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12.06.2014

09:38 Uhr

Ärzte bei Verunglücktem

Verletzter Höhlenforscher ist transportfähig

Die Rettung des verunglückten Höhlenforschers in den Alpen kommt voran. Mittlerweile sind Arzt und Rettungskräfte bei dem Schwerverletzten eingetroffen. Er sei zwar transportfähig, müsse aber zuvor behandelt werden.

Rettung aus Riesending-Höhle

Verletzter Höhlenforscher ist transportfähig

Rettung aus Riesending-Höhle: Verletzter Höhlenforscher ist transportfähig

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BerchtesgadenEin österreichischer Arzt und drei italienische Rettungskräfte sind bei dem verunglückten Höhlenforscher in den bayerischen Alpen eingetroffen. Wie die Bergwacht Bayern am Mittwoch mitteilte, kam das Team „schneller als erhofft“ am späten Nachmittag bei dem Patienten an.

Damit sei „ein weiterer wichtiger Schritt im Einsatzablauf erreicht" worden, hieß es. Oberste Priorität habe nun die medizinische Versorgung des Patienten. In der Nacht zum Donnerstag traf auch der zweite entsandte Arzt aus Österreich bei dem verletzten Stuttgarter ein, wie ein Sprecher der Bergwacht Bayern mitteilte.

Höhlengeher: Gefährlich, verrückt und neugierig

Das Unglück

Es ist ein extrem außergewöhnliches Unglück, das in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden passiert ist. In einer Tiefe, in die ohnehin kaum ein Mensch vordringen kann, liegt ein schwer verletzter Höhlenforscher. Die Rettung ist sehr schwierig.
Quelle: dpa

Warum wagen sich Menschen in solche Höhlen?

Forschergeist. Sie wollen einfach die ersten sein, die ihren Fuß auf ein Stück Boden setzen, den vor ihnen noch niemand betreten hat. Extreme Höhlenforscher sind ein bisschen wie Extrembergsteiger oder Astronauten.

Worum ging es bei der Expedition?

Die Arbeitsgemeinschaft für Höhlenforschung Bad Cannstatt, zu der der Verunglückte und seine beiden Freunde gehörten, erforscht die Riesending-Schachthöhle seit 2002. Die Höhle war ihre größte Entdeckung. Die Höhlenforscher der Arbeitsgemeinschaft haben viele Gangsysteme entdeckt und kartiert.

Was war dieses Mal anders?

Das Team wollte in Regionen vordringen, die noch nicht begangen waren. Aber die liegen tiefer, gut 1100 Meter unter der Erde. Möglicherweise waren die drei also noch auf dem Weg dorthin, wo sie weiterarbeiten wollten.

Wie kann man sich bemerkbar machen?

Das genau ist das Problem: Dort unten funktioniert kein Handy oder Funkgerät. Bei dem Unfall hat das den Beginn der Rettung stark verzögert: Einer der drei musste zwölf Stunden - und das war Rekordtempo - zum Ausgang steigen, um überhaupt Hilfe zu holen.

Warum sind die Nachrichten so alt?

Am ersten Tag waren alle Nachrichten von dem Verletzten mindestens zwölf Stunden alt, weil sie nur von zurückkehrenden Helfern überbracht werden konnten.

Wie wurde eine Telefonverbindung hergestellt?

Es ist ein Telefonkabel bis auf etwa 350 Meter Tiefe gelegt worden. Danach gibt es eine weitere Verbindung bis zum Unglücksort, über die Textnachrichten übermittelt werden können. Für die Rettungskräfte ist wichtig, dass sie schnell Nachrichten aus der Tiefe bekommen: die Einschätzung ihrer Kollegen unten - und bald auch eines Arztes.

Warum kommt kein Arzt zum Verletzten?

Weil es kaum Mediziner gibt, die Extremsportler sind und genug Höhlenerfahrung haben. Die Riesending-Schachthöhle gilt als gefährlichste und extremste Höhle Deutschlands. Nach Angaben der Bergwacht meldeten sich aus ganz Europa überhaupt nur drei Ärzte, die bereit und in der Lage sind, in die Höhle zu gehen, ein Deutscher, ein Italiener und ein Österreicher.

Was verzögert die Rettung?

Ein Arzt ist jetzt mit drei Schweizer Höhlenrettern unterwegs und sollte den Unglücksort am frühen Mittwochmorgen erreichen - wenn alles gut geht. Ein anderer Arzt, der viel Erfahrung mit Bergrettungen hat, musste auf halber Strecke aufgeben. Allein der Rückweg über lange Strecken und insgesamt Hunderte Höhenmeter senkrecht an feuchten Seilen ist extrem. Und die Sicherheit der Helfer hat Vorrang.

Wie viele Höhlenforscher und Höhlenretter gibt es?

Da gibt es keine Zahlen. Aber Höhlenretter, die für diesen Extremeinsatz infrage kommen, gibt es laut Bergwacht in Deutschland nur eine Handvoll - und selbst in Europa nur wenige. Deshalb wurde international Hilfe angeboten. Schweizer Retter sind schon in der Höhle, Italiener sollen sie ablösen - danach sind eventuell wieder die Deutschen dran, die nach dem ersten Einsatz erst mal ausruhen mussten. Bei den Höhlenforschern sieht es ähnlich aus - es gibt ebenfalls nur eine Handvoll, die solche Extremexkursionen macht.

Was braucht man in so einer Höhle?

Neben Seilen und der Kletterausrüstung jedenfalls warme wasserfeste Kleidung, denn dort unten ist es feucht. Warme Schlafsäcke, denn die Forscher bleiben oft tagelang unten, und es hat nur um die vier Grad. Kalorienreiche Nahrung. Denn die Expedition kostet viel Energie.

Der Schwerverletzte sei transportfähig, müsse jedoch zuvor behandelt werden. „Die Ärzte werden jetzt einen medikamentösen Schutzmantel um den Mann legen“, sagte der Sprecher. Dazu hätten sie spezielle Medikamente angefordert, die am Donnerstag bei dem Forscher eintreffen sollten. Sobald der Zustand des Patienten es erlaube, sei geplant, mit der Hilfe von sechs internationalen Höhlenretter-Teams die Bergung des Mannes aus der Höhle zu starten.

Der 52 Jahre alte Forscher war am Sonntagmorgen in rund tausend Metern Tiefe in der schwer zugänglichen „Riesending-Schachthöhle“ durch einen Steinschlag am Kopf verletzt worden. Wie die Bergwacht mitteilte, arbeiten die weiteren Einsatzkräfte in der Höhle parallel an der Infrastruktur zum Transport des Patienten, der Einsatzkräfte und des Materials weiter.

Es werde damit gerechnet, dass auch das zweite italienische Team mit einem eigenem Arzt rasch zur Einsatzstelle vordringen könne.

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