht. Berthold Albrecht lebte von 1954 bis 2012.

Geschäftsvolumen

Berthold Albrecht hat in nur drei Jahren mithilfe von Achenbach Kunstwerke und Oldtimer im Wert von rund 120 Millionen Euro erstanden.

Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht im Zusammenhang mit den Albrecht-Geschäft Achenbachs von Betrug aus und hat einen Schaden von rund 23 Millionen Euro errechnet.

Nach Angaben Achenbachs habe es einen mit Albrecht mündlich vereinbarten „Ermessensspielraum“ für Aufschläge auf die Verkaufsobjekte gegeben, sagte Richter Matz. Damit sollten das Risiko für Achenbach abgefedert und die Beschaffungskosten, etwa die Teilnahme an Oldtimer-Rallyes, kompensiert werden.

Kriterien sollen auch das Wertsteigerungspotenzial der Kunstobjekte sowie eine Rücknahmegarantie gewesen sein. Achenbach habe Albrecht eine Rücknahme nach fünf bis sieben Jahren mit einer vierprozentigen Verzinsung garantiert. Das alles sei nur mündlich vereinbart worden, damit die Ehefrau Albrechts angesichts der Preise nicht misstrauisch würde.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.11.2014, 18:52 Uhr

Gibt es tatsächlich keinerlei schriftliche Vereinbarungen zwischen den Parteien, wird es grundsätzlich schwer, wenn beide nur auf Zeugenbeweis abstellen können.

Logik und Üblichkeiten werden dem Gericht im Zweifel dann auch nicht helfen können.

Im Kunstgeschäft ist jedenfalls eines ganz sicher: es gibt nichts, was es nicht gibt.

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