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04.08.2014

14:14 Uhr

Ärger im Schützenverein

Ein Muslim darf nicht König sein

Ein muslimischer Schützenkönig sorgt für Ärger im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften. Der 33-jährige Türke ist im westfälischen Werl-Sönnern integriert. Nun soll er seine Königskette zurückgeben.

Noch im Juli wird Mithat Gedik von seinen Schützenbrüdern gefeiert. Jetzt muss er seine Königskette zurückgeben. dpa

Noch im Juli wird Mithat Gedik von seinen Schützenbrüdern gefeiert. Jetzt muss er seine Königskette zurückgeben.

WerlMithat Gedik kann eigentlich als Musterbeispiel für gelungene Integration gelten – wäre da nicht die Satzung einer Schützenbruderschaft. Der 33-jährige türkischstämmige Muslim ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, belegte katholische Religion als Abiturfach und leitet als Kaufmann die Niederlassung eines großen Unternehmens in Mannheim. Im westfälischen Werl-Sönnern lebt er mit seiner Frau Melanie und vier Kindern. Er ist in der freiwilligen Feuerwehr aktiv und im Vorstand des örtlichen Schützenvereins.

Doch nun hat Gedik den Vogel abgeschossen und damit eine Diskussion um Brauchtum, Toleranz und Integration losgetreten: Weil er kein Christ ist, soll er seine Königskette zurückgeben. Der „Westfälische Anzeiger“ hatte am Wochenende über den Fall berichtet.

„Wir haben doch nicht provozieren wollen, sondern wollten nur ein schönes Schützenfest feiern“, sagt Gedik entschuldigend. Beim Schützenfest am 18. Juli war die Welt noch in Ordnung. Gedik brachte den Vogel zu Fall und wurde von seinen St. Georg-Schützenbrüdern gefeiert. Beim Schützen-Gottesdienst sprach der Pastor von christlichen Werten und Integration.

Doch ein muslimischer Schützenkönig – das geht dem Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) zu weit: Beim Bezirksschützenfest darf der König aus Sönnern nicht antreten. Als Dachverband wacht der Verein auch über die St. Georg-Bruderschaft, wo Gedik aber bereits König ist. Ein Widerspruch?

„Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, sagt der Sprecher des BDHS, Rolf Nieborg, der dpa. „Die haben ihre eigene Satzung nicht gelesen.“ Heißt: Gedik hätte überhaupt nicht Mitglied der Bruderschaft in Sönnern werden können. In Paragraf 2 der Satzung heiße es, dass die Bruderschaft „eine Vereinigung von christlichen Menschen“ sei.

Kommentare (3)

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Herr Sven P.

05.08.2014, 10:37 Uhr

Nicht, daß ich etwas für Schützenvereine über hätte, aber vielleicht sollten alle, die sich direkt über diesen Vorfall aufregen einfach mal die Website des genannten Dachverbands aufrufen und siehe da: Sie werden weitergeleitet auf die Website des Erzbistums Köln, um den handelt es sich nämlich!
Und wenn man dort mal die Satzung aufruft, dann findet man in der Tat im Vereinszweck an erster Stelle das Bekenntnis des Glaubens, was ich für die Kirche jetzt nicht allzu ungewöhnlich finde...
Ich als evangelischer Christ finde diesen Punkt sogar recht fortschrittlich für die katholische Kirche, es heißt dort nämlich: "Im Geiste
der Ökumene haben die Mitglieder anderer christlicher Konfessionen in den Mitgliedsbruderschaften die gleichen Rechte und Pflichten."

Warum ist man denn Mitglied in einem Verein (oder Dachverein), wenn man die Grundsätze/der Vereinszweck nicht teilt/akzeptiert/dagegen ist?

G. Nampf

05.08.2014, 12:27 Uhr

"Weil er kein Christ ist, soll er seine Königskette zurückgeben."

Ich dachte, Schützenkönig wird man, weil man gut schießen kann. Satzungen kann man an die Wirklichkeit anpassen und Traditionen ändern sich mit der Zeit.

Frau Annette Bollmohr

05.08.2014, 17:35 Uhr

„Satzungen kann man an die Wirklichkeit anpassen…“

Sollte man meinen, nicht?

Leider wären aufgrund der bisher vorherrschenden demographischen (vor allem aber altersmäßigen) Zusammensetzung der für solche „Anpassungsversuche“ zuständigen Gremien, sowie aufgrund des derzeit üblichen Prozederes bei demokratischen Abstimmungen im Allgemeinen aller Wahrscheinlichkeit nach die inzwischen leicht rückständigen bzw. nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit befindlichen Nutznießer und Verfechter des Status quo in der Überzahl.

Und somit haben sie auch das letzte Wort bei Entscheidungen, die die Zukunft ALLER betreffen, und es bleibt erstmal alles so, wie es ist.

Da es aber so nicht weitergehen kann, muss man wohl sagen:
Hoffentlich nicht mehr lange.

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