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01.08.2014

13:15 Uhr

Ärger um Tantiemen

Rechtsstreit um Goebbels-Zitate

Die Nachlassverwalterin von Joseph Goebbels hat den Verlag Random House verklagt. Er weigert sich, Tantiemen für eine Biografie des NS-Propagandaministers zu zahlen. Die Klägerin ist als Anwältin eines Alt-Nazis bekannt.

Nachdem sie ihre Kinder vergiftet hatten, begingen Goebbels und seine Frau Anfang Mai 1945 Selbstmord. Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10547 Wikimedia Commons CC-BY-SA 3.0

Nachdem sie ihre Kinder vergiftet hatten, begingen Goebbels und seine Frau Anfang Mai 1945 Selbstmord.

Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10547

MünchenJosep Goebbels war einer der engsten vertrauten Hitlers, bereitete während der Nazi-Diktatur den ideologischen Boden für den Holocaust und ist – 69 nach seinem Tod – eine noch immer sprudelnde Geldquelle. Vor dem Münchner Landgericht wurde nun der Fall Cordula Schacht gegen den Verlag Random House verhandelt. Im Mittelpunkt stehen die Tagebücher des Propagandaministers.

Zeithistoriker Peter Longerich stützte sich beim Verfassen seiner Goebbels-Biografie auf Zitate aus eben jenen Tagebüchern. Als Frau Schacht davon über das Internet erfuhr, meldete sie sich bei Verlag und Autor und forderte einen Anteil am Honorar. Sie ist nämlich, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, Verwalterin des Goebbels-Nachlasses.

Der Vater der heute 71-Jährigen, Hjalmar Schacht, war Reichsbankchef und Hitlers Wirtschaftsminister. Cordula Schacht arbeitete bis zum Tod des Vaters als Anwältin des Schweizer Unternehmers und Alt-Nazis François Genoud. Im Auftrag ihres Klienten handelte die Juristin 1985 einen Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern aus. Seitdem werden jedes Mal, wenn urheberrechtlich geschützte Werke von Joseph Goebbels veröffentlicht werden, Tantiemen an seine Erben fällig.

1996 vermachte der Schweizer Schacht die Verwertungsrechte an Goebbels' Texten – und mit ihnen eine ständig sprudelnde Geldquelle. Denn egal, ob ein Fernsehsender eine Kamera über die im Bundesarchiv aufbewahrten Tagebücher gleiten lässt oder sich jemand – wie in diesem Fall – auf Zitate aus den Texten beruft: Es werden Gebühren fällig.

Die wurden bisher auch immer brav gezahlt: Der Piper-Verlag führt beispielweise noch immer einen Teil der Einnahmen einer älteren Goebbels-Biografie an die Nachlassverwalterin ab.

Beim Random-House-Verlag ist dies allerdings nicht der Fall. Und deshalb ist Schacht nun vor Gericht gezogen. Laut „Süddeutsche Zeitung“ geht es um genau 6507,87 Euro. Die Entscheidung, was mit den Tantiemen geschehen soll, wurde vertagt und soll nun im September gefällt werden. Einen Vorschlag des Richters, die Summe an eine Holocaust-Stiftung zu überweisen, lehnte die Klägerin ab.

Von

miv

Kommentare (1)

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Herr richard roehl

01.08.2014, 13:49 Uhr

Was muss da überhaupt verhandelt werden. Wenn ein deutscher Verlag Zitate verwertet, werden die Tantiemen selbstverständlich an den Rechteinhaber abgeführt. Da kommt dann ein amerikanischer Verlag, und juristische Selbstverständlichkeiten werden plötzlich infrage gestellt. Diese vorauseilende Rechtsbeugung deutscher Gerichte und Politiker, wenn den Amis irgendetwas unangenehm aufstossen könnte, ist einfach nur würdelos

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