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22.01.2013

10:51 Uhr

Afghanistan-Einsatz

Prinz Harry tötete Taliban-Kämpfer

Prinz Harry hat während seines Militäreinsatzes in Afghanistan „so wie viele andere auch“ Taliban-Kämpfer getötet. Wer versucht habe, ihren Kameraden etwas anzutun, sei „ausgeschaltet worden“.

Prinz Harry, Sohn von Prinz Charles, hat beim Militäreinsatz in Afghanistan auch Taliban-Kämpfer getötet. dpa

Prinz Harry, Sohn von Prinz Charles, hat beim Militäreinsatz in Afghanistan auch Taliban-Kämpfer getötet.

LondonDer britische Prinz Harry hat nach eigener Darstellung während seines jüngsten Militäreinsatzes in Afghanistan auch Taliban-Kämpfer getötet. „Ein Leben zu nehmen, um eines zu retten, darum drehte es sich bei uns“, sagte der Prinz der britischen Nachrichtenagentur. Auf die Frage, ob er als Bordschütze eines Kampfhubschraubers auch Kämpfer getötet habe, sagte er: „Ja, so wie viele andere auch.“ Wer versucht habe, ihren Kameraden etwas anzutun, sei „ausgeschaltet worden“.

Das britische Verteidigungsministerium gab am Montagabend bekannt, dass Harry seinen Einsatz in Afghanistan beendet habe. Der Prinz hatte während seines Einsatzes in der unruhigen südlichen Provinz Helmand mehrere Male mit Journalisten gesprochen; seine Äußerungen durften aber erst nach dem Ende seines Einsatzes veröffentlicht werden.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Im Camp Bastion, wo Harry als Hubschrauberpilot stationiert war, lebte er nach eigenen Angaben „so normal wie möglich“. Er sei auch „einer von den Jungs“ gewesen und genauso behandelt worden. Es habe ihn aber gestört, von anderen Soldaten angestarrt worden zu sein, die er noch nie gesehen habe. Harry war bereits im Winter 2007/2008 zehn Wochen als Fliegerleitoffizier am Hindukusch aktiv. Der Einsatz war aber aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden, nachdem sein Aufenthaltsort bekannt geworden war.

Über seinen älteren Bruder William, der mit seiner Frau Catherine ein Kind erwartet, sagte Harry, dieser wäre ebenfalls gern nach Afghanistan gegangen. „Und um ehrlich zu sein, ich sehe auch nicht, weshalb er nicht konnte.“ Niemand wisse schließlich, wer im Cockpit sitze. Großbritannien hatte entschieden, dass es zu gefährlich sei, William nach Afghanistan zu entsenden. Er ist nach seinem Vater Charles der zweite britische Thronfolger.

Von

afp

Kommentare (9)

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Beobachter

22.01.2013, 11:19 Uhr

Ist dies wirklich eine Top-Nachricht wert?
Arme Journalisten!

tonimobil

22.01.2013, 12:08 Uhr

Der Mann lebt gefaehrlich,moeglicherweise steht er jetzt auf der Todesliste der Taliban.

aci

22.01.2013, 12:31 Uhr

@tonimobil
So sehe ich das auch. Es ist unverantwortlich, diesen Sympathieträger als herausragenden Taliban-Mörder zu bewerben. Er wird zu einer Trophäe der Taliban stilisiert, so wie der Binladen einer für die USA war. Und er ist noch jung. Die Taliban gibt es noch lange. Vielleicht ist ja "nur" ein Abkömmling von ihm Zielscheibe.

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